Campofrío: Vom Zielkurs 6,60 € zum Eröffnungskurs 5,34 €
Am Donnerstag schloss die Aktie bei 5,70 Euro. Am Freitagmorgen eröffnete sie bei 5,34 Euro. Zwischen den beiden Handelssitzungen gab es keine Gewinnwarnung und keine enttäuschenden Zahlen, sondern eine Ankündigung. Das chinesische Unternehmen Shuanghui, das über Smithfield Foods indirekt 37 % an Campofrío hält, teilte der spanischen Börsenaufsicht CNMV mit, dass es 7 % dieser Beteiligung verkauft – genau so viel, wie nötig ist, um nicht zur Abgabe eines öffentlichen Übernahmeangebots (OPA) für alle Aktien gezwungen zu werden. Die vom Markt erwartete Transaktion war damit plötzlich in der Luft.
Was verpflichtet Shuanghui nach dem Besitz von 37 % an Campofrío?
Wer mehr als 30 % des Kapitals einer börsennotierten Gesellschaft hält, hat nach spanischem Recht zwei Optionen: ein Angebot für alle Aktien abgeben oder die Beteiligung unter diese Schwelle reduzieren. Das chinesische Unternehmen hat sich für Letzteres entschieden und dabei nur das Minimum getan: Es trennt sich von 7 % seiner 37 %-Beteiligung und bleibt knapp über der gesetzlichen Grenze. Der Ausgangspunkt war die Hauptversammlung von Smithfield Foods, die den Kauf durch Shuanghui genehmigte, dessen größter Aktionär mit diesem 37 %-Anteil.
Von da an drehten sich alle Berechnungen darum, wann das Übernahmeangebot kommen würde. Die vorherrschende These besagte, dass dem Käufer das Geld reiche und Campofrío aufgrund seiner privilegierten Stellung auf dem europäischen Markt strategisch wertvoll sei. Die verbleibende Frage lautete, ob der Käufer nur das industrielle Geschäft oder auch den Vertrieb übernehmen wollte.
Das Kursziel von 6,60 Euro und ein Datum: 24. Oktober
Die These, die viele Privatanleger anzog, war so konkret, dass sie riskant wirkte: Campofrío werde 6,60 Euro erreichen, und zwar am 24. Oktober, nur einen Monat später. Keine Bandbreite, keine alternativen Szenarien. Die Verfechter warnten, dass der Kurs vor wichtigen Nachrichten oft künstlich gedrückt wird, um Anleger zu verschrecken. Durchhalten lautete der Rat; Verkaufen wurde fast als Verrat am Plan gesehen.
Das Problem bei festen Preis- und Datenvorhersagen ist, dass aus einer Idee ein Versprechen wird. Als die Mitteilung an die Regulierungsbehörde das Szenario zerstörte, fehlte dem Versprechen die Grundlage, und wer wegen dieser Zahl gekauft hatte, stand ohne Argument da, seine Position zu halten.
Auch die Analysten waren vor der Ankündigung gespalten
Der professionelle Konsens ging davon aus, dass die Transaktion abgeschlossen würde. Institutionelle Händler warnten jedoch, dass der Markt sogar daran zweifelte, ob sie überhaupt stattfinden würde, und warum das chinesische Unternehmen sie durchführen sollte. Diese Kluft erklärt die Volatilität der vorherigen Sitzungen: Der Kurs reagierte auf jedes Gerücht, weil niemand die Gewissheit hatte, die im Nachhinein als selbstverständlich dargestellt wurde.
Die Leckage von El Confidencial, die den Ausgang vorwegnahm
Vor der offiziellen Mitteilung berichtete El Confidencial bereits, dass das Vertriebsgeschäft für den Käufer uninteressant sei und er sich erst von den 7 % und dann von den restlichen 30 % trennen würde. Die Information wurde skeptisch aufgenommen, da dieses Medium bei den Anlegern keinen einheitlichen Ruf genießt. Die offizielle Ankündigung bestätigte die Meldung innerhalb weniger Stunden.
Warum eröffnete der Kurs bei 5,34 Euro, wenn er am Donnerstag bei 5,70 schloss?
Weil zwischen Schluss und Eröffnung der Grund wegfiel, warum viele die Aktie hielten, nicht weil das Unternehmen plötzlich 6 % weniger wert war. Wer im Hinblick auf ein Übernahmeangebot zu 6,50 oder 7 Euro gekauft hatte, sah sich mit einem anderen Szenario konfrontiert, verkaufte zu jedem Preis und ließ die Lücke entstehen, da auf der Käuferseite niemand war. Dies ist die übliche Mechanik, wenn Kapital panikartig abfließt.
Ein Teil dieses Kapitals rotierte in andere Werte derselben Diskussion, wobei Codere sowohl in die eine als auch in die andere Richtung ein häufiges Ziel war. Der Positionswechsel zwischen den beiden Namen wurde fast genauso diskutiert wie die Transaktion selbst.
Das Hütchenspiel: Drei Monate zur Entscheidung
Im Raum stand der Verdacht, den niemand beweisen kann: dass der Käufer den Kursverfall über die drei Monate der Frist verlängert, um den Rest viel günstiger zu erwerben, indem er den Durchschnittspreis des Zeitraums nutzt und so Dutzende Millionen spart. Manche sehen darin ein zynisches, aber legales Manöver, andere schließen es aus, da es für einen Verkäufer vorteilhafter ist, sein Paket zum höchstmöglichen Preis loszuwerden, statt es zu drücken. Wieder andere vermuten, dass der Verkauf der 7 % an einen anderen Fonds oder an die Familie Ballvé gehen könnte, mit der alles seit Monaten abgestimmt ist.
Der Tag, an dem über 700.000 Aktien gehandelt wurden
In den Foren wurde an eine Sitzung erinnert, in der über 700.000 Aktien gehandelt wurden, ein Volumen, das nie vollständig erklärt wurde und das teilweise auf die Schließung von Leerverkaufspositionen zurückgeführt wurde. Die offene Frage blieb, wer auf der anderen Seite dieser Transaktion stand.
Das Geld eines Anfängers: 50.000 Euro und zwei widersprüchliche Ratschläge
Die Episode hinterließ eine unbequeme Erinnerung. In den Foren wurde vor dem Risiko gewarnt, als Anfänger 50.000 Euro in die Aktie zu stecken, wenn dies einen großen Teil des Vermögens ausmacht. Der damals verbreitete Rat lautete, einen Stop-Loss zu setzen, der einen Gewinn von 500, 700 oder 800 Euro sicherte, und ihn nicht anzufassen. Der gegenteilige Rat kam aus der technischen Analyse: Man dürfe keine Stop-Loss-Orders setzen, da diese die Aktien im Moment der größten Panik verkaufen, weshalb man ohne Netz durchhalten müsse. Zwei unvereinbare Rezepte für dieselbe Angst.
Mit den noch ausstehenden 30 %, einer Dreimonatsfrist zur Entscheidung und einem Kurs, der die Stütze des Übernahmeangebots verloren hat, lautet die Frage nicht mehr, ob Campofrío 6,60 Euro wert ist. Sondern wer den Preis hält, wenn Shuanghui einfach geht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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