Spanien jetzt unter den fünf EU-Ländern mit höchster materieller Entbehrung

8,1 % der Bevölkerung leidet unter schwerer materieller und sozialer Entbehrung, im EU-Durchschnitt sind es 6,3 %. Das BIP wächst, doch die Haushalte spüren die Verbesserung nicht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Wirtschaft wächst, doch 8,1 % können sich keine Urlaubswoche leisten

Wie kann es sein, dass Spanien das europäische Wachstum anführt und sich gleichzeitig beim schweren materiellen Mangel vom fünfzehnten auf den fünften Platz vorgearbeitet hat? Die Daten von Funcas zur Eurostat-Statistik lassen keinen Interpretationsspielraum: Der Indikator für schwere materielle und soziale Entbehrung betrifft 8,1 % der Bevölkerung, nach 7,4 % im Jahr 2015, während der EU-Durchschnitt von 9,7 % auf 6,3 % sank. Das BIP steigt. Die Arbeitslosigkeit sinkt. Und der Kühlschrank in jedem zwölften Haushalt hat weiterhin einen kaputten Thermostaten.

Was schwere materielle und soziale Entbehrung genau misst

Das ist kein vages Konzept. Eurostat verlangt, dass ein Haushalt sieben von dreizehn Entbehrungen aufweist, um als von schwerer materieller und sozialer Entbehrung betroffen zu gelten: sich nicht mindestens eine Urlaubswoche pro Jahr leisten zu können, die Wohnung nicht angemessen heizen zu können, verschlissene Möbel nicht ersetzen zu können, sich kein Essen mit Freunden und keine neue Kleidung leisten zu können. Der frühere Indikator, den das INE (Spaniens Statistikamt) weiterhin veröffentlicht, verlangte vier von neun und ließ Posten wie Mobiltelefon oder Farbfernseher wegen ihrer geringen Aussagekraft weg. Funcas führt beide weiter, um ein vollständigeres Bild zu erhalten.

Das spanische Paradox hat einen klaren Brennpunkt: Haushalte mit Kindern unter 16 Jahren. Die schwere materielle und soziale Entbehrung erreicht in dieser Gruppe 10,7 %, gegenüber einem Gesamtdurchschnitt von 8,1 %. Der Kinderzuschlag (132 %) ist nicht mehr der zweithöchste Europas, liegt aber weiterhin über dem EU-Durchschnitt (129 %). Und hier gibt es keinen Trick: Die meisten Länder mit höherem Zuschlag haben niedrige Gesamtraten. Spanien startet von einem hohen Niveau.

Rekord-BIP, das bis zum kaputten Sofa nicht ankommt

Die wirtschaftliche Expansion hat sich nicht in besseren Lebensbedingungen niedergeschlagen. Das ist die zentrale Schlussfolgerung der Analyse. Das Wachstum konzentriert sich auf Staatskonsum und Sektoren mit geringer Wertschöpfung, während die kumulierte Inflation der letzten Jahre die Kaufkraft der Löhne angefressen hat. Das Ergebnis ist ein Gefühl der Enge, das in den Makrozahlen nicht auftaucht. Eine Rechnung, die in Wirtschaftskreisen kursiert, besagt, dass die meisten Haushalte nicht mehr als drei oder vier Gehälter überstehen könnten, ohne ihren Lebensstandard zu verschlechtern. Der Urlaubsindikator, mit dem Personalberatungen die Stimmung im Betrieb messen, ist ein trügerisches Thermometer: Man kann in einem geliehenen Ferienappartment am Strand wohnen und trotzdem pleite sein.

Die Altersgruppe, die am besten dasteht, sind die über 65-Jährigen mit einer Quote von 4,7 %. Doch ihre Entwicklung ist die aussagekräftigste: Zwischen 2015 und 2018 verdoppelte sich ihre materielle und soziale Entbehrung von 3,5 % auf 8,1 %, während die Wirtschaft wuchs. Der Grund: Die Renten wurden jährlich um 0,25 % angepasst, während die Inflation bei 2 % lag. Als diese Regel abgeschafft wurde, ließ die Enge nach. Die Lehre: Die inoffizielle Inflation ist es, die den Geldbeutel leert.

Die Generation, die Staatsprüfungen ablegt, um nicht arm zu sein

Die Gruppe der 30- bis 64-Jährigen weist ähnliche Quoten wie der Durchschnitt auf: 8 % bei materieller Entbehrung und 8,8 % bei materieller und sozialer. Doch in dieser Gruppe gibt es einen Bruch. Akademisch gebildete junge Leute konkurrieren um Sachbearbeiterstellen, während ihnen die Privatwirtschaft endlose Praktikumsverträge anbietet. Die Flucht in den öffentlichen Dienst ist keine Berufung: Es ist Kalkül. Und dieses Kalkül hat enorme private Kosten, die in keiner Statistik auftauchen: Jahre ohne Sozialabgaben, ohne Berufserfahrung, während der finanzielle Rückhalt der Eltern das Dasein im Schwebezustand trägt.

Der Staat schafft keinen Wohlstand, er zieht ihn ein und verteilt ihn. Ein Land, in dem alle vom Haushalt bezahlt werden, ist ein geschlossener Kreislauf, der Geld nach innen pumpt, bis er platzt. Die Frage ist nicht, wie viele Beamte es gibt, sondern warum der private Sektor so schlecht bezahlt, dass der öffentliche wie El Dorado wirkt.

Am Ende ist es das gewohnte Bild: ein Land, das in den Schlagzeilen wächst und auf den Terrassen schrumpft. Oder auch nicht. Denn die Terrassen sind das ganze Jahr über voll. Vielleicht fällt die Kälte bei einem Kaffee in der Hand nicht auf.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (42 Antworten).

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