Europa als Staat: Wien als Hauptstadt, rotierende Monarchie

Ein europäischer Bundesstaat mit Wien als Hauptstadt und rotierender Monarchie im Konflikt zwischen nationaler Souveränität und kontinentaler Einheit.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Europa als Staat: Wien als Hauptstadt, rotierende Monarchie
Europa als Staat: Wien als Hauptstadt, rotierende Monarchie

Europa nicht als gemeinsamer Markt, sondern als Staat. Die Hauptstadt in Wien, eine föderale Regierung, eine rotierende Monarchie unter historischen Königen und massive Aufrüstung. Dies ist das Paket, das den Ansatz einleitet und auf einem einzigen Argument beruht: In der kommenden Welt haben die Europäer allein nichts zu gewinnen. Der Kontinent, vom Autor als der kleinste der Erde beschrieben, zersplittert in Stücke und mit zwei der vier größten Länder der Welt als offene Feinde. Daraus folgt der Schritt: ein einziges Land, neu gestaltete innere Grenzen, energetische Unabhängigkeit und technologische Entwicklung als Überlebensweg.

Was genau plant der Vorschlag: Wien als Hauptstadt und rotierende Könige

Das institutionelle Design ist kein Zufall. Der offizielle Name wäre einfach EUROPA, die Hauptstadt wird in Wien festgelegt und die Staatsform föderal. Das Staatsoberhaupt würde von einer rotierenden Monarchie gestellt, getragen von verschiedenen historischen Königen des Kontinents, ein Detail, das viel Spott erntet. Die Wahl des Sitzes basiert auf zwei erklärten Kriterien: Gleichmäßigkeit und physische Verteidigung, wobei die Stadt fernab von Meeren und feindlichen Grenzen liegt.

Der Rest des Programms ist ebenso eindeutig. Aufrüstung, energetische Unabhängigkeit und eine technologische Entwicklung, die dem Kontinent seine Position als „am weitesten entwickelter Ort der Erde“ zurückgibt. Die inneren Grenzen müssten reformiert werden, damit jeder Bundesstaat seine historischen Gebiete zurückerhält, mit weniger Einheiten und mehr Macht. Manche fassen das Ganze als „ein Megastaat wie die USA“ zusammen und antworten mit leichtem Witz: Wenn es schon Probleme mit den Autonomien gibt, stellen Sie sich das auf kontinentaler Ebene vor.

Warum behauptet man, dass die aktuelle Konföderation nicht funktioniert

Der Schlüssel liegt nicht auf der Karte, sondern am Ausgang. Das zentrale Argument ist, dass eine Konföderation Eintritt und Austritt nach Belieben erlaubt, und dieser Umstand allein führt zu einer Instabilität, die nicht tolerierbar ist: Jeder externe Akteur könnte sie von innen sprengen. Daher wird das Projekt als Staat und nicht als Club von Partnern konzipiert.

Die technischeren Antworten weisen in dieselbe Richtung mit anderen Mitteln. Man wirft das Fehlen einer gemeinsamen Außen- und Wirtschaftspolitik vor, das steuerliche Dumping einiger Partner und die Rolle großer Länder als Handelsblocker, wenn es ihnen passt. Der vorgeschlagene Rezeptplan sieht abgegrenzte föderale Kompetenzen vor: Verteidigung, Außenpolitik, Wirtschaftsregulierung, Industrie- und Handelspolitik sowie eine Steuerkompetenz zur Finanzierung – mit der Körperschaftsteuer als Werkzeug, um die als parasitär beschriebenen Politiken zu unterbinden.

Welche gemeinsame Sprache hätte dieser europäische Staat?

Keine der großen Sprachen, so die Ansicht der Befürworter. Die Wahl von Spanisch, Deutsch, Französisch oder Italienisch würde Streit zwischen den Partnern auslösen, daher schlägt man eine zweite Sprache vor, die in allen Territorien gelehrt wird: Neolatín oder Griechisch, mit Vorliebe für Letzteres wegen seiner literarischen und philosophischen Last. Die lokale Sprache bliebe in jedem Territorium erhalten.

Die Sache ist nicht geringfügig. Es wird betont, dass eine gemeinsame Sprache der wahre Klebstoff für einen Raum von Cádiz bis zum Ural wäre. Übersetzt in die Praxis: Eine föderale Regierung nützt nichts, wenn der Bürger sich nicht mit seinem Nachbarn zweitausend Kilometer entfernt verständigen kann.

Der Konflikt mit den Nationen: Autonomien, Sprachen und rotierende Könige

Hier scheitert der Konsens. Gegen die Einheit steht das Argument, dass ohne gemeinsame Nation kein legitimer Staat existiert, und dass die Kulturen und Traditionen jedes Volkes zu vielfältig sind, um in ein einziges Wesen zu passen, ohne untragbare Spannung zu erzeugen. Vergleiche mit bestehenden territorialen Konflikten in Spanien tauchen immer wieder auf.

Die Alternative, die in den Antworten an Boden gewinnt, ist nicht der Einheitsstaat, sondern eine gestärkte Konföderation oder eine imperiale Formel: ein Heiliges Römisches Reich oder ein modernes Römiches Reich, in dem lokale Königreiche und eine gemeinsame Außenpolitik koexistieren. Dies ist der Weg, den jene verteidigen, die das aktuelle Projekt als unreif betrachten und lieber Territorien reformieren, als eine Nation von Grund auf zu gründen.

Die Karten: Vom Ural bis Anatolien

Die Karten sind die schwächste Flanke. Die Lage der vorgeschlagenen Grenzen löst die häufigste Antwort in der gesamten Debatte aus: Jugoslawien ans Kaspische Meer zu setzen. Diskutiert wird auch, ob der Ural als natürliche Grenze dient, mit dem Gegenargument, dass der höchste Berg des Urals kleiner ist als der höchste Punkt der Comunidad de Madrid.

In die Aufteilung gehören größere Angelegenheiten. Manche behaupten, Anatolien sollte aufgrund seiner griechischen und armenischen Ursprungszerfallen, eine These ohne Beweise, die als Meinung formuliert wird. Und bleibt die unbequeme Frage, die niemand beantwortet: Wo platziert man Ungarn, Finnen oder Slawen, wenn die Grenzen neu gestaltet werden? Dass diese Menschen bereits dort leben, wird erinnert, ist kein kleines Detail.

Sind große oder kleine Staaten besser?

Der internationale Vergleich spaltet. Ein Block vertritt die Ansicht, dass Geopolitik von riesigen Staaten getrieben wird und Europa einer davon sein sollte, um etwas zu zählen. Ein anderer antwortet genau das Gegenteil: Schaut man auf die USA, Russland, China oder Indien, wäre die Schlussfolgerung, dass je kleiner, desto besser.

Mittendrin erscheint die Enttäuschung über den aktuellen Club, beschrieben als schlecht ausgeführte Idee, die niemanden geschützt hat. Und ein Teil der Interventionen leitet das Problem auf die Migrationspolitik der letzten Jahrzehnte, mit einer Diagnose, die andere Stimmen als Versuch betrachten, den Fokus zu verschieben: Das Problem sei nicht grenzenbezogen, sondern institutionell.

Im Grunde steht das Projekt vor derselben Mauer wie jede politische Union: Ein Staat braucht ein Demos, und niemand hat bisher erklärt, woher das eines Kontinents mit zwanzig Sprachen und ebenso vielen Erinnerungen kommt. Mit geschlossener Tür wird die Frage nicht mehr administrativ, sondern eine der Legitimität. Dort bleibt die Analyse stehen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (212 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver