Warnung vor S&P-500-Crash endet mit 3,26 % Plus
Der S&P 500 stürzte nicht ab. Er legte in einer einzigen Sitzung 3,26 % zu. Die Alarmmeldung zum Wochenstart am 21. April 2025 sprach von einem eindeutigen Abwärtstrend und fügte ein Fortsetzungsmuster hinzu, um den bevorstehenden Einbruch zu rechtfertigen. Der Markt ignorierte das Chartbild.
In denselben Tagen verlor der DOW JONES zeitweise 2,69 %, und die Stimmung war von der Angst vor dem sichtbaren Eisberg geprägt. Die Quittung kam später: Wer alles verkauft hatte, um Verluste zu vermeiden, sah den Index ohne ihn steigen. Manche fragten offen, ob man einen Fall herbeiwünscht, um günstiger einzusteigen, oder einfach nur, damit auch andere verlieren. Erste ungeschriebene Börsenregel: Niemand vergibt dir, dass du recht hattest, als du ausstieg.
Die Verkäufer, die nun verbittert auf die Charts starren
Dieses Muster wiederholt sich jedes Mal, wenn ein Index wankt. Depots, die durchhalten, füllen sich mit defensiven Narrativen, während leere Kassen Trost im Unglück anderer suchen. Ein Beispiel fasst den Zyklus zusammen: Ein Investor kaufte für 40.000 Euro, als der S&P bei 6.000 Punkten stand, und weiß nun nicht mehr, wie er in den Spiegel blicken soll. Die Anekdote wird unspektakulär erzählt, zeigt aber klar, wer im schlechtesten Moment kauft und wer verkauft.
Hinzu kommt ein Problem der Zusammensetzung. Monatelang wechselten tausende Kleinanleger zu S&P-500-Indexfonds, so wie man eine Rentenversicherung abschließt und sie vergisst. Wenn der Index um 15 % fällt, entdecken diese Anleger, dass sie keine festverzinslichen Anlagen gekauft hatten. Die häufigste Beschwerde – jetzt, wo alle über Indexfonds sprachen, was sagen denn die Gurus? – deutet auf etwas Unbequemereres hin als einen Trend: einen massiven Kapitalabfluss von Privatanlegern in einen einzigen Vermögenswert, genau jenen, der angeblich abstürzen sollte.
Vom Doppelboden bei 4.800 zur Zollpause von 90 Tagen
Auch das bullische Szenario hat Fürsprecher. Die am häufigsten genannte Hypothese besagt, dass der S&P erneut bis auf 4.800 Punkte fällt, einen Doppelboden bildet und dieser zweite Test den Start einer neuen Aufwärtsbewegung markiert. Das ist keine Prophezeiung, sondern ein Muster, das Bestätigung erfordert. Voraussetzung ist, dass beide offenen Handelsfronten geklärt werden: das Abkommen zwischen den USA und der EU sowie das zwischen den USA und China. Solange diese Variablen ungeklärt sind, ist Volatilität garantiert: an einem Tag steigt der Kurs, am nächsten fällt er doppelt so stark.
Die Details des Rebounds finden sich in einer Notiz eines Finanzinstituts. Die Ankündigung, montags um 9 Uhr morgens, setzte eine Verhandlungsfrist von 90 Tagen fest, in der die USA ihre Zölle auf China auf 30 % senken und China daraufhin Zölle von 10 % auf die USA erhebt. Dieselbe Analyse warnte, dass der Impuls eher vom Liquiditätszufluss als von soliden Fundamentaldaten komme und dass Wirtschaft und Unternehmensgewinne kaum für einen flauen Markt reichten. Der IBEX lag derweil etwa 12 % unter seinem historischen Höchststand.
