Anlage-Münzen: Der Aufpreis, der die Rendite auffrisst
Wie viel sind Sie bereit für eine Unze Silber zu zahlen, die exakt dasselbe Gewicht hat wie jede andere? Die Antwort, die sich nach Jahren der Marktbeobachtung wiederholt, lädt nicht gerade zum Optimismus ein: Der Aufpreis – diese unsichtbare Prämie, die den Preis einer Münze vom tatsächlichen Metallwert trennt – ist zum stillen Feind des kleinen Sparers geworden.
Das drastischste Beispiel liefert die Fábrica Nacional de Moneda y Timbre (spanische Staatsdruckerei). 27 Gramm Silber mit 925/1000 Feingehalt für 72,60 Euro, im Vergleich zu einer reinen Bullion-Unze, die zwischen 23 und 24 Euro gehandelt wird. Die ungeschönte Schlussfolgerung lautet: ein Raub. Dies ist kein Einzelfall. Es ist das Muster.
Was ist der Aufpreis und warum entscheidet er über Gewinn oder Verlust
Der Aufpreis ist die Differenz zwischen dem Metallkurs – dem Spotpreis – und dem tatsächlichen Preis am Tresen. Darin enthalten sind Herstellungskosten, Transport, Händlermarge und vor allem eine Versprechen auf Wertsteigerung, das niemand unterschreibt. Wenn diese Prämie außer Kontrolle gerät, startet die Investition bereits im Nachteil: Es spielt keine Rolle, ob der Silberpreis um 20 % steigt, wenn Sie einen Aufschlag von 80 % gezahlt haben.
Die Diagnose, die immer wieder auftaucht, ist, dass die Margen seit Monaten explodieren. „Mit diesen übertriebenen Aufpreisen kaufe ich nichts, bis bessere Zeiten kommen“, fasst eine zunehmend verbreitete Haltung zusammen. Die übliche Erwiderung beruhigt nicht: Diese Zeiten kehren vielleicht nie zurück, denn solange die Nachfrage stabil bleibt, hat kein Händler einen Grund, die Preise zu senken. Und der Spotpreis, so betonen andere, hat immer weniger mit dem tatsächlichen Kostenpunkt des Metalls in der Hand zu tun.
Fieber bei limitierten Serien: Der Jackpot, den fast niemand knackt
Das zweite große Versprechen der Branche ist die Münze, die sich von selbst aufwertet. Eine Unze Bart Simpson, geprägt für Tuvalu mit 25.000 Stück, wurde laut häufigster Berechnung nur einen Euro teurer als ein Kangaroo oder eine Philharmoniker verkauft. Hier liegt der Haken: Man zahlt Bullion-Preis für ein Stück aus kurzer Auflage und vertraut darauf, dass der Markt es später hochtreibt.
Manchmal passiert das. Die Marvel-Spiderman-Münze schoss in die Höhe und zog die gesamte Serie mit. Die 13.500 Stück der Zeus-Münze waren sofort vergriffen und stiegen gleichzeitig im Wert. Die 10.000 Stück des Grünen Drachen aus der Celestial Animals-Reihe fanden ebenso schnell Abnehmer. Das erste Stück jeder Sammlung fliegt weg; der Rest bleibt liegen.
Das Muster wiederholt sich. Nur eine Münze pro Serie wertet sich auf – normalerweise die erste oder die ikonischste – und die anderen fallen Monate später auf den Ausgangspreis zurück. „Man muss den Ausstiegspunkt finden, wenn man investieren will“, räumt auch die nüchterne Analyse ein. Alles andere ist Glaube.
Neue Serien, Fälschungsschutz und etwas Zirkus
Der Strom an Neuerscheinungen reißt nicht ab. Die Britannia 2021 kam mit vier Sicherheitsmerkmalen: einem Wellenhintergrund, feinen Linien im Schild, einem Kreis mit holografischem Bild, das zwischen Dreizack und Schloss wechselt, sowie der lateinischen Inschrift „Decus et Tutamen“ im inneren Ring. Der Panda 2022 feiert seinen 40. Geburtstag mit neuem Design in Gold, Silber und Platin. Und die Serie America the Beautiful endete mit 56 Münzen zu 5 Unzen, gewidmet den US-Nationalparks, mit einem Durchmesser von 76,2 Millimetern.
Nicht alles ist ernsthafte Numismatik. Es gibt auch koreanische Doggaebis zu einem Kilo, Fender-Gitarren von PAMP, Piratenköniginnen wie Anne Bonny oder Münzen mit Pac-Man und Tetris-Motiven. Die Auflagenhöhe ist das Verkaufsargument: Je kürzer, desto höher der Preis. Manchmal zählt das Design mehr als das Metall, und genau hier riskiert der Anleger sein Geld bei einer Lotterie, die sich als Sammlung tarnt.
Münzen oder Barren: Die Antwort, die kaum jemand erwartet
Wenn das Ziel Investition ist und nicht Sammeln, herrscht Konsens: Münzen zu 90 % der Fälle. Der Barren hat zwar eine niedrigere Prämie pro Gramm, aber nur bei großen Formaten, und dort beginnt das Problem. Einen Barren zu kaufen ist einfach; ihn zu verkaufen, nicht.
