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Spanien: Rekord-Enthalten bei EU-Wahl
Die Wahlbeteiligung in Spanien sank um 11 Punkte. Rund 62% der Wähler blieben zu Hause, was die Legitimität des neuen Europaparlaments infrage stellt.
Rekord-Enthaltung drückt Wahlbeteiligung in Spanien
Die Enthaltung hat die Europawahl gewonnen. Wieder einmal und mit dem größten Abstand seit Jahren: Die Beteiligung ging im Vergleich zur letzten Wahl um bis zu 11 Punkte zurück, wobei das Minutement stündlich anwuchs. Um 14:00 Uhr lag man 4 Punkte unter dem Vorwert; um 18:00 Uhr waren es bereits 12 Punkte weniger. Am Abend drohte die Zahl unter die Marke von 45% zu fallen, dem historischen Höchststand für eine isolierte Europawahl ohne den Anreiz kommunaler oder regionaler Wahlen auf demselben Stimmzettel.
Das Auszählungsergebnis lieferte ein unbequemes Bild: Etwa 62% der Wahlberechtigten erschienen nicht an den Urnen. Von da an wurde die Statistik politisch. Manche lesen dies als Todesurteil für das Interesse an Europa. Andere sehen darin den Beweis, dass die nächsten fünf Jahre im Parlament ohne echte Mehrheitsherrschaft verbracht werden.
Wahlbeteiligung bei isolierten Europawahlen
Der Vergleich erfordert Kontext. Die letzte Wahl war nicht vergleichbar: Sie fiel mit Kommunal- und Regionalwahlen zusammen, bei denen die Wähler aus ganz anderen Gründen mobilisiert werden. Wenn die Europawahl allein stattfindet, ist das Muster hartnäckig: 44% im Jahr 2004, 44% im Jahr 2009 und 43% im Jahr 2014. Eine Untergrenze von 43-44%, die manche auf Gewohnheit zurückführen, andere als strukturelles Merkmal des Systems ansehen.
Die sich durchsetzende These besagt, dass geschlossene Listen und der einheitliche Wahlkreis jeden Einsatz entmutigen. Es ist egal, wen man wählt: Die Sitzverteilung wird in Brüssel zwischen neu formierten Fraktionen und wechselnden Partnern je nach Dossier entschieden. „Ein Betrug“, fasste es jemand zusammen, der die europäische Wahl mit lokalen Wahlen verglich, bei denen man zumindest weiß, wem man seine Stimme gibt.
Manche gehen weiter: Das Europäische Parlament sei ein Zufluchtsort für Gehälter, während die reale Macht zwischen Kommission und Rat verteilt sei, die beide keiner direkten Wahl unterliegen. Dieser institutionelle Rahmen wird so zum gewichtigen Argument für jene, die zu Hause bleiben. „Brot und Spiele“, nannte es ein anderer, mit derselben Resignation.
Verschwendung von Stimmzetteln am Wahltag
Angesichts der Enthaltung steht die Materialverschwendung im Fokus. Der Fall eines Wahllokals in Aragón mit 320 Eingetragenen und bis zu 6.000 gedruckten Stimmzetteln machte die Runde – alle landeten im Müll, als das Lokal schloss. Bei geschlossenen Listen und einem einzigen Stimmzettel pro Partei bestimmen die etablierten Parteien die Methode. Die technische Alternative auf dem Tisch lautet anders: Ein einzelner Stimmzettel mit Ankreuzfeldern, wie im Senat.
Die Paradoxie zeigte sich daran, dass diese Verschwendung von einer Verwaltung getragen wird, die parallel vom Bürger Einsparungen beim ökologischen Fußabdruck fordert. Papier wird millionenfach gedruckt, an Wahllokale verteilt und nachts vernichtet. Niemand diskutiert darüber, weil es niemandem von Gewicht nützt, etwas zu ändern.
Folgen der Nichtwahl: Bleibt die Sitzverteilung gleich?
Die Antwort ist der Kern der Empörung. Ja, die Sitze werden gleich verteilt. Die Enthaltung kostet keinen einzigen Sitz und mindert kein Gehalt: Wer sitzt, kassiert. Daher stammt der Vorschlag von Escaños en Blanco (Leere Sitze): Hätte jeder Daheimgebliebene diesen Stimmzettel abgegeben, wären mehr als die Hälfte der spanischen Sitze im Europaparlament leer geblieben, und jede Sitzung in Brüssel wäre ein stummer Hinweis auf den Unmut gewesen.
Der Einwand kommt sofort. Wer garantiert, dass der durch dieses Kürzel gewählte Kandidat sein Gehalt, seine Immunität und Diäten aufgibt, sobald er die Tür hinter sich schließt? Ohne einen Mechanismus zur sofortigen Abberufung bei Nichteinhaltung des Programms hängt das Instrument vom Wortlaut jemandes ab, den das System gerade dafür belohnt, ihn nicht einzuhalten. Und der zweite Haken existiert bereits im Plenarsaal: Es gibt Europaabgeordnete, die genauso viel verdienen, auch wenn sie nie erscheinen.
Das Mandat als Geschäft: 28.000 Euro monatlich für Berater
Wenn irgendetwas die Gier nach dem Sessel erklärt, sagen Kritiker, dann ist es die Arithmetik des Amtes. Eine während des Wahltages kursierende Zahl bezifferte das Budget für die Einstellung von Beratern auf 28.000 Euro monatlich, also Geld, das der Unterzeichner frei verteilen kann. Ein Anreiz, der durch Zyklenwechsel nicht erlischt und hilft zu verstehen, warum die Enthaltung nie zu weniger Kandidaten führt.
Die skeptische Antwort hat ihre eigene Logik: Egal wie viele zu Hause bleiben, es bleibt immer eine gefangene Basis. Jene, die vom System leben, oder jene, die aus Gewohnheit oder Identität ihre Stammpartei wählen. Selbst wenn die Enthaltung auf 75% stiege, würde dieser Kern weiterhin entscheiden, wer das Sagen hat. Bittere Schlussfolgerung: Der Enthaltsame bestraft niemanden, er streicht sich nur selbst aus der Bilanz.
Angesichts dieser Präzedenzfälle ist es wahrscheinlich, dass der Rückgang der Wahlbeteiligung innerhalb weniger Tage vergessen sein wird und die europäische Wahl wieder eher als Bestrafungsreferendum gegen die aktuelle Regierung denn als Plebiszit über Europa funktioniert. Vielleicht aber nicht immer: Wenn eine einzige Kraft die Enttäuschung mit einer antietablierten Rhetorik nutzen kann, wird die nächste Messung anderes zeigen. Mit Urnen weiß man nie.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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