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Kuss von Sánchez und Begoña beherrscht Spaniens Wahlkampf – Kritik wegen Sentimentalität
Spaniens PSOE macht den Kuss von Sánchez und Begoña nach Kritikermeinung zum Mittelpunkt des Wahlkampfs, während die Wirtschaftsdebatte in den Hintergrund rückt. Vergleiche mit…
Der Kuss von Sánchez und Begoña: Wenn der Wahlkampf die Umarmung ist
Was bleibt von einem politischen Projekt übrig, wenn sein wichtigstes Kapital ein Kuss auf einer Wahlkampfveranstaltung ist? Spaniens PSOE hat die Szene zwischen Pedro Sánchez und Begoña Gómez zum Dreh- und Angelpunkt seines Wahlkampfs gemacht, wie Kritiker im Forum bemängeln, und ein Teil der Wählerschaft feiert sie als Moment emotionaler Nähe, während ein anderer darin den endgültigen Verzicht auf Sachpolitik sieht. Die öffentliche Debatte ist voller Vergleiche mit dem Peronismus, Anspielungen auf die Kennedys und Verdächtigungen, das Privatleben als Wahlkampfinstrument zu nutzen.
Das Video der Veranstaltung, mit dem „Ich liebe dich“ des Ministerpräsidenten und der synchronisierten Reaktion des Publikums, ist viral gegangen und hat den Fokus von den Wirtschaftsdaten auf die emotionale Inszenierung verlagert. Parallel dazu weisen Opposition und viele kritische Analysten darauf hin, dass diese Art von Geste nicht auf ein konkretes Programm reagiert, sondern auf eine Strategie emotionaler Mobilisierung. Die eigentliche Frage ist, ob Spanien in eine Phase eingetreten ist, in der Politik im Terrain der Emotionen ausgetragen wird und nicht im der Zahlen.
Der Kuss als Wahlprogramm
Die Szene ereignete sich bei einer Wahlkampfveranstaltung des PSOE und wurde in den sozialen Medien rege geteilt. Sánchez richtete an seine Frau die Worte „Dass es alle laut und deutlich hören: Ich liebe dich“, was Beifall und eine Sitz-Choreografie auslöste, die manche als Inszenierung deuteten. Die Geste, die unter anderen Umständen eine Anekdote geblieben wäre, ist zum Symbol eines Wahlkampfs geworden, der an den emotionalen Wähler appelliert. Unterstützungsbeiträge der Sozialistischen Jugend und nahestehender Accounts feierten sie als „die Kraft der Menschen“.
Der Vergleich mit dem Peronismus ist nicht neu. Mehrere Beiträge im Thread haben die Parallele zwischen dem Ehepaar Sánchez-Gómez und der Formel Perón-Evita gezogen, besonders nachdem spekuliert worden war, Begoña Gómez könnte einen prominenten Platz auf den Wahllisten erhalten. Auch der Verweis auf die Kennedys tauchte auf, allerdings eher mit Ironie als mit Sorgfalt. Dahinter steht die Vorstellung, dass der PSOE das Programm durch den Aufbau einer persönlichen Erzählung ersetzt hat.
Vom „Programm“ zur „Szene“: der Unmut eines Teils der Wählerschaft
Nicht alle Reaktionen waren begeistert. Eine kritische Strömung hält den Kuss und das „Ich liebe dich“ für ein Ablenkungsmanöver, um unangenehme Themen zu überdecken, etwa das Wirtschaften der Regierung oder die Ermittlungen, die sich gegen das Umfeld des Ministerpräsidenten richten. In diesem Zusammenhang wurde darauf hingewiesen, dass die Szene in einem Moment stattfindet, in dem der Wohnungswahlkampf sich gegen die Regierung gewendet hat. Der Ausdruck „danteskes Schauspiel“ kursierte unter denen, die finden, dass die Politik verkommen ist.
Der Vorwurf der „Banalisation“ der Politik kehrt immer wieder. Manche vergleichen die Geste mit einer Telenovela und warnen, dass solche Wahlkämpfe nur mit einer sehr treuen Wählerschaft funktionieren. Dem halten die Verteidiger der Strategie entgegen, dass Politik auch Emotion ist und dass es legitim ist, auf dieser Ebene mit den Wählern zu connecten. Die Debatte hat die konkreten Zahlen jedenfalls links liegen gelassen: Über Arbeitslosigkeit, Inflation oder Schulden wurde nicht diskutiert, sondern über die Inszenierung.
Der wirtschaftliche Kontext, der im Kuss nicht vorkommt
Während sich die mediale Aufmerksamkeit auf die Veranstaltung konzentrierte, nehmen die Wirtschaftsdaten ihren Lauf. Inflation und Kaufkraftverlust sind laut allen Umfragen die größte Sorge der Bürger, doch die öffentliche Debatte hat sich dem Privatleben der Politiker zugewandt. Diese Entkopplung von realen Problemen und politischer Konversation halten manche Analysten für das Symptom einer Demokratie in einer Phase der „Peronisierung“.
Der Vergleich mit Argentinien ist nicht zufällig. Der Peronismus war geprägt von einer starken Symbolik und der Zentralität der charismatischen Figur, mit einer Wählerschaft, die mehr durch Identität als durch Programm mobilisiert wurde. Dieses Schema auf Spanien zu übertragen bedeutet anzunehmen, dass der Wähler nicht mehr nach dem Portemonnaie entscheidet, sondern nach der Identität. Wenn das stimmt, wäre der Kusswahlkampf ein Meisterzug; wenn nicht, ein Rechenfehler.
Was die Opposition sagt und was die Regierung sagt
Die Opposition hat die Szene als „lächerlich“ bezeichnet und betont, dass Begoña Gómez kein Wahlgewinn, sondern ein Ballast ist – wegen der Berichte, die sie mit mutmaßlichen Geschäften in Verbindung bringen. Die Regierung schweigt zu diesen Vorwürfen und beharrt darauf, dass der Wahlkampf auf der „Kraft der Menschen“ basiert. Die Strategie, nicht auf Angriffe einzugehen, ist üblich, lässt aber die Fragen nach der Rolle der Ehefrau des Ministerpräsidenten unbeantwortet.
Das Ergebnis ist ein präsidialer Wahlkampf, in dem der Vorsitzende alleiniger Protagonist ist und das Privatleben die Bühne bildet. Die Wirtschaftspolitik ist in den Hintergrund gerückt, und die Veranstaltungen sind zu Akten emotionaler Bekräftigung geworden. Belohnt die Wählerschaft diese Formel, wird sich der Präzedenzfall kaum mehr umkehren lassen.
Die Frage ist nicht, ob der Kuss spontan oder kalkuliert war. Die Frage ist, ob sich Spanien einen Wahlkampf leisten kann, der die Debatte über den Mindestlohn oder die Rentenreform durch eine Sitz-Choreografie ersetzt. Im Moment hat das Video bereits mehr Aufrufe als jede Auftritt zum Defizit.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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