Saudi-Arabien und VAE verweigern Gespräche mit Biden über Öl

Laut WSJ lehnen Saudi-Arabien und die VAE Bidens Anrufe ab, eine Antwort auf den Ölpreisanstieg zu koordinieren. Im Forum wird über den Pragmatismus debattiert.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Saudi-Arabien und VAE verweigern Gespräche mit Biden über Öl
Saudi-Arabien und VAE nehmen Bidens Anrufe nicht an

Was passiert, wenn der US-Präsident seine strategischen Partner am Golf anruft und diese das Telefon klingeln lassen? Genau das berichtet The Wall Street Journal, wie im Eröffnungsposting des Threads zu lesen ist: Riad und Abu Dhabi lehnen die Anrufe des Weißen Hauses ab, eine Reaktion auf den Anstieg des Rohölpreises nach der russischen Invasion der Ukraine zu koordinieren. In der Debatte wird daran erinnert, dass Biden geschworen hatte, Saudi-Arabien wegen der Ermordung Jamal Khashoggis zum Paria zu machen – und dass er nun dessen Öl braucht, um die Inflation zu bremsen. Manche spotten, die Scheichs, die zwar nachtragend, aber nicht vergesslich seien, würden den verpassten Anruf zurückgeben.

Das Ereignis zerstört nach Ansicht der Teilnehmer ein paar Selbstverständlichkeiten, die im Westen als gegeben galten. Erstens, dass Verbündete Verbündete sind, solange es passt. Zweitens, dass Venezuela der Bösewicht war und Saudi-Arabien der demokratische Freund. Innerhalb weniger Wochen, so heißt es, musste die US-Regierung ihre Erzählung schlucken und Versorgungswege erkunden, die bis gestern zum Achse-des-Bösen-Lager gehörten. So ist die Geopolitik des Öls: Prinzipien verflüchtigen sich, wenn der Fasspreis explodiert.

Warum verweigern Saudi-Arabien und die VAE das Gespräch mit Biden?

Die Absage ist kein diplomatischer Trotzausbruch. Sie ist ein kalkulierter Schachzug. Saudi-Arabien und die VAE bauen seit Langem eine eigenständige Außenpolitik auf, abseits des amerikanischen Schirmes. Der saudische Kronprinz Mohamed bin Salman hat nicht vergessen, dass Biden ihm wegen des Khashoggi-Falls den Finger zeigte, während sein Vorgänger Donald Trump ihn wie einen bevorzugten Partner behandelte. Die Kränkung lässt sich nicht mit einem Anruf auslöschen.

Hinzu kommt ein struktureller Faktor: Die OPEC+, das Kartell, das die Rohölproduktion mit Russland koordiniert, hat in Moskau einen verlässlichen Partner gefunden, um die Preise hochzuhalten. Die Energieallianz zwischen Riad und Moskau ist nicht neu. Sie geht auf den Preiskrieg von 2020 zurück, als beide lernten, dass es sich für sie mehr lohnt, sich zu verständigen, als sich zu bekämpfen. Jetzt, mit explodierenden Ölpreisen, haben sie keinerlei Anreiz, den Hahn aufzudrehen und Washington aus der Patsche zu helfen.

Manche behaupten, die Absage sei ein Mittel, um das Weiße Haus unter Druck zu setzen und Sicherheitsgarantien sowie politische Zugeständnisse zu erhalten. Andere vermuten, man warte einfach darauf, dass Biden einlenkt und seinen Fehler eingesteht. In jedem Fall ist die Botschaft klar: Öl erbettelt man nicht, man verhandelt darüber.

Die Hinwendung zu Venezuela: vom Paria zum Notlieferanten

Das andere Bein der Geschichte ist die Hinwendung zu Venezuela. Dieselbe Regierung, die Juan Guaidó als legitimen Präsidenten anerkannte und Sanktionen gegen das Regime von Nicolás Maduro verhängte, prüft nun, diese Sanktionen zu lockern, damit venezolanisches Rohöl wieder auf die internationalen Märkte kommt. Der Schachzug hat eine perverse Logik: Wenn du kein Öl von deinen Verbündeten bekommst, such es bei deinen Feinden.

