660 km unter deinen Füßen liegt ein Ozean: kein Wasser, sondern Gestein

Ein brasilianischer Diamant deutet darauf hin, dass sich in 660 km Tiefe Gestein mit Wasser in seiner Struktur befindet. Es ist kein Ozean, verändert aber die Theorien zum Ursprung des Wassers.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

660 km unter deinen Füßen liegt ein Ozean: kein Wasser, sondern Gestein
Jules Verne blieb zu kurz: Das Wasser unter der Erde ist kein Meer, sondern Gestein

Stell dir einen brasilianischen Diamanten vor. Ein winziges Korn, kaum größer als eine Linse, das ein Vulkan aus der Tiefe ausgespuckt hat und das die Oberfläche erreichte, ohne unterwegs zu zerfallen. In seinem Kristallgitter eingeschlossen befand sich ein Mineral, das nur hunderte Kilometer unter unseren Füßen existieren kann: Ringwoodit. Dieses Korn ist der einzige direkte physikalische Beweis für etwas, das die Seismik seit Jahren vermuten ließ. In 660 Kilometern Tiefe, in der sogenannten Übergangszone des Erdmantels, gibt es Gestein, das Wasserstoff und Sauerstoff in seiner Struktur enthält. Es ist kein Ozean. Kein See. Es gibt nichts zum Schwimmen oder Pumpen. Aber wenn man das gesamte in diesen Gesteinen gelöste Wasser zusammenrechnet, nach den Schätzungen der Studienautoren, ergibt sich ein Vielfaches des Volumens aller Ozeane an der Oberfläche. Die Schlagzeile, die gerade umgeht —"Ozean mit mehr Wasser als alle Ozeane zusammen entdeckt"— ist, großzügig gesagt, eine kreative Vereinfachung.

Was Ringwoodit wirklich ist und warum es wichtig ist

Der Fund ist nicht neu. Die maßgebliche Studie von Schmandt und Jacobsen erschien 2014 in der Zeitschrift Science. Was wieder die Runde macht, ist die Nachricht, aufgewärmt mit einer Schlagzeile, die unterirdische Meere verspricht. Die Realität ist bescheidener und zugleich interessanter: Das Wasser liegt nicht flüssig vor, sondern als Hydroxylgruppen (OH), eingeschlossen in der Kristallstruktur eines Minerals, das bei Drücken von hunderttausenden Atmosphären und Temperaturen von rund **1.500 °C** entsteht. Um es zu "servieren", müsste man das Gestein nach oben holen und erhitzen, damit es das Wasser freigibt. Es käme das mineralischste Wasser der Geschichte heraus.

Der Hinweis kam aus zwei Quellen. Die erste: dieser brasilianische Diamant mit Ringwoodit im Inneren. Die zweite: die Seismik. Die Wellen, die diese Tiefe durchqueren, verhalten sich so, wie es zu hydratisiertem Gestein passt. Der Rest ist Deduktion. Ein einziges Korn als direkter Beweis und tausende Kilometer Kruste, per Echo analysiert. So funktioniert die Tiefengeologie.

Der Ursprung des Wassers: Kometen gegen feuchter Planet

Die klassische Hypothese besagte, die junge Erde sei eine trockene Hölle gewesen, zu heiß, um Wasser zu halten, und das Wasser kam später mit Kometen und Meteoriten. Die Existenz von Wasser im tiefen Mantel öffnet eine andere Tür: ein Planet, der feuchter geboren wurde, als wir dachten, mit Wasser von der Entstehung an und recycelt durch die Bewegung des Mantels. Das beendet die Debatte nicht. Es verkompliziert sie. Und lädt nebenbei dazu ein, sich zu fragen, wie viel Wasser im frühen Sonnensystem vorhanden war und wie es sich verteilte.

Manche halten dagegen, dass das Deuterium-Wasserstoff-Verhältnis im irdischen Wasser nicht zu dem bekannter Kometen passt, was die exogene Theorie schwächt. Die vollständige Rechnung, mit Isotopen verschiedener Körper des Sonnensystems, ergibt einen überraschenden Unterschied. Die Diskussion läuft weiter.

660 Kilometer: eine Strecke Madrid-Barcelona nach unten

Zum Verständnis der Größenordnung: 660 Kilometer ist die Entfernung zwischen Madrid und Barcelona, nur eben senkrecht. Der Druck dort unten wird in hunderttausenden Atmosphären gemessen. Das tiefste Loch, das der Mensch je gegraben hat —die Kola-Bohrung in Russland— reicht nicht einmal an 12,3 Kilometer heran. Wir haben also nicht einmal 2 % des Wegs bis zu dieser Übergangszone gebohrt. Alles, was wir über den tiefen Mantel wissen, ist indirekt: Seismische Wellen, Diamanten, die zufällig aufsteigen, und Computermodelle.

Das heißt nicht, dass es billige Spekulation ist. Es heißt, dass Wissenschaft so funktioniert: mit konvergierenden indirekten Beweisen. Das Problem beginnt, wenn eine Schlagzeile aus einer soliden Schlussfolgerung ein schiffbares Meer macht.

Das Geschäft mit der Wissenschaftsschlagzeile

Die Meldung kursierte in Populärwissenschaftsmedien mit spektakulären Infografiken und Schlagzeilen von "Ozeanen" und "unterirdischen Speichern". Die Realität: Das Wasser steckt im Gestein, nicht in einer Höhle. Und der Fund ist bereits über ein Jahrzehnt alt. Die Klickmaschinerie funktioniert so: Ein altes Paper wird ausgegraben, bekommt eine verführerische Schlagzeile und wird als Neuheit verkauft.

Das Ergebnis ist eine kuriose Mischung. Auf der einen Seite Leser massenweise, die glauben, unter dem Boden liege ein Meer. Auf der anderen Wissenschaftler, die zusehen, wie ihre Arbeit zum Meme wird. Und mittendrin eine Zahl, die tatsächlich relevant ist: Die Erde könnte viel mehr Wasser bergen, als wir dachten, nur in einer Form, die sich nicht zum Befüllen eines Schwimmbeckens eignet.



Am Ende ist die verstörende Frage nicht, wie viel Wasser dort unten ist. Sondern wie viel davon von Anfang an da war und wie viel später kam. Die Antwort würde unser Bild davon verändern, wie dieser Planet entstand. Und im Moment passt der einzige direkte Beweis, den wir haben, in eine Handfläche.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (113 Antworten).

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