Spanien: Ermittlungen zu Chat mit nicht einvernehmlichen Nacktfotos

Rathaus von Castro Urdiales meldet Guardia Civil mutmaßlichen Chat von 94 Männern, die intime Fotos ohne Einwilligung teilten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: Ermittlungen zu Chat mit nicht einvernehmlichen Nacktfotos
Castro Urdiales: 94 Männer im Chat und Fotos ohne Einwilligung

Das Rathaus von Castro Urdiales hat der Guardia Civil die Existenz einer mutmaßlichen Messenger-Gruppe gemeldet, die aus 94 Männern aus der Ortschaft und deren Umfeld besteht. Diese sollen Bilder mit sens Inhalt ihrer Partnerinnen oder Kontakte geteilt haben, ohne dass die darauf abgebildeten Frauen eingewilligt hätten. Die Anzeige stammt von einer Frau, die anonym bleiben möchte und die Fakten mehreren feministischen Vereinen in der kantabrischen Gemeinde übermittelt hatte. Das Rathaus erfuhr durch Hinweise in sozialen Medien und Aushänge im öffentlichen Raum von dem Fall und bezeichnete ihn als „sehr schwere Vorfälle“.

Der der Anzeige beigefügte Bericht sieht den Ursprung bei einem Nachbarn aus Castro, der einen Bordellbetrieb frequentierte und eine Beziehung mit einer irregulären Migrantin begonnen hatte. Bei einem dieser Treffen soll er vorgeschlagen haben, Bilder mit sens Inhalt aufzunehmen, wobei – laut dieser Version – vereinbart wurde, dass sie privat bleiben. Ende September habe die Frau auf seinem Telefon eine Gruppe mit 94 Mitgliedern entdeckt, in der diese Bilder zusammen mit Kommentaren über die Körper der Protagonistinnen kursierten.

Was bekannt ist und was nicht über die Ermittlungen

Laut den konsultierten Quellen der bewaffneten Institution hatte die Guardia Civil keine formelle Anzeige erhalten. Sie berief sich auf den Datenschutz, um nicht zu bestätigen, ob ein offenes Ermittlungsverfahren existiert. Das Rathaus handelte von Amts wegen nach dem Auftauchen von Plakaten, die von der Koordinatorin 25N am Platz Hermandad de las Marismas angebracht wurden. Zum Zeitpunkt dieser Diskussion gibt es keine Festnahmen, Identifizierungen oder bekannten gerichtlichen Entscheidungen.

Diese Beweislastlücke ist der Kern eines großen Teils des Skeptizismus. Einige behaupten, der Fall passe in ein Muster unverifizierter Kampagnen, während andere antworten, dass das Fehlen kurzfristiger Festnahmen eine anonyme Anzeige nicht ungültig mache. Die Debatte driftet schnell auf härteren Boden: die rechtliche Einordnung des Geschehenen.

Ist das Teilen eines intimen Fotos, das mit Einwilligung aufgenommen wurde, eine Straftat?

Hier bricht der Konsens zusammen. Eine Strömung verteidigt, dass die Einwilligung zum Posieren nicht der Einwilligung zur Verbreitung gleichkommt, und dass die abgebildete Person ohne einen unterzeichneten Vertrag, der die Veröffentlichung autorisiert, die Entfernung des Materials verlangen kann und die vorherige Verbreitung die Offenlegung von Geheimnissen darstellen könnte. Die Gegenposition besagt, dass ein Bild, das zwischen Erwachsenen einvernehmlich aufgenommen wurde, standardmäßig nur ein weiteres Objekt sei, und dass erst das Vorhandensein eines expliziten Privatsphäre-Pakts – oder die Nutzung des Bildes für Erpressung oder Schaden – die Verbreitung rechtswidrig mache.

Das am häufigsten wiederholte Argument in diesem zweiten Lager ist, dass Fotos eben Fotos sind und die Beweislast bei demjenigen liegt, der eine mündliche Vereinbarung zur Nichtverbreitung geltend macht. Die Antwort kommt mit einem häuslichen Beispiel: Wenn jemand Ihr Haus besetzt und sagt, Sie hätten es ihm mündlich vermietet, würde niemand den Vertrag als gültig ansehen. In jedem Fall ist die Diskussion durch keine Entscheidung abgeschlossen.

Der Zugriff auf das Telefon und das Kleingedruckte im Strafgesetzbuch

Eine dritte Front ergibt sich, wenn man prüft, wie der Beweis erlangt wurde. Wenn die Frau das Telefon ihres Partners ohne Autorisierung überprüft hat, könnte diese Handlung nach den Argumenten unter den Tatbestand der Entdeckung und Offenlegung von Geheimnissen fallen. Das heißt: Dieselbe Person, die eine nicht einvernehmliche Verbreitung anzeigt, könnte sich eines unbefugten Zugriffs auf fremde Kommunikation schuldig gemacht haben.

Der Einwand gegen diese Logik lautet, dass Kommunikation unverletzlich ist und Beweise, die betrügerisch erlangt wurden, ihre Gültigkeit verlieren, was den Fall in der Praxis in eine Sackgasse führen würde. Niemand hat diesen Knoten bisher gelöst, und wahrscheinlich wird er auch nicht in einem Chat gelöst werden.

Wie ein lokaler Fall zum nationalen Konflikt wurde

Die Angelegenheit diente dazu, den Vergleich mit anderen jüngsten Episoden von Datenlecks und Frauenfotos in Warn-Apps für Nutzerinnen wieder aufzunehmen. Die Symmetrie – private Gruppen, intime Bilder, nicht einvernehmliche Verbreitung – wird in beide Richtungen genutzt: um rechtlichen Schutz zu fordern und um Heuchelei anzuprangern, je nachdem, wer geleakt wird.

Auch der Schatten der Falschmeldung schwebt darüber. Ein Teil der Öffentlichkeit geht davon aus, dass alles eine Erfindung ohne Beweise sei, während ein anderer Teil daran erinnert, dass die anonyme Anzeige genau der übliche Mechanismus ist, wenn das Opfer Vergeltungsmaßnahmen in einer Gemeinde mit etwas mehr als dreißigtausend Einwohnern fürchtet. Die geringe Übereinstimmung besteht darin, dass niemand die Bilder oder die Mitgliederliste gesehen hat.

Das einzig heute Verifizierbare ist, dass es 94 Namen in einer mutmaßlichen Gruppe gibt, eine nicht unterschriebene Anzeige, einige Plakate auf einem Platz und ein Ratsamt, das beschlossen hat, aktiv zu werden. Falls Festnahmen erfolgen, wird sich die Erzählung ändern. Falls nicht, reiht sich der Fall in die Liste der Episoden ein, die erzählt, aber nicht bewiesen werden.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (121 Antworten).

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