Soziale Apathie im Widerspruch zu 21 Millionen Erwerbstätigen
Es ist kurz vor neun an einem Augustnachmittag, und im Park sind nur die Kinder zu hören. Ein Vater beschreibt dies als die einzige friedliche Stunde des Tages: zwanzig Minuten Harmonie, bevor wieder alles erlischt. Den Rest der Zeit nimmt er etwas anderes wahr: Apathie, leblose Augen, Jugendliche, die weder den Führerschein machen noch zwei Bier mit Freunden trinken wollen. Die Diagnose, die seit Monaten durch das halbe Internet geistert, besagt, dass etwas zutiefst Düsteres in der Luft liegt, etwas, das sich nicht durch eine Anhebung des Mindestlohns beheben lässt und das in keiner Zufriedenheitsumfrage auftaucht.
Wer diese These vertritt, gibt es offen zu: Er hat keine Daten. Es ist ein Gefühl über die Atmosphäre, über Popmusik, Kino und die Gesichter auf der Straße. Fast drei Jahre nach ihrer Formulierung bleibt die These unbewiesen und unwiderlegt.
Was die Daten sagen: 21 Millionen Erwerbstätige und 11,6 % Arbeitslosigkeit
Das zweite Quartal 2023 endete mit 603.900 mehr Erwerbstätigen als im Vorquartal, ein Plus von 2,95 %, und 21.056.700 arbeitenden Menschen, dem höchsten Stand in der Geschichte der aktiven Bevölkerungsumgebung (Encuesta de Población Activa). Die Arbeitslosenquote sank auf 11,60 %, ein Rückgang um 1,67 Punkte in drei Monaten. In zwölf Monaten wuchs die Beschäftigung um 588.700 Personen.
Bei diesem Bild sollte das Unbehagen abnehmen. Das tut es aber nicht, oder zumindest wird es nicht wahrgenommen. Diese Diskrepanz zwischen Datenlage und Straßenbild verhindert eine abschließende Diagnose: Wenn der Arbeitsmarkt so gut läuft wie nie zuvor, warum füllt sich die öffentliche Debatte dann mit Resignation?
Keine Wohnung, keine stabile Partnerschaft, kein Interesse am Führerschein
Der erste Block der Erklärungen ist materieller Natur und logisch. Einen Job hält man aus Angst vor Verlust, und einen neuen zu finden bedeutet oft schlechtere Bedingungen. Eine Immobilie allein zu kaufen ist praktisch in allen spanischen Hauptstädten unerreichbar geworden. Wer Haus und Ersparnisse hat, zögert bei Investitionen aus Angst, das Objekt nicht zurückgewinnen zu können. Die Folge ist eine sich selbst verstärkende Lähmung: Ohne Stabilität gibt es keine Pläne, ohne Pläne keinen Einsatz.
Es gibt sogar eine Aufzählung von Gründen, warum junge Leute den Führerschein nicht machen: teures Auto, 21 % Mehrwertsteuer, kostenpflichtiges Parken, Blitzer, Umweltzonen und eine CO2-Steuer, die sich zum Rest addiert. Kein Hindernis für sich erklärt eine ganze Führerschein-freie Generation. Zusammen auch nicht. Sie beschreiben nur das Terrain.
Das Experiment „Universe 25“ und die leichte Belohnung
Wenn materielle Gründe fehlen, taucht die verhaltensbezogene Hypothese auf. Man zitiert das Experiment „Universe 25“: Ratten in einer Umgebung mit unbegrenztem Futter und Wasser, die aufhörten, sich zu paaren, sich sozial zurückzogen, ihre Nachkommen töteten und schließlich ausstarben, während die Futternäpfe voll waren. Die Analogie wird oft wiederholt: Überfluss ohne Zweck.
Der zweite Faktor wäre die Unmittelbarkeit. Vor zwanzig Jahren musste man warten, bis das Radio ein Lied spielte, um es aufzunehmen. Heute gibt es Dating-Apps, unendliche Kataloge und alle möglichen Inhalte in der Hosentasche. Die Belohnung kommt vor der Anstrengung, und das Gehirn lernt, sich nicht anzustrengen.
Warum keine übliche Ursache das Phänomen erklärt?
Soziale Medien, Lockdowns, verarbeitetes Essen, Medikamente, Prekarität, politische Korrektheit, Misstrauen gegenüber Institutionen. Die Liste ist lang und alles trägt dazu bei. Das Problem ist, dass nichts davon multiplikativ wirkt. Und wenn die Aufzählung nicht ausreicht, verschiebt sich die Erklärung in Bereiche, die sich nicht messen lassen: eine Wertekrise, die sich nicht in zwei Generationen lösen lässt, der Verlust eines religiösen Rahmens, eine zyklische Lesart der Geschichte oder direkt spirituelle Entitäten, denen das Unbehagen zugeschrieben wird.
Hier bricht die Analyse auseinander. Einige behaupten, jede Epoche habe ihren Anteil an Melancholie gehabt und diese sei keine Ausnahme. Andere entgegnen, dass die Geschwindigkeit des technologischen Wandels beispiellos sei und genau das neu sei. Dazwischen bleibt eine unbequeme Beobachtung: die Gleichgültigkeit derer, die nur darauf achten, ob sie ihr Teil bekommen – dieses Gefühl, dass niemanden kümmert, wenn der Nachbar untergeht, solange sein eigenes Grundstück intakt bleibt.
Der Punkt, der nicht passt
Seit 2008 besagt eine der häufigsten Lesarten, dass Spanien ohne Wirtschaftsmodell funktioniere, wobei Staatsausgaben die Lücke der produktiven Aktivität stopfen. Das kann diskutiert werden. Was nicht diskutiert wird, ist das Ergebnis der letzten EPA: 21.056.700 Erwerbstätige, ein historischer Rekord, und eine Arbeitslosenquote von 11,60 %.
Mit diesen Zahlen sollte jede Apokalypse-Prognose binnen drei Monaten widerlegt sein. Und dennoch bleibt das Gefühl bestehen. Die beste Beschäftigungsstatistik in der Geschichte Spaniens konnte es nicht auslöschen. Niemand hat erklären können, warum.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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