Der Schlüssel liegt in der Verifizierung. Jeder Käufer mit Grundkenntnissen prüft eine Münze mit einer Schiebelehre, einer Präzisionswaage oder einer Sigma-Maschine, die die Leitfähigkeit des Metalls misst. Ein Barren erfordert Vertrauen in ein Zertifikat oder das Durchsägen. „Das Problem bei Barren ist nicht der Kauf, sondern der Verkauf“, urteilt eine der klügsten Analysen. Die Goldunze, der Krugerrand, der Maple Leaf oder der American Silver Eagle lassen sich auf einen Blick prüfen, was die potenziellen Käufer am Tag des Verkaufs vervielfacht.
Händler, Zahlungsausfälle und das Geschäft mit Fälschungen
Physisches Metall außerhalb des Hauses zu kaufen ist günstig, bis es nicht mehr günstig ist. Ein deutscher Händler ließ einen Kunden mit einer Bestellung über 2.000 Euro aus November 2020 ohne Rückgabe: Erst versprach er die Rückerstattung, dann ignorierte er die E-Mails. Der Fall, in der Branche breit diskutiert, erinnert daran, dass die Ersparnis von wenigen Euro Aufpreis sich in einen Totalverlust verwandeln kann.
Die andere Front ist die Fälschung. Columnarios – die 8-Reales-Münzen, die zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert geprägt wurden – sind zum Minenfeld geworden: Es gibt Stücke mit korrektem Gewicht und Aussehen, die es nicht sind, und die Patina des Silbers wird durch Schmuck-Oxidation simuliert. „Es gibt massenhaft Fälschungen, die jeden hereinlegen können“, warnt, wer Auktionen genau verfolgt. Das Rezept ist immer gleich: Waage, Messschieber und, wenn möglich, Leitfähigkeitsmessgerät.
Auch das Finanzamt schaut hin: Vermögenssteuer, Kapitalgewinne und rechtliche Grauzonen
Die Besteuerung von physischem Metall ist eine graue Zone, die man kennen sollte. Die spanische Vermögenssteuer (Impuesto sobre el Patrimonio) verpflichtet zur Erklärung ab einem Freibetrag von 700.000 Euro im allgemeinen Fall, mit 2 Millionen in Madrid und einer Befreiung für die Hauptwohnung bis zu 300.000 Euro. Wer also Metalle, Immobilien und andere Vermögenswerte über dieser Schwelle ansammelt, muss sich beim Finanzamt offenbaren.
Beim Verkauf besteuert man den Kapitalgewinn: die Differenz zwischen Kaufpreis und Erlös. Der Kauf unter Privatpersonen ohne Händler hinterlässt eine viel diffusere Spur, eliminiert sie aber nicht ganz. Die schwebende Frage ist, wie viele Leute die Gewinne aus Silberverkäufen tatsächlich deklarieren. Die Vermutung geht dahin, dass es deutlich weniger sind, als es sein sollten.
Der Wechsel zum ETF: Wenn der Safe durch einen Klick ersetzt wird
Die Unzufriedenheit mit den Margen hat einen Teil der Szene zu physischen Silber-ETFs getrieben. Die kursierenden Namen sind der ZKB Silver und der PSLV von Sprott, beide mit echtem Metallhinterlegung. Die Strategie ist Lehrbuchmäßig: Einstieg, wenn Silber sich 18 oder 19 Euro pro Unze nähert, Ausstieg, wenn er sich erholt. Der Metallpreis notiert in einem Abwärtskanal, mit einer markierten Unterstützung bei 21,61 Dollar, etwa 18,31 Euro.
Nichts garantiert, dass der Zug aufgeht. „Die Logik verschwand auf den Märkten vor langer Zeit“, warnen die Praktiker der physischen Seite. Und manche behaupten, dass der Bildschirmpreis immer weniger mit dem Preis des Silbers in der Hand zu tun hat: Wenn die Nachfrage nicht einbricht, verbilligt sich das physische Metall nicht, egal was das Chart sagt. In diesem Szenario würde auch die Prämie nicht sinken.
Reines Sammlertum: Columnarios von 200 bis 1.000 Euro
Und dann gibt es den Teil, der keine Investition ist, sondern Hobby. Niemand täusche sich: Ein Columnario ist ein Sammlerstück, kein finanzieller Vermögenswert. Aber seine Wertsteigerung war brutal. Stücke, die vor drei oder vier Jahren für 200 Euro gekauft wurden, werden heute für bis zu 1.000 Euro versteigert. Den Schub gaben amerikanische Käufer, die historische spanische Münzen auf nationalen Auktionen in Mode gebracht haben.
Die Auktionshäuser bemerken das. Bei zwei aufeinanderfolgenden Auktionen wurden 100 % der Lose zugeschlagen, einschließlich der schlechtesten. Der alteingesessene Sammler fällt aus dem Markt, und der Späte zahlt die Prämie. Dasselbe gilt für römische Kaiser-Denare, deren Preis aufgrund derselben Nachfrage steigt. Die 8-Escudos-Münze ist zum Objekt der Begierde geworden… und zum Nährboden für Fälscher.
In einem Markt, in dem eine Unze Silber je nach Quelle 24 oder 72 Euro kostet, bleibt die Ausgangsfrage unbeantwortet. Das Metall ist dasselbe; die Prämie nicht. Und solange der Markt künstliche Knappheit belohnt, wird es immer jemanden geben, der ohne mit der Wimper zu zucken für einen Panda bezahlt, der albern in seiner Plastikkapsel posiert. Jeder mit seinem eigenen Geld, darum geht es letztlich.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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