Spanien: Flutopfer starben beim Versuch, Autos zu retten

In Paiporta (Spanien) ertranken viele der 40 Toten in Garagen oder auf dem Weg zum Auto. Die Bürgermeisterin bestätigt das tragische Muster.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: Flutopfer starben beim Versuch, Autos zu retten
Nicht ohne mein Auto: Der fatale Kalkül

Das Auto stehen lassen und höher gelegenes Gelände suchen ist die richtige Entscheidung. Fast niemand tut es. Die Überschwemmungen in der Provinz Valencia hinterließen eine Spur von Opfern mit einem unbequemen Muster: Menschen verließen ihre Häuser oder blieben bei ihren Fahrzeugen, um nicht einen Besitz zu verlieren, für den sie jahrelang bezahlt hatten. In Paiporta meldete Bürgermeisterin Maribel Albalat 40 Tote – 34 im Stadtzentrum und sechs in einem Altenheim – und fasste die Szene zusammen: „Anscheinend versuchte ein großer Teil der Opfer, ihre Autos wegzufahren.“

Warum riskiert jemand sein Leben für ein Auto?

Einige sehen dies als wirtschaftliche Gleichung statt als Leichtsinn. Das Argument lautet: Stillsitzen bedeutet 100% Verlust des Fahrzeugs und Kosten von 30.000 bis 40.000 Euro für ein neues; hinunterzugehen, um es zu bewegen, birgt ein viel geringeres Risiko, von der Strömung erfasst zu werden. Das Problem ist, dass dieser kleine Prozentsatz, multipliziert mit Tausenden von Fahrern gleichzeitig, nicht mehr klein ist. Es ist hart, arm zu sein, fasst diese Sichtweise zusammen, die nicht entschuldigt, aber erklärt.

Der andere Faktor ist das Alter des Fuhrparks. Bei zwei 20 Jahre alten Autos ist die Versuchung geringer, sein Leben zu riskieren; bei einem vor zwei Jahren finanzierten Fahrzeug kippt die Rechnung, und der wirtschaftliche Schlag wiegt schwerer als das physische Risiko. Dagegen steht die offensichtliche Wahrheit: Ein Auto kann man neu kaufen, ein Leben nicht. Und eine wiederkehrende Warnung: Niemand weiß, wie er reagieren würde, bevor ihm das Wasser bis zur Motorhaube steht. Vom Sofa aus urteilen ist leicht.

Paiporta: Die Flut kam in zehn Minuten

Berichte von Anwohnern zeichnen eine schnellere Abfolge als das Wort „Überschwemmung“ vermuten lässt. „In 10 Minuten ging es vom Regen dazu über, dass die Autos wie Kieseln auf den Straßen durch den Fluss trieben“, erzählt jemand mit Familie in Paiporta. Es gab keine Zeit, nach Hause zurückzukehren oder alles zu überdenken.

Ein Zeugnis deutet auf ein größeres Problem als individuellen Leichtsinn hin. Ein Nachbar berichtet, dass sein Schwiegervater das Auto umparken sollte, weil die Polizei es anwies; etwa 200 Meter vom Bach entfernt stieg das Wasser gewaltig an, er ließ das Auto auf dem ersten Gehweg stehen und kehrte knietief im Wasser heim. Das Auto landete auf dem Schrottplatz. Er rettete sein Leben. Wenn sich dieser Bericht bestätigt, hätte die Empfehlung, sich zu bewegen, die Menschen genau dorthin gelenkt, wo sie nicht hingehören.

Garage und Auto: Zwei Fallen für denselben Fehler

Geschlossene Räume konzentrierten einen Großteil der Todesfälle. In einer Garage in La Torre wurden neun Leichen geborgen, laut Berichten von Levante-EMV. Acht, nach anderen Zahlen. Der Unterschied ändert nichts am Kern: Sie gingen hinunter zum Auto und kamen nicht mehr hoch.

Die Einzelschicksale sind ebenso beredt. In Benidorm starb ein Mann, nachdem er sich während der Flut an sein Fahrzeug geklammert hatte; seine Leiche wurde später nahe Villajoyosa gefunden, während zwei lokale Polizisten ohnmächtig zusahen, wie er fortgerissen wurde. Eine Frau zwischen 30 und 40 Jahren, die zu ihrem Lieferwagen hinunterging, stand bald bis zum Hals im Wasser und wurde im letzten Moment gerettet. Ihre eigene Erklärung – sie habe nicht gedacht, dass es so schlimm sei – passt in jedes Handbuch über Normalitätsverzerrung.

Warum man die Tür nicht öffnen kann, wenn das Wasser steigt

Hier liegt der technische Fehler, der tötet. Wenn das Wasser die Tür bedeckt, verhindert der Druck das Öffnen, egal wie stark man drückt; man muss den Innenraum zuerst fluten, um den Druck auszugleichen, was Kaltblütigkeit und Zeit erfordert, die man nicht hat. Die korrekte Sequenz, wenn das Wasser das Auto noch nicht dominiert, ist: Fenster herunterlassen, aussteigen und aufs Dach oder die Motorhaube klettern, festhalten an etwas.

Hilfsmittel helfen: Ein Fensterschneider im Handschuhfach oder die Kopfstütze als Spieß gegen die Ecke der Scheibe neben dem Rückspiegel. Und eine Vorsichtsmaßnahme, die das ganze Problem vermeidet: Gehen Sie nicht dorthin, wo eine Flut kommen könnte. Auf einen Baum oder ein Verkehrsschild mitten auf der Autobahn zu klettern ist kein Plan B, sondern eine andere Art zu sterben. Der beste Ausweg ist der, den man wählt, bevor man die Tür schließt.

Was passiert mit gefluteten Autos: Versicherung und Gebrauchtwagenmarkt

Im Thread wird angemerkt, dass bei Vollkaskoversicherung der spanische Versicherungsentschädigungsfonds (Consorcio de Compensación de Seguros) zahlt; der Rest geht auf den Schrottplatz. Daraus entsteht das zweite Geschäft der Katastrophe: Werkstätten und Händler absorbieren Fahrzeuge mit beschädigter Elektronik und Mechanik, die Monate später auf den Markt zurückkehren, mit dem damit verbundenen Risiko für Käufer, die nach Schnäppchen suchen. Seien Sie sehr vorsichtig mit Einheiten aus den betroffenen Gebieten.

Angesichts dieses Bildes sollten Protokolle eine so einfache wie unpopuläre Devise enthalten: Das Fahrzeug wird immer verlassen. Die Frage ist, ob das ausreicht, wenn in zehn Minuten Straßen zu Flüssen werden und die Warnung spät kommt. Wahrscheinlich nicht.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (258 Antworten).

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