Diese Wende hat selbst bei den erfahrensten Analysten für Verwirrung gesorgt. Über Jahre hinweg zeigte die offizielle Erzählung Venezuela als isolierte Diktatur und Saudi-Arabien als notwendigen Partner. Nun hat die energetische Notwendigkeit diese Linie verwischt. Der Pragmatismus setzt sich gegen die Sarracena durch, und die Dämonen von gestern sind heute potenzielle Lieferanten. Die Frage, die in der Luft liegt, ist, wie lange diese Neuausrichtung dauern wird und welchen politischen Preis Washington zahlen muss.

Die Auswirkungen auf Europa: die Rechnung der Solidarität

Während Washington verzweifelt nach Alternativen sucht, verfolgt Europa das Schauspiel mit Sorge. Die Europäische Union ist in hohem Maße von importiertem Öl und Gas abhängig, und der Konflikt in der Ukraine hat die Energiepreise in die Höhe getrieben. Die Länder des Südens, etwa Spanien und Italien, sind besonders verwundbar. Benzin nähert sich vielerorts bereits der Zwei-Euro-Marke pro Liter, und Erdgas hat sich massiv verteuert.

Die Paradoxie: Europa hat weder die Macht, die OPEC+ zu beeinflussen, noch direkt mit Riad oder Abu Dhabi zu verhandeln. Sein Spielraum ist begrenzt. Wenn es den USA nicht gelingt, die Golfproduzenten zu überzeugen, wird Europa die Kosten der Energiewende im Eiltempo tragen müssen. Die Solidarität mit der Ukraine hat ihren Preis – und dieser Preis wird in der Stromrechnung und an der Zapfsäule bezahlt.

Welche Rolle spielt Russland bei der Absage der Golfstaaten?

Russland ist in dieser Partie kein passiver Akteur. Moskau pflegt seit Jahren Beziehungen zu Saudi-Arabien und den VAE, und die OPEC+ ist das Instrument, mit dem es die Produktion mit den wichtigsten Exporteuren koordiniert. Für Pilingui ist es ein Mittel, hohe Rohölpreise zu halten, um seinen Kriegsaufwand zu finanzieren und den Westen zu destabilisieren. Die Weigerung Riads und Abu Dhabis, mit Biden zu sprechen, passt perfekt in diese Strategie.

Es geht nicht darum, dass die Saudis oder Emiratis pro-russisch wären. Es geht darum, dass ihre Interessen konvergieren. Beide wollen ihre Öleinnahmen maximieren, und beide misstrauen den amerikanischen Versprechen. Der Unterschied: Russland bietet ihnen eine stabile Beziehung ohne Predigten, während die USA von ihnen Ausrichtung verlangen und ihnen ihre Sünden vorhalten, wann immer sie etwas brauchen.

Die unsichere Zukunft der amerikanischen Führungsrolle

Die Weigerung der Golfstaaten, Bidens Anrufe anzunehmen, ist mehr als eine diplomatische Anekdote. Sie ist ein Symptom für den Verschleiß der amerikanischen Führungsrolle im Nahen Osten. Jahrzehntelang war Washington der unangefochtene Schiedsrichter der Region. Heute drehen ihm seine traditionellen Verbündeten den Rücken zu, wenn er sie am meisten braucht. Und seine Gegner, etwa der Iran oder Venezuela, verhandeln aus einer gestärkten Position.

Das Ereignis offenbart auch die Widersprüche einer Außenpolitik, die zwischen Idealismus und Pragmatismus schwankt. Biden hatte versprochen, die Menschenrechte ins Zentrum seiner Agenda zu stellen. Nun muss er Autokraten umwerben, um die Inflation zu bremsen. Der Realismus schlägt den Idealismus immer, wenn der Fasspreis steigt. Die Frage ist, ob diese Wende in den USA Wahlfolgen haben wird und ob Europa aus der Lektion etwas lernt.



Das Ironischste daran: Während Biden in der halben Welt nach Öl sucht, steigen die Preise weiter, und die einfachen Bürger zahlen weiter die Zeche. Die Verbündeten am Golf haben es nicht eilig. Und Washington immer weniger.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (93 Antworten).

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