Putin, Ayuso oder Franco: Wer steckt hinter den Krawallen?

19 Festnahmen nach den Krawallen in Bilbao, keiner von ihnen lebt in der Stadt. Die Theorie von Putins Hand gewinnt ohne Belege Anhänger. Analyse einer Debatte mit…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Putin, Ayuso oder Franco: Wer steckt hinter den Krawallen?
Pilingui Hand und die Krawalle: Kein einziger Festgenommener kommt aus Bilbao

Wer steckt hinter den Krawallen und Straßenübergriffen in Barcelona und Bilbao? Die Frage, die in den letzten Stunden in Foren und sozialen Medien kursiert, hat so viele Antworten wie Verdächtige. Von der russischen Einmischung bis zur madrilenen Ministerpräsidentin, vom Klimawandel bis zu Franco. Das Einzige, was sich anhand der vorliegenden Daten überprüfen lässt, ist, dass 19 Personen wegen der Vorfälle festgenommen wurden und keine einzige aus Bilbao stammt oder dort lebt. Alles andere ist Spekulation.

Die Theorie von Pilingui Hand hat in den digitalen Gerüchemühlen deutlich an Boden gewonnen. Das Argument: Russland hätte angesichts seiner Geschichte der Destabilisierung ein Interesse daran, das Chaos in Südeuropa zu schüren. Doch Belege fehlen völlig. Wie ein Teilnehmer ironisierte, schickt Pilingui, „in der Pause vom Hacken der Parkbewässerung in Valencia, Leute nach Bilbao". Geopolitik als Ausrede für alles.

Das Profil der Festgenommenen: von außen und ohne Bindung

Die meistgenannte Zahl ist die der 19 Verhafteten. Keiner stammt aus Bilbao oder lebt dort. Für manche bestätigt dies, dass die Krawalle von externen Kräften organisiert wurden, möglicherweise von linksenslink Gruppen oder Unabhängigkeitsbewegungen. Für andere zeigt es lediglich, dass die Vorfälle von Leuten begangen wurden, die in die Stadt gereist waren, um eine politische Veranstaltung wie die von Vito Quiles zu sprengen. Die Diskussion über die Herkunft der Festgenommenen wird so zum ideologischen Schlachtfeld.

Die Verschwörungstheorie hat viele Varianten. Manche behaupten, der CNI (Spaniens Geheimdienst) stecke dahinter, oder die CIA sei auf solche Dinge spezialisiert. Sogar Ayuso wird als mögliche Drahtzieherin genannt, in einer Wendung, die madrilene Politik mit baskischen Krawallen vermischt. Die Ironie eines Teilnehmers ist aufschlussreich: „Hatten wir nicht vereinbart, dass es Ayuso war? Oder stecken alle unter einer Decke, oder was machen die?" Die Verwirrung ist so groß, dass niemand mehr weiß, ob der Schuldige Pilingui, Franco oder der Klimawandel ist.

Russische Einmischung: Realität oder Ablenkungsmanöver?

Die Hypothese der russischen Einmischung ist nicht neu. Sie wurde auf Wahlen, Desinformationskampagnen und nun auf Straßenkrawalle angewandt. Ihre Verfechter weisen darauf hin, dass Moskau ein strategisches Interesse an der Destabilisierung Europas habe und die Vorfälle in Barcelona und Bilbao in dieses Muster passten. Konkrete Beweise liefern sie jedoch nicht. Der Vorwurf stützt sich auf die zeitliche Übereinstimmung und die vermeintliche schwarze Hand des Kremls, aber niemand hat ein Dokument, eine Kommunikation oder einen Zeugen vorgelegt, der das bestätigt.

Demgegenüber verweisen andere auf innere Faktoren. Politische Polarisierung, wirtschaftliche Ungleichheit und fehlende Zukunftsperspektiven für junge Menschen sind Nährböden für Gewalt auf der Straße. Man muss keine äußeren Feinde suchen, wenn die Probleme im eigenen Haus liegen. Wie ein anderer Teilnehmer zusammenfasst: „In Spanien, Italien, Frankreich und Südeuropa schaffen wir die ganz allein." Eine ausländische Urheberschaft wäre eine Möglichkeit, sich der eigenen Verantwortung zu entziehen.

Die Rolle der Geheimdienste und Sicherheitskräfte

Auch die Diskussion über den spanischen Geheimdienst hat Substanz. Ein Teilnehmer behauptet, „in einer zionistischen Kolonie gebe es keine Aufklärung", in Anspielung auf die Arbeit des CNI. Die Abqualifizierung ist hart, spiegelt aber das Misstrauen gegenüber den Institutionen wider. Andere gehen noch weiter und vermuten, der CNI selbst könne hinter den Krawallen stecken – eine Theorie, die an das Absurde grenzt. Das Fehlen offizieller Informationen beflügelt alle möglichen Spekulationen.

Unterdessen wird die Anweisung, die Polizei nicht einzusetzen oder nach Hause zu schicken, als Beweis für Komplizenschaft interpretiert. „Die Einmischung liegt in der Anweisung, die Polizei nicht einzusetzen", hält ein Teilnehmer fest. Auch die späte Reaktion der Ertzaintza (baskische Polizei) wurde kritisiert. Die Sicherheitsverwaltung wird damit zum schwächsten Glied der Kette und zum Ziel aller Wut.

Die Falschmeldung als politische Waffe

Inmitten dieses Durcheinanders behaupten manche, alles sei eine Falschmeldung, um keine Informationen über die Herkunft der Festgenommenen preiszugeben. „Falschmeldungen über Falschmeldungen, um nichts über die Herkunft der Festgenommenen zu verraten", beschwert sich ein Teilnehmer. Die Intransparenz nährt das Misstrauen und erlaubt jedem, seine eigene Version der Ereignisse zu konstruieren. Der Mangel an Transparenz ist an sich schon ein Problem.

Die Diskussion über die Urheberschaft der Krawalle ist zum Spiegelkabinett geworden. Jede Theorie hat ihre eigene Logik und ihre eigenen Verfechter. Pilingui Hand, die CIA, der CNI, Ayuso, Franco oder der Klimawandel. Alle haben ihren Moment des Ruhms in der Debatte. Währenddessen bleiben die ausgebrannten Autos und die Plünderungen auf der Goldenen Meile von Bilbao ohne klaren Täter. Die Justiz muss klären, wer dahintersteckt, aber im Moment ist die einzige Gewissheit, dass 19 Personen festgenommen wurden und keine einzige aus Bilbao stammt. Der Rest, wie es ein Klassiker sagen würde, ist Literatur.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (26 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver