Scholz fordert Massenabschiebungen

Der Spiegel titelt mit Scholz' Forderung nach großflächigen Abschiebungen. Deutschland, Frankreich und die nordischen Länder verschärfen ihre Migrationspolitik.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Scholz fordert Massenabschiebungen
Scholz verspricht Massenabschiebungen: Europa schwenkt um

Ein Titelblatt ändert keine Migrationspolitik. Doch das Cover des Der Spiegel, das Bundeskanzler Olaf Scholz mit dem Zitat „Wir müssen in großem Stil abschieben“ zeigt, hat ausgereicht, um halb Europa über Ausweisungen sprechen zu lassen. Die Botschaft kommt nach zwei Jahrzehnten, in denen der offizielle Diskurs das Gegenteil predigte: Aufnahme, Quoten und Solidarität. Ob der Kurswechsel real ist oder nur Rhetorik bleibt abzuwarten.

Was Scholz gesagt hat und was sich in Deutschland bereits geändert hat

Die Erklärung des Kanzlers ist kein Gesetzentwurf, wurde aber von konkreten Entscheidungen begleitet. Deutschland hat ein als historisch bezeichnetes Abkommen mit den Bundesländern unterzeichnet, um irreguläre Migration zu reduzieren und das Land für Neuankömmlinge weniger attraktiv zu machen. Parallel dazu hat die Regierung den Weg für Abschiebungen nach Afghanistan und Syrien wieder geöffnet, nachdem es bei einem sarracinistischen Anschlag in Mannheim zu Gewalt kam, und angekündigt, die Ausweisung ausländischer Straftäter zu beschleunigen.

Diese Abfolge passt zum Bild auf dem Titelblatt: ein Tonwandel gegenüber der Ära von Angela Merkel, deren Regierung die Türen mit dem Programm zur Aufnahme von Flüchtlingen weit öffnete. In den Berichten über dieses Thema wird eine Idee wiederholt: Eine solche Erklärung wäre vor fünfzehn Jahren undenkbar gewesen. Und sie stammt nicht etwa von einer Partei am rechten Rand.

Von Frankreich bis zu den Nordics: Der Dominoeffekt

Deutschland steht mit dieser Wende nicht allein da. Der französische Senat hat ein deutlich verschärftes Einwanderungsgesetz verabschiedet, das noch durch die Nationalversammlung muss. Norwegen, Schweden, Finnland und Island haben ein Abkommen geschlossen, um ihre Politiken an die harte Linie anzupassen, die Dänemark seit Jahren verfolgt. Dies markiert das Ende der Willkommenskultur in der Region. Auch Großbritannien hat beschlossen, Migranten nach Ruanda abzuschieben.

Das Muster wiederholt sich: Erst wird das Ende der Aufnahmephase verkündet, dann folgen gesetzliche Änderungen. Manche sehen darin nur saisonale Propaganda; andere argumentieren, dass dies das erste Mal sei, dass Propaganda von anwendbaren Maßnahmen begleitet werde. Kontroversen gibt es auch wegen einer sarracinistischen Protestaktion in Hamburg, bei der die Anwendung der Scharia in Deutschland gefordert wurde.

Warum der Wahlkalender skeptisch betrachtet wird?

Weil in Deutschland bald Regionalwahlen anstehen und Umfragen die SPD unter 10% sehen, wie im Kontext der Debatte betont wird. Die häufigste Diagnose lautet, dass Regierungsparteien nur dann auf Härte setzen, wenn die Rechtsensrecht bei Wahlen Druck ausüben – mit dem gegenteiligen Effekt: Wähler, die Ordnung wollen, wählen das Original, nicht die Kopie.

Daraus ergibt sich die Paradoxie, die manche Analysen hervorheben: Wer vom politischen Zentrum aus Abschiebungen verspricht, riskiert, jene zu stärken, die dies schon immer getan haben. Der „Wetterhahn“, so heißt es, dreht sich stets zu spät.

Wer wird abgeschoben und wohin?

Hier beginnt der unbequeme Teil. Großflächige Abschiebungen erfordern Klarheit darüber, wen man betrifft, und Empfängerländer, die bereit sind, diese Personen aufzunehmen. Viele Menschen haben keine Dokumente oder geben ihre Herkunft nicht an, und mehrere Zielländer lehren Rückführungen ab, wie im Diskussionsverlauf angemerkt wird. Die praktische Konsequenz sei, dass viele der Ausgewiesenen sich innerhalb Europas bewegen würden, statt es zu verlassen, und dass Länder wie Spanien den Druck übernehmen könnten, den andere ablehnen.

In Spanien hat die Frage ihren eigenen juristischen Weg. Der Oberste Gerichtshof (Tribunal Supremo) hat die Abschiebung eines irregulären Migranten gebilligt, der trotz Sanktionierung nicht ausreist. Damit änderte sich die Rechtsprechung zurück zur Formel „Geldstrafe gefolgt von Abschiebung“, die als vereinbar mit der EU-Rückführungsrichtlinie gilt.

Alternativen, die kaum diskutiert werden

Dem Ausweisungs-Diskurs stellt eine andere Analyse-Linie den Fokus auf die Wirtschaft. Einige argumentieren, das Grundproblem liege bei den Löhnen: Würden bestimmte Jobs besser bezahlt, bräuchte man keine importierte Arbeitskraft mehr. Hinzu kommt die Kritik an der Überzahl akademischer Abschlüsse angesichts einer Berufsausbildung, die die Nachfrage nicht deckt, sowie der Vorschlag, Sozialleistungen zu streichen, um Erwerbsarbeit zu fördern.

Automatisierung erscheint als langfristige Lösung in arbeitsintensiven Sektoren. Keine dieser Rezepte wird auf den Titelseiten diskutiert. Auch die tatsächlichen Kosten der Abschiebung Hunderttausender in Länder, die sie nicht aufnehmen werden, bleiben unerwähnt.

Angesichts dieser Lage ist eine Flut von Ankündigungen und ein deutlich geringerer Anstieg effektiver Ausreisen zu erwarten. Deutschland kann konkrete Abschiebungen von Straftätern beschleunigen, wie bereits angedeutet. Das Versprechen in eine Massen-Migrationspolitik umzuwandeln, ist eine andere Sache. Und wenn es nicht klappt, wird die harte Rhetorik die Rechtsensrecht nicht neutralisiert haben, sondern ihnen Argumente geliefert.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (326 Antworten).

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