SEPE: Kein Termin ohne Anmeldung, keine Hilfe am Telefon
Kann man in Spanien das Arbeitslosengeld beantragen, ohne einen Termin zu haben oder wenn die Webseite des SEPE (Servicio Público de Empleo Estatal) nicht funktioniert? Auf dem Papier ja: Der Prozess beginnt mit einer Online-Voranmeldung. In der Praxis finden sich Betroffene jedoch vor verschlossenen Türen wieder, niemand hebt das Telefon ab und die Seite lädt nicht. Ein entlassener Arbeitnehmer aus Mallorca berichtet: In seinem Büro nimmt niemand Anrufe entgegen, Sicherheitspersonal (Trablisa) weist ihn ab und alles reduziert sich auf ein digitales Hindernisrennen. Die Beschwerden häufen sich in den sozialen Medien: Manche haben die Voranmeldung gemacht, warten aber Monate später immer noch auf ihre Zahlung.
Was Sie für den Online-Antrag benötigen
Die erste Hürde ist nicht das Formular, sondern die Identifikation. Für Behördengänge sind digitale Zugangsdaten nötig: Digitales Zertifikat, Cl@ve PIN (über die Steuerbehörde Hacienda beantragt) oder der elektronische Personalausweis (DNI electrónico). Letzterer erfordert einen Besuch bei der Nationalpolizei, die Aktivierung der Zertifikate an einem Selbstbedienungsautomaten und den Kauf eines Kartenlesers. Das FNMT-Zertifikat (Fábrica Nacional de Moneda y Timbre), das gängigste, verlangt zudem eine persönliche Vorsprache. Wer diesen Kreislauf nicht durchlaufen kann, hat es schwer: Ohne Zugangsdaten ist der digitale Weg versperrt und es gibt keinen Plan B.
Manche erinnern daran, dass dies kein neues Problem ist. Bereits 1997, unter dem damaligen Minister für Öffentliche Verwaltung Rajoy, wurde ein Gesetz zur Digitalisierung der Verwaltung verabschiedet. Siebenundzwanzig Jahre später gilt der Fortschritt als gering. Die Paradoxie ist offensichtlich: Bürger müssen vollständig digital agieren können, während die Verwaltung selbst ihren Teil des Weges noch nicht abgeschlossen hat.
Ein Dienst mit minimaler Personalbesetzung
Zum Mangel an technischen Mitteln kommt der Personalmangel. Es heißt, das SEPE habe alle befristeten Angestellten entlassen – einige mit 20 Jahren Betriebszugehörigkeit – und die Regierung habe ein Dekret erlassen, um eine eigene Jobbörse zu schaffen, die bis zum Zeitpunkt dieser Berichte noch kein Personal in die Büros brachte. Falls dem so ist, erklärt das, warum niemand ans Telefon geht oder Termine vergibt. Das Ergebnis ist ein Dienst im Stillstand, wo das Schalterfenster durch eine Webseite ersetzt wurde, die wie eine Mauer wirkt.
Was passiert nach Absenden der Voranmeldung? Es gibt keine einheitliche Frist. Wer Anträge für andere bearbeitet hat, bestätigt, dass in Cádiz und A Coruña innerhalb weniger Tage geantwortet wurde, während die Wartezeiten in Madrid deutlich länger sind. Das System verlangt eine registrierte Mobilnummer. Andere nennen Überlebstipps: Versuchen, Termine exakt um 9:00 Uhr zu buchen, wenn sie freigeschaltet werden, oder um Mitternacht, wenn die Seite aktualisiert wird, und weiter entfernte Ämter wählen, wo noch Slots frei sind.
Terminpflicht, Telefon und andere geschlossene Türen
Die Kette der Blockaden hat ihre perverse Logik. Ohne Termin keine Betreuung; ohne Web keine Terminbuchung; ohne Telefon keine Alternative. Es gibt Berichte von Menschen, die persönlich im Amt erschienen, um einen Termin zu verlangen, weil ihnen die Mittel oder Kenntnisse für den digitalen Weg fehlten. Der verbreitete Rat lautet: Beharrlich bleiben und, falls abgelehnt, schriftlich Beschwerde einreichen. Laut einem veröffentlichten Fall erklärte die Polizei einem kurz vor der Pensionierung stehenden Anwalt, dass keine Anzeige möglich sei, da kein Verbrechen vorliege: Nur ein Beschwerdeformular komme infrage.
Ausnahmen bestätigen die Absurdität des Systems. Die Sozialversicherung bedient Rentner und Empfänger des Existenzminimums (Ingreso Mínimo Vital) ohne Termin, und die Finanzverwaltung (Tesorería) dient jedem ohne Termin, obwohl für die Versicherungsbiografie eine SMS nötig ist. Es ist das SEPE, das die Tür geschlossen hat. Wer kann, wendet sich an eine Agentur: Man zahlt dafür, dass jemand mit Zugangsdaten im Namen des Antragstellers handelt, ähnlich wie bei einem Fahrzeugwechsel.
Die Kosten des Wartens
Der Preis ist nicht nur Zeit. Es gibt einen Fall von 3.000 Euro zu viel gezahlten Beiträgen an die Sozialversicherung, monatelange unberechtigte Zahlungen, eine eingereichte Beschwerde und mehr als sechs Monate ohne Rückzahlung. Die Erklärung, die der Betroffene von seiner Agentur erhielt, war ebenso hart wie beredt: Ein Stapel Akten, alle von Personen in derselben Situation. Wenn das System versagt, muss der Einzelne das Geld vorstrecken und warten.
Der letzte Abschnitt der Berichte deutet in dieselbe Richtung. Ablehnungen, die eine erneute Antragstellung erzwingen – manche brauchten drei Versuche und zwei Ablehnungen, bevor die Leistung bewilligt wurde – und Ämter, die grundsätzlich keine Termine vergeben. Sich den neuen Zeiten anpassen, lautet der häufigste Rat. Sich anzupassen, wenn der einzige verfügbare Kanal ausgefallen ist, klingt eher nach einem schlechten Scherz als nach einer Lösung.
Gibt es einen Ausweg? Der schnelle Weg ist, einen Dritten zu bezahlen; der langsame, früh aufzustehen und zu hoffen, dass die Seite genau um 9:00 Uhr lädt. Während die Verwaltung entscheidet, ob ihre digitale Zukunft dieses Jahr oder erst 2050 beginnt, hängt das Arbeitslosengeld an einer Webseite, die zeitweise funktioniert. Am Schalter wird nicht mehr bedient. Die Schuld liegt, wie üblich, beim Bürger, der sich nicht anpasst.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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