Supreme Court kassiert Trumps Zölle: Loch von 150 Milliarden Dollar
Der Oberste Gerichtshof der USA hat am 20. Februar 2026 die globalen Zölle, die Donald Trump ein Jahr zuvor eingeführt hatte, für ungültig erklärt. Das Urteil, das von sechs der neun Richter getragen wird, stuft die auf dem International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) basierenden Abgaben als rechtswidrig ein und ebnet den Weg für Rückerstattungen in Höhe von mehr als 150 Milliarden Dollar. Ein juristischer Rückschlag, der bei nüchterner Betrachtung eher wie ein buchhalterisches Desaster von kosmischen Ausmaßen wirkt.
Warum der Supreme Court die Zölle für illegal hält
Das IEEPA erlaubt es, den Handel mit ausländischen Ländern im Notfall zu regulieren. Die Mehrheit der Richter ist jedoch der Auffassung, dass dies nicht das Recht verleiht, Steuern zu erheben. Das Urteil stellt unmissverständlich fest: „Das IEEPA enthält keinerlei Verweis auf Zölle. Die Regierung kann kein Gesetz vorweisen, in dem der Kongress das Wort 'regulieren' genutzt hätte, um die Erhebung von Steuern zu autorisieren.“ Übersetzt bedeutet das: Weder steht es so im Text, noch hatte je ein Präsident diese Befugnis beansprucht.
Die Richter ignorieren den politischen Lärm. „Wir beanspruchen keine besondere Kompetenz in Wirtschafts- oder Außenangelegenheiten“, betonen sie und erinnern daran, dass sie lediglich ihre durch Artikel III der Verfassung zugewiesene Rolle erfüllen. Alle Executive Orders, die diese Zölle einführten, werden rückwirkend aufgehoben; das vorherige Urteil der unteren Instanzen, das die Maßnahmen bereits gekippt hatte, wird bestätigt.
Trump reagierte noch am selben Morgen beim Frühstück mit Gouverneuren im Weißen Haus, wie CNN berichtete: Er nannte das Urteil eine Schande und kündigte einen Plan B an, um die Zölle beizubehalten. Das Urteil betrifft jedoch nur die globalen Abgaben, die via IEEPA verhängt wurden. Sektorale Zölle – etwa auf Aluminium oder Autos – bleiben bestehen, da sie auf anderen Gesetzen beruhen. Allerdings müssen sie nun einheitlich angewandt werden, was bilaterale Verhandlungen zur Aufhebung erschwert.
Rückerstattungslawine und das Problem der Empfänger
Das drängende Problem ist die Rückzahlung der über 150 Milliarden Dollar, die im vergangenen Jahr eingenommen wurden. Mehr als tausend Unternehmen hatten sich bereits der Klage angeschlossen, um die Verjährung ihrer Ansprüche zu verhindern. Da das Urteil keinen konkreten Ablauf für die Rückzahlungen definiert, beginnt hier das Chaos: Richter Brett Kavanaugh, einer der drei abweichenden Stimmen, warnte, dass „die Rückgabe des Geldes an die Unternehmen sehr komplex und verwirrend sein wird“.
Sein Argument hat eine unbequeme Spitze: Ein Großteil der Zollkosten wurde bereits über höhere Preise an die Verbraucher weitergegeben. Daher erhalten Zwischenhändler – Importeure und Firmen – die Entschädigung, nicht aber der Bürger, der im Supermarkt mehr bezahlt hat. Die Rückerstattung geht also an jene, die die Zahlung geleistet haben, nicht an jene, die die Last getragen haben.
Harter Schlag für die Staatsfinanzen: Defizit nahe zwei Billionen
Der doppelte Haushaltsimpact schmerzt am meisten. Zum einen führt das Verschwinden eines der wenigen Mechanismen für zusätzliche Einnahmen aus dem „Großen und Schönen Gesetz“ (Grand and Beautiful Law) zur Steuersenkung dazu, dass das Defizit von 2025 sich den zwei Billionen Dollar nähert, während die öffentliche Schuldenquote die Marke von 100 % des BIP überschreitet.
Zum anderen hatte Trump zwei Versprechen gemacht, die von diesen Einnahmen abhingen. Erstens: Ein Scheck über 2.000 Dollar pro Mittelstandsfamilie als Ausgleich für gestiegene Preise. Zweitens: Eine Erhöhung der Militärausgaben um 50 %, von einer auf 1,5 Billionen Dollar, „finanziert durch die Zolleinnahmen“. Beides entfällt mangels Finanzierungsquelle genau dann, wenn der Kongress die Haushalte bis Ende des Monats verabschieden muss, um einen erneuten Government Shutdown zu vermeiden.
Plan B: Section 122, 338 und 301
Da der IEEPA-Weg versperrt ist, sucht der Präsident nach rechtlichen Schlupfwinkeln. Der unmittelbarste ist Section 122 des Trade Act von 1974, die weltweit Zölle von bis zu 15 % für 150 Tage erlaubt. Laut den Diskussionen wurde ein globaler Zoll von 10 % für diesen Zeitraum angekündigt; danach wäre eine Verlängerung durch den Kongress nötig, was als unwahrscheinlich gilt.
Auch Section 338 des Tariff Act von 1930 wurde ins Spiel gebracht, die laut einem Kommentator Zölle ermöglichen würde, obwohl sie kaum genutzt wird und vermutlich ebenfalls vor Gericht landen würde. Zudem sind mehrere Untersuchungen nach Section 301 geplant, um „unfaire Handelspraktiken“ anderer Länder zu ahnden. Das Grundproblem bleibt: Diese Instrumente sind für spezifische Fälle und Sektoren gedacht, nicht für unbegrenzte globale Zölle wie die gerade gekippten.
Märkte ruhig, Zustimmungswerte im Sinkflug
Analysen zufolge reagierten die Märkte verhalten. Weder Panik noch Euphorie: Die Indizes bewegten sich in engen Bandbreiten, da Investoren die Volatilität des Mieters im Weißen Haus bereits eingepreist haben und nur auf echte Politikwechsel reagieren, nicht auf Wutausbrüche. Im Kern nimmt das Urteil dem Präsidenten ein Instrument weg: institutionelle Zurückhaltung, getarnt als Radau.
Politisch liegt der Wertverlust laut kursierenden Umfragen bei 25–30 %. Manche Beobachter meinen, dass selbst die treuesten Anhänger des Magnaten öffentliches Unbehagen zeigen. Hinzu kommt, dass dies die zweite große Niederlage seiner Amtszeit vor dem Supreme Court ist, nachdem ihm dieses bereits untersagt hatte, die Nationalgarde ohne Zustimmung der Gouverneure einzusetzen.
Ein Urteil, das Rechnungen hinterlässt, keine Gewissheiten
Mit den annullierten globalen Zöllen, dem Defizit nahe zwei Billionen und der Schuldengrenze bei 100 % des BIP ist das Problem nicht mehr juristischer, sondern finanzieller Natur. Es stehen 150 Milliarden Dollar aus, die aus der öffentlichen Kasse an Unternehmen fließen – eine Rechnung, die Bürger bereits im Supermarkt bezahlt haben und die ihnen, wie Kavanaugh warnte, voraussichtlich niemand erstatten wird.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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