Agrarrohstoffe: Weizenpreis sinkt um 48 % vom Höchststand
Lohnt sich eine Investition in die Landwirtschaft, wenn die Agrarpreise etwa 50 % unter den Höchstständen von 2008 notieren? Diese Frage beschäftigt die Branche seit über einem Jahrzehnt, geprägt von zwei Preis-Dürren, einem Handelskrieg und mehreren Energiekrisen. Die These der Käufer stützt sich auf vierzig Jahre Vernachlässigung des primären Sektors und die Überzeugung, dass nun die Aufholphase beginnt. Die Skeptiker fassen ihre Haltung in einem Satz zusammen: Das Chartbild kehrt seit dem ersten Tag immer wieder zum Ausgangspunkt zurück.
Warum notieren Agrarpreise 50 % unter dem Niveau von 2008?
Die Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe liegen rund 50 % unter den Höchstwerten von 2008. Befürworter der Chance leugnen nicht, dass weitere Rückgänge möglich sind; sie empfehlen das Gegenteil nervöser Anleger: schrittweises Durchschnittskosteneffekt (Cost-Average-Effekt) über ein bis zwei Jahre und langfristiges Denken. Die Zone zwischen 24 und 25 dient als Einstiegsreferenz, und viele Rohstoffe bewegen sich nahe an langfristigen Unterstützungslinien. Das Kernargument lautet, dass das Ende einer Blase noch weit entfernt ist und das geringe Medieninteresse am Sektor selbst der beste Beweis dafür sei, dass keine platzen kann.
Das Bild des Verfalls: Von Weizen bis Baumwolle
Die Korrekturzahlen lassen keinen Raum für Spekulationen. Baumwolle verzeichnete einen Rückgang von 56,89 %, Weizen von 48,82 %, Kakao von 34,16 %, Zucker von 25,78 %, Kaffee von 25,44 %, Soja von 20,72 % und Mais von 17,65 %. Lebendvieh hingegen hält sich mit +0,70 % stabil, während Mastvieh stagniert. Der Durchschnitt dieser Rückgänge liegt bei 33,36 %, fast identisch mit den 33,17 %, die das wichtigste Finanzinstrument zur Beobachtung dieser Märkte angehäuft hat.
Was man kaufen kann und mit welchem Kapital
Das meistgenannte Vehikel verteilt sein Gewicht gleichmäßig auf Mais, Soja, Zucker und Lebendvieh (je 12,50 %), Kakao und Kaffee (11,11 %), Schweine (8,33 %), Weizen und Kansas-Weizen (6,25 %) sowie Baumwolle (2,7 %). Es gibt Alternativen mit spezifischen Tickersymbolen: MOO, RJA, JJA und DBA. Unzugänglicher ist der Fonds DWS Invest Global AgriBusiness, verwaltet von Oliver Kratz, dessen Hauptklasse eine Mindestinvestition von 400.000 Euro erfordert. Seine Klassen mit der Endung NC senken die Hürde jedoch auf etwa 200 Euro bei bestimmten Vermittlern – dies ist der reale Einstiegspunkt für den durchschnittlichen Kleinanleger.
1.200 Euro und die Gebührenmauer
Hier kommt das Kleingedruckte, das die Transaktion ruinieren kann. Bei einer Spread-Gebühr von 15 Euro fix plus 0,2 % auf das Anlagevolumen machen diese 15 Euro 1,5 % einer 1.000-Euro-Transaktion aus, aber nur 0,15 % einer 10.000-Euro-Transaktion. Für ein Portfolio von 1.200 Euro frisst die Fixgebühr die Marge bereits vor Beginn auf. Die wiederkehrende Schlussfolgerung: Es lohnt sich, in weniger Transaktionen zu konzentrieren oder Produkte ohne Mindestanlage zu suchen, die den Einstieg nicht so stark verteuern. Und wer versucht, mit diesem Kapital auf Weizen- oder Öl-Futures zu spekulieren, sollte es lieber lassen.
Olivenbäume für 300 Euro und deutsches Ackerland 45 % teurer
Der physische Weg hat seine eigenen Preise. In Olivenanbaugebieten finden sich bewässerte Olivenbäume für 300 Euro oder weniger, während vor fünf Jahren noch bis zu tausend Euro gezahlt wurden. Käufer dort spekulieren nicht auf das Öl des Monats: Sie setzen darauf, dass die Wirtschaft in einigen Jahren zu einem vernünftigen Zustand zurückkehrt und der Hofwert sich verdoppelt. In Deutschland ist das Phänomen anders und gut dokumentiert: Ackerland wurde zum Vermögenssicherheitsventil, und der durchschnittliche Quadratmeterpreis stieg seit 2008 um etwa 45 %. Parallel dazu legte Holz in einem Quartal um 30 % zu und durchbrach die Obergrenze seiner Seitwärtsbewegung. Es gibt sogar Anbieter, die 7 % jährliche Rendite für die Finanzierung von Bienenstöcken versprechen, während andere warnen, dass Zitrusfrüchte derzeit zu Schleuderpreisen gehandelt werden.
Sanktionen gegen Russland und das Gespenst der Überproduktion
Geopolitische Faktoren mischten sich früh in die Analyse ein. Nach den Sanktionen der USA und der EU gegen Russland und Russlands Gegenmaßnahmen bei Lebensmittelimporten zeichnet sich auf beiden Seiten ein gegensätzliches Szenario ab: Europa mit schwer abzusetzender Überproduktion und Russland mit Knappheit, die es über nicht blockierte Lieferanten decken will. Beim Weizen zeigt sich die Paradoxie deutlich: Die US-Ernte war die produktivste seit drei Jahren nicht, dennoch fallen die Preise, weil das weltweite Angebot Rekorde markierte. Es ist derselbe Preiskrieg, der das Rohöl destabilisierte, nur mit verteilten Rollen.
Blase oder Boden?
Angesichts der Euphorie mahnt zur Vorsicht. Jeremy Granthams Ratschläge werden als Gegengift zitiert: An die Geschichte glauben, etablierten Interessen misstrauen und daran denken, dass alle Blasen irgendwann platzen. Jim Rogers fügt die demografische Komponente hinzu: In den USA studieren mehr Menschen Public Relations als Agrarwissenschaft, alte Produzenten gehen in den Ruhestand, junge Leute wählen andere Berufe, sodass der Sektor in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten „extrem interessant“ bleiben wird. Unterdessen sind die Preise zum Ausgangspunkt der Beobachtungsreihe zurückgekehrt.
Am Ende bleibt der billigste Indikator der beste für den Sektor: Wenn niemand Interesse an der Landwirtschaft hat, kauft jemand ein; wenn alle Interesse haben, verkauft jemand. Es bleibt nur die Entscheidung, auf welcher Seite dieses Satzes man sich positioniert.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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