Kenia und Saudi-Arabien einigen sich auf Ölzahlung in Schillingen
Ein Handelsabkommen zwischen Kenia und Saudi-Arabien zum Kauf von Rohöl unter Verwendung des kenianischen Schillings anstelle des Dollars hat ausgereicht, um die unbequeme Frage wieder aufzuwerfen: Wie viel Lebenszeit bleibt dem Greenback als obligatorischem Tauschmittel? Die Nachricht, verbreitet über eine der Agentur Sputnik zugeschriebene Meldung, behauptet, dass Nairobi und Riad einen Mechanismus zur Abwicklung ihrer Ölkäufe ohne den US-Dollar vereinbart haben. Die Ankündigung erfolgt, nachdem Kenias Präsident William Ruto seinen Bürgern geraten hatte, ihre Dollars loszuwerden, wie die Diskussion einleitende Meldung nahelegt, die dem Staatschef die Warnung zuschreibt, dass der Dollar-Markt „sich in wenigen Wochen ändern wird“.
Daraus entwickelt sich ein Aufeinandertreffen zweier Narrative. Das eine besagt, dass der Dollar dem Untergang geweiht sei und jedes bilaterale Abkommen, das ihn umgeht, ein weiterer Nagel im Sarg ist. Das andere kontert mit der offensichtlichen Frage: Warum sollte Saudi-Arabien kenianische Schillinge akzeptieren, eine Währung, die im Austausch selbst als unzuverlässig bezeichnet wird? Die Antwort lautet nach kühlerer Betrachtung: Der Schilling reist nicht; er wird automatisch in Waren, Infrastruktur oder politischen Einfluss umgewandelt.
Was Kenia exportiert und warum es für das Abkommen wichtig ist
Das Detail, das viel Enthusiasmus dämpft, liegt in der Handelsbilanz. Kenia verfügt über keine Dollar-Reserven, um saudi-arabisches Rohöl zu bezahlen, daher besteht das Abkommen nicht darin, Bündel von Schillingen zu übergeben, sondern durch das auszugleichen, was das Land tatsächlich produziert. Zu den wichtigsten Exportgütern Kenias gehören Tee (1,2 Milliarden), Schnittblumen (596 Millionen), raffiniertes Erdöl (308 Millionen), Gold (262 Millionen) und Kaffee (229 Millionen). Mit anderen Worten: Der Schilling dient als Recheneinheit, aber die tatsächliche Zahlung erfolgt in Waren.
Manche gehen weiter und beschreiben ein Kompensationsmodell nach chinesischem Vorbild: Konzessionen, Infrastrukturmanagement und politische Macht als Gegenleistung. In diesem Schema ist Papiergeld kaum sichtbar. Die Operation ähnelt weniger einem Frontalangriff auf den Dollar als vielmehr einem raffinierten Tauschhandel mit einer finanziellen Ebene darüber.
Der Dollar als Waffe und der Bumerang-Effekt der Sanktionen
Das Argument, das in der Diskussion am meisten Gewicht hat, ist nicht das kenianische, sondern was mit dem Dollar nach Februar 2022 geschah. Der Ausschluss Russlands aus dem SWIFT-System, Kartensperrungen und die Einfrierung ausländischer Einlagen verwandelten die US-Währung in ein Instrument der Bestrafung. Von da an stellt sich jedem Land mit Reserven die einfache Frage: Wenn ich mich falsch verhalte, werden meine Konten eingefroren?
Diese Kalkulation treibt Länder dazu, Alternativen zu suchen. Man muss kein Wirtschaftsnobelpreisträger sein, um zu verstehen, dass wer das Tauschmittel kontrolliert, auch Gebühren, Zugang und gegebenenfalls Strafen kontrolliert. Die mächtigsten Länder der Welt handeln genau deshalb in ihrer eigenen Währung. Der Unterschied ist, dass jetzt mehr Akteure bereit sind, es zu versuchen.
Brasilien, China und die wachsende Liste
Das kenianische Abkommen kommt nicht allein. Im selben Gespräch wird erwähnt, dass Brasilien der Liste der Länder beigetreten ist, die den Dollar in ihren Handelsgeschäften mit China nicht nutzen werden. Jede solche Ankündigung nährt die These, dass die Hegemonie des Greenbacks durch Taten und nicht durch Reden erodiert wird.
Die Gegenargumentation hat ebenfalls Substanz. Dass ein Land ankündigt, den Dollar nicht mehr zu nutzen, bedeutet nicht, dass es ihn nicht mehr braucht. Ein Großteil des Welthandels wird weiterhin in Dollar fakturiert, weil Rohstoffe so gehandelt werden und weil die Clearinghäuser der Zentralbanken auf dieser Referenz basieren. Aus dem System auszusteigen heißt nicht, ein Dokument zu unterschreiben: Es bedeutet, eine alternative Infrastruktur aufzubauen.
Das Detail, das niemand erklärt: Wohin fließen die Schillinge?
Die offene Frage ist die unbequemste. Wenn Kenia und Saudi-Arabien ihre Käufe ohne Dollar abwickeln, was passiert mit den Schillingen, die zuvor in Greenbacks umgetauscht wurden? Niemand in der Diskussion gibt eine abschließende Antwort. Die plausibelste Hypothese ist, dass diese Schillinge in Einkäufe bei China, Indien oder Iran recycelt werden oder direkt in Waren. Der Schilling verlässt Afrika nicht: Er zirkuliert innerhalb des Handelskreislaufs.
Was klar scheint, ist, dass das Privileg, Geld zu drucken und vom Rest der Welt akzeptiert zu werden, ein Verfallsdatum hat. Nicht weil der Dollar morgen verschwindet, sondern weil jedes bilaterale Abkommen, das ihn umgeht, die Anzahl der Transaktionen reduziert, die ihn benötigen. Und das zählt langfristig wirklich.
Wie viel dieser Bewegung ist ein echter Systemwandel und wie viel Propaganda mit zwei Tweets und einer Agenturmeldung? Die ehrliche Antwort lautet: Noch weiß man es nicht. Was man weiß, ist, dass der Dollar nicht mehr die einzige Option ist, und dass dies, ob gut oder schlecht, die Spielregeln ändert.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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