Die These der Liquidität: S&P seit 2008 verfünffacht
Es gibt ein Argument, das über allem schwebt und weder von Zöllen noch von Charts abhängt. Der S&P 500 hat sich seit 2008 verfünffacht, und die Geldmenge der Zentralbanken ist ähnlich gewachsen. All dieses Geld muss irgendwohin fließen, und ein großer Teil ging in Finanzanlagen. Unter diesem Blickwinkel ist ein Rückgang um 15 % nur Rauschen innerhalb eines strukturellen Trends, den kein einzelner Politiker bestimmt.
Die ambitioniertere Version der Idee spricht von einem System, das sein Gleichgewicht verloren hat: Wenn Geld ohne Grenzen gedruckt wird und dieses Geld früher oder später überall ankommt, brechen die Märkte ihre Homöostase auf und finden sie erst wieder, wenn der Generator des Ungleichgewichts abgeschaltet ist. Man kann den Rahmen diskutieren, aber die begleitende Tatsache ist hartnäckig: der höchste Indexstand seit einem Jahr bei der chaotischsten Geopolitik. „Don't fight the FED“ fasst das Leitmotiv zusammen. Und die klassische Warnung – der Markt kann länger irrational bleiben, als Sie solvent sind – ist so alt wie die Börse selbst.
Kann technische Analyse einen S&P-500-Einbruch vorhersagen?
Es gibt keinen Konsens, und wer ihn behauptet, lügt. Gegenüber dem Fortsetzungsmuster, das die Alarmmeldung eröffnete, ist die Antwort der erfahrenen Akteure gnadenlos: In den meisten Situationen ist technische Analyse Betrug. Ein weiterer üblicher Vorwurf lautet, dass diese Instrumente nichts anderes sind als Spielautomaten mit Grafiken, auf denen jeder sieht, was ihm passt. Im Nachhinein ist alles offensichtlich; bevor es passiert, lässt sich immer ein Bericht schreiben, der sowohl für steigende als auch fallende Kurse taugt, je nachdem, welchen Absatz man zitiert.
Der Skeptizismus hat eine Grundlage. Ein Bericht vom 12. Mai beginnt mit Rebounds und reichlicher Liquidität, also mit einer lauwarmen Diagnose: gute kurzfristige Nachrichten, mittelfristige Zweifel. Wer dort ein binäres Signal sucht, wird es nicht finden. Selbst die ursprüngliche Crash-Warnung endete mit der Einsicht, dass man nicht allzu sehr an Tarotkarten glaubt. Überleben besteht hier oft darin, gar nichts zu tun.
Die versteckte Reserve von 150 Billionen Dollar
Gelegentlich degeneriert der makroökonomische Pessimismus zu einer Geschichte vom versteckten Schatz. Der ehemalige CIA-Berater Jim Rickards behauptet, es gebe einen vergessenen Vermögenswert von 150 Billionen US-Dollar, verbunden mit dem Rechtskodex nach dem US-Bürgerkrieg, der über 160 Jahre lang geschützt wurde und den ein Urteil des Obersten Gerichtshofs zurückbringen könnte. Der Text wurde im Format einer Pressemitteilung verbreitet und spricht von einem Jahrhundert lang unterdrücktem Reichtum.
Man sollte dies mit Distanz betrachten. Es ist schwer zu glauben, dass jemand vor 160 Jahren die Materialien festlegte, die heute benötigt würden, und dass das Geheimnis gerade jetzt enthüllt wird. Und wenn ein solches finanzielles Vorkommen existierte, wäre das Interesse an anderen ressourcenreichen Gebieten, die ebenfalls auf dem Tisch lagen, unerklärlich. Solche Narrative erfüllen eine Funktion: dem Abschwung ein episches Alibi geben.
Was ist zu erwarten? Die häufigste Prognose besagt, dass der Index, wenn die Gnadenfrist ohne Zölle endet, wieder fallen wird und am nächsten Tag die verlorenen Gewinne wie nichts geholt hat. Mehr verwertbares Rauschen für jene, die im Trüben fischen können, und eine Falle für jene, die Volatilität mit Trend verwechseln. Auf einen Kollaps zu setzen ist leicht zu begründen, aber schwer zu monetarisieren.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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