Plan zum Verlust von 2.000 Euro wöchentlich im DAX-Handel
9.475, Kauf. 9.499, Verkauf. Zehn Punkte bei 25 Euro pro Punkt: 250 Euro. Das Fazit des Händlers ist ein trockenes „schlechter Start“. Mit diesem Ergebnis beginnt Anfang Februar 2016 ein Experiment mit einer bewusst absurden Prämisse: Eröffnung eines echten Börsenkontos mit dem Ziel, Geld zu verlieren, in der Überzeugung, dass sich die Serie umkehrt, wenn man genau das Gegenteil tut wie bisher. Die Logik — wenn wir immer verlieren, werden wir immer gewinnen — klingt wie ein Witz, aber die Aufstellung ist bis ins Detail durchdacht.
Das Design ist folgendes: 4.000 Euro bei einem imaginären Broker und 300.000 Euro auf dem Bankkonto, um schrittweise nachzufinanzieren, während Verluste entstehen, etwa 2.000 Euro pro Woche. Die Zahl 300.000 ist kein Zufall: Sie entspricht den Ergebnissen einer Google-Suche darüber, wie viel Kapital nötig ist, um von der Börse zu leben, mit ebenso unterschiedlichen wie verdächtigen Resultaten. Der Initiator des Experiments stellt von Anfang an klar: Es ist ein Spiel, nicht replizierbar, und alles zielt darauf ab, das Konto zu sprengen.
Die Zahlen des Experiments: 5 Kontrakte, 10 Punkte, 250 Euro
Die Handelsstrategie ist reines Intraday-Trading. Fünf Kontrakte, Einstiege zwischen 8 und 9 Uhr morgens, gelegentlich weitere im Tagesverlauf, Ausstieg bei 10 Punkten Bewegung und Stop-Loss bei 100 Punkten. In Geld ausgedrückt: Jeder Punkt ist 25 Euro wert; das Ziel pro Trade sind 250 Euro, der Stop-Loss liegt bei 2.500 Euro. Das Verhältnis von erwartetem Gewinn zu akzeptiertem Risiko beträgt eins zu zehn, ein Detail, das nie dramatisiert wird. „Bei Abweichungen über Limit oder Stop weise ich laufend darauf hin“, heißt es.
Hier liegt das Grundproblem, das nicht nur dieses Experiment betrifft. Das System scheitert nicht an fehlenden Regeln, sondern an der Asymmetrie: Man sammelt Krümel und riskiert das Zehnfache dessen, was man erwartet. Die Spread-Kosten des Brokers fallen bei jedem Trade gleich an, unabhängig vom Gewinner.
Das Konto, das verlieren sollte, begann mit Gewinnen
Nach wenigen Stunden entwickelte sich das Konto unerwartet positiv. Fünf aufeinanderfolgende Trades — 9.475, 9.454, 9.464, 9.473, 9.415 — alle mit Plus abgeschlossen. „Wir haben 1.000 Euro angesammelt“, „kumuliert 1.250 Euro“. Ein Plan, der für Verluste entworfen war, verbuchte am ersten Tag einen Gewinn von 1.250 Euro, was viel über die vermeintliche Umkehrlogik aussagt.
Nicht alles war Euphorie. Eine erfahrenere Stimme erinnerte daran, dass Intraday-Handel bedeutet, gegen „die Besten der Welt“ anzutreten, und jeder Punkt, der diesen Künstlern abgenommen wird, gefeiert werden muss. Eine andere wies auf das Offensichtliche hin: Zwanghaftes Kaufen und Verkaufen erhöht nur die Gebühren. Niemand wagte laut auszusprechen, was die Zahlen nahelegten: Der Markt belohnt nicht dafür, dass man ihm widerspricht.
Von 9.400 auf 10.800 Punkte
Das Experiment zog sich über Monate hin, und der DAX bewegte sich stärker als das Experiment selbst. Im Mai 2016 führte eine Korrektur dazu, dass der Index die Unterstützung bei 9.830 testete; von dort stieg er bis zum Widerstand bei 10.037, und der Schlusskurs am 7. Mai lag bei 9.927. Im August gab es eine Phase mit mehr als 200 Punkten, die alle überraschte, einschließlich jener, die seit einer Woche Positionen hielten. Im Oktober kämpfte der Index zunächst mit dem Bereich 10.775-80 und dann mit 10.800, bei umstrittener Tendenz und einem Massaker an Long-Positionen, das viele ratlos zurückließ.
Zu dieser Zeit hatte sich die Diskussion verlagert: Wie nutzt man Volatilität, ohne das Konto zu ruinieren? Das Scalping von drei, fünf oder zehn Punkten kam auf, schnelle Ausstiege und der Fokus auf 250 Euro täglich als Ziel, nicht als Lotterie.
Wie viel behält der spanische Fiskus (Hacienda) von Börsengewinnen?
Von jedem Gewinn 20 %. Dies erinnerte eine Stimme mitten in der Erfolgsserie: Es ist nicht dasselbe, 250 Euro Bruttogewinn zu erzielen und netto 200 Euro zu behalten. Die Antwort war bodenständig ehrlich und unwiderlegbar — „besser 20 % von etwas zahlen als 0 % von nichts“ — und fasst die Spannung des ganzen Themas gut zusammen.
Zwischen den Charts tauchte auch ein Link zu einem BBC-Bericht über den Mann auf, den das FBI beschuldigt, die US-Börse von seinem Haus in London aus manipuliert zu haben. Die Lektüre war kein Zufall: Wenn ein Privatperson mit Heimanschluss den Markt bewegen kann, wer führt dann die Gegenposition aus?
Das Ergebnis, das niemand abschloss
Das Experiment blieb offen. Das Konto, das verlieren sollte, wechselte zwischen grünen und roten Phasen, mit mehr Lehren über emotionale Kontrolle als über technische Analyse. Zwischen den ersten und letzten Nachrichten stieg der DAX von rund 9.400 Punkten auf den Kampf um 10.800. Der Index stieg, während der Plan versuchte, ihn fallen zu sehen. Niemand erklärte vollständig, was mit dem Geld geschah.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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