Die Warnung zum Verkauf von Silber und Gold traf den Einbruch, aber nicht das Datum
Die Warnung war eindeutig: Man sollte Silber und Gold vor Ende August verkaufen, da der große Crash unmittelbar bevorstand. Der Crash kam tatsächlich. Nur trat er bereits im März ein und traf genau dann, als niemand hinsah. Danach tat das Metall das Gegenteil dessen, was das Drehbuch versprach: Es erholte sich, markierte Hochs und machte den Ausstieg zu einer schlechten Entscheidung. Das ist die Zusammenfassung einer Diskussion, die seit über sechs Jahren wieder aufflammt, mit denselben zwei Lagern wie immer: jene, die eine Blase kurz vor dem Platzen sehen, und jene, die behaupten, dies sei erst der Anfang.
Was besagte die Warnung zum Verkauf von Silber und Gold?
Der Ansatz war einfach und aggressiv: Der Metallpreis befand sich auf einem unhaltbaren Niveau, wer jetzt kaufte, lag falsch, und das System würde es nicht zulassen, dass man reich wurde. Die Empfehlung lautete, alles zu liquidieren, auf die Korrektur zu warten und günstiger wieder einzusteigen. Das erklärte Ziel war nicht, Vermögen zu machen, sondern «ein paar Meeresfrüchte-Dinner» herauszuholen.
Dagegen war die häufigste Antwort, dass der Kauf von Metall keiner monatlichen Spekulationsstrategie folgt. Das verbreitete Bild war das eines Charakters, der in einem Pool aus Gold schwimmt: Man baut Vermögen auf, man betreibt keine Kurzfristgeschäfte. Verkaufen und zurückkaufen erfordert zweimalige Trefferquote, und genau das schaffen fast niemand. Die Korrektur kündigt sich zudem nicht an: Sie kommt, wenn der gesamte Markt Liquidität braucht und reißt sogar die sicheren Häfen mit.
Von 26,48 USD pro Unze zu Zielen bei 55
Nach dem Einbruch im März erlebte Silber einen Anstieg, der fast Kerze für Kerze verfolgt wurde. Ein erwarteter Wochenabschluss bei 26,48 Dollar verfehlte das Ziel um 20 Cent: Das Wochenhoch lag bei 26,28. Von dort wurden Ziele aneinandergereiht — zuerst 27,50, dann 30 und, für weiter Blickende, 55 Dollar vor Jahresende —, mit der Warnung, dass diese Zahl nur gültig war, wenn der Markt mitspielte.
Auf der anderen Seite erinnerte die skeptische Antwort daran, dass das Metall in der letzten Krise die 40-Dollar-Marke nie erreichte: Es bewegte sich jahrelang zwischen 12 und 16, ohne etwas zu durchbrechen. Die Tipps von 100 Euro pro Unze blieben genau das: Tipps.
Das Argument des Angebots: 560.000 Tonnen Silber
Die bullische These stützte sich nicht nur auf den Preis. Es wurde die Erschöpfung der Reserven zitiert: Es bleiben etwa 560.000 Tonnen Silber abbaubar übrig, und beim aktuellen Förderungsgrad sind sie in 20 Jahren erschöpft. Wenn man hinzuaddiert, dass das Metall in Elektronik, Solarplatten und Krankenhausausstattung verbraucht wird, gewinnt das Argument der strukturellen Nachfrage mit jedem Geschäftsjahr an Gewicht.
Die Unsicherheit liegt stets im Zeitplan. Ein Metall, das in zwei Jahrzehnten knapp wird, kann innerhalb von zwei Wochen 30% verlieren, und der Investor, der die These durchhält, scheitert oft an der Liquidität, bevor er profitiert.
Warum der Verkauf von 18-karätigem Gold 25% unter Spotpreis liegt
Hier prallt die Theorie auf die Kasse. Schmuckgold mit 18 Karat enthält 75% reines Metall. Der Ankaufhändler zahlt nicht den internationalen Feingoldpreis, sondern diesen Anteil von 75% und zieht zusätzlich seine Marge für Schmelz- und Prüfverfahren ab. Ein konkreter Fall aus der Diskussion: Jemand liquidierte geerbte Ketten und Schmuckstücke und erhielt nahe am 25% unter dem Spotpreis, obwohl er mehrere Händler konsultiert hatte und den besten Anbieter wählte.
Wer über Plattformen handelt, die zum Spotpreis operieren, spart sich diesen Abschlag. Der Unterschied zwischen dem Wert des Metalls und dem Geld auf dem Konto ist im Schmuckbereich die teuerste und unsichtbarste Gebühr.
Die These der zweiten Welle: Stillgelegte Minen und parabelförmiges Silber
Eines der häufigsten Argumente war das des Lockdowns. Würde eine zweite Welle von Schließungen ausgerufen, müssten die Abbau-Minen stillgelegt werden, während die Nachfrage bestehen bliebe. Weniger Angebot und gleiche Nachfrage: ein Anstieg «stärker und parabolisch». Dies war, nach dieser Lesart, der Moment für Rückkäufe für jene, die draußen geblieben waren.
Gegen dieses Szenario sprach die Präzedenzfall der ersten Abwärtsbewegung: Bei einem Liquiditätsschock sinkt auch das Metall, weil alle verkaufen, was sie können, um andere Positionen zu decken. Der sichere Hafen verhält sich nicht mehr wie ein solcher, gerade wenn er am nötigsten gebraucht wird.
Uganda und Rhodium: Die Daten, die das Modell sprengen
Im Endspurt tauchten zwei Notizen auf, die niemand im Modell berücksichtigt hatte. Uganda schaffte die Exportsteuer für Gold ab, nachdem die größte Mine seiner Geschichte entdeckt wurde – ein direkter Schlag gegen das Knappheitsargument. Und Rhodium, das Metall, das kaum jemand beobachtet, stieg in einer einzigen Sitzung um 1.500 Dollar pro Unze. Märkte, nun ja.
Es bleibt eine unbequeme Tatsache für alle. Wer vor dem Einbruch gewarnt hat, traf den Schlag, aber nicht das Datum. Wer behauptete, das Metall werde weiter steigen, traf die Erholung, wartet aber seit Jahren auf die 100-Euro-Marke pro Unze. Beide Lager stehen weiterhin da, mit denselben Zahlen in der Hand. Wie oft muss man dieselbe Grafik betrachten, um zu wissen, ob dies ein sicherer Hafen oder eine Falle ist?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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