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EZB hebt Zinsen um 0,75 Punkte bei 10 % Inflation
Die EZB erhöht die Zinsen um 0,75 Punkte bei einer Inflation von 10 % und Euro-Dollar-Parität. Die europäische Industrie steht vor einem Winter ohne russisches Gas.
EZB hebt Zinsen bei 10 % Inflation und schwachem Euro
Eine Erhöhung des Geldpreises um 0,75 % auf einen Schlag – eine historische Zinsanhebung – und dann sieht man, wie die Währung Stunden später gegen den Dollar abstürzt. Der Euro erreichte 0,9974 und fiel weiter bis auf 0,9959. Das ist kein Lehrbuchfehler: Es passiert, wenn die Inflation bei 10 % liegt und die US-Notenbank (Fed) mit Monaten Vorsprung strafft. Die EZB trat an, um den Euro zu verteidigen. Der Euro ignorierte sie.
Warum der Euro die Parität zum Dollar verlor
Die Parität ist symbolisch und konkret. Im Jahr 2008 war ein Euro 1,6 Dollar wert; jetzt ist es eins, und er fällt weiter. Wer genau hinsieht, kommt zu einer unbequemen Rechnung: Wenn Energie in Dollar abgerechnet wird und die europäische Währung 60 % weniger wert ist als vor fünfzehn Jahren, stammt ein großer Teil der Mehrkosten für Energie weder vom Krieg noch von Knappheit. Das Fass Öl lag 2008 fast bei 150 Dollar, heute unter 100. Bei billigerem Rohöl sind die Spritpreise nicht niedriger.
Das offizielle Argument lautet, dass die Zinsen erhöht werden, um importierte Inflation zu bremsen. Der Einwand ist grundlegend: Wenn der Preisanstieg exogen ist – Gas, Strom, Kraftstoff –, macht teureres Kreditgeld keinen Kilowatt günstiger. Nach dieser Lesart folgt die EZB nur der Fed und schützt den Besitzer von Euro-Vermögen mehr als die Realwirtschaft.
Das deutsche Handelsdefizit, das niemand erwartet hatte
Der Motor droht, den Zug anzuhalten. Deutschland, das jahrzehntelang zuverlässig exportierte, verzeichnete zum ersten Mal seit 30 Jahren ein Handelsdefizit. Für die EU ist das keine Randnotiz: Es ist der Motor, und wenn der hustet, entgleisen die Waggons.
Hier öffnet sich der tiefste Riss. Eine Fraktion behauptet, das Problem seien nicht die Zinsen, sondern die politische Entscheidung, auf russisches Gas vor dem Winter zu verzichten. Eine andere antwortet, ein schwacher Euro sei Segen für Exporteure und Ruin für Brotkäufer. Und eine dritte, technischere Gruppe argumentiert, ein starker Euro würde Industrieeinfuhren verbilligen, vorausgesetzt, Europa verkauft hochwertige Produkte statt Billigware.
Was wiegt schwerer: Energie oder Zinsen?
Der DAX gab am Tag der Zinserhöhung um 1,61 % nach. Die Märkte wissen, was kommt: weniger Kredite, weniger Konsum, weniger Produktion. Geld- und Fiskalpolitik ziehen in entgegengesetzte Richtungen, und niemand übernimmt die politischen Kosten des Bremsens.
Wie ein Teilnehmer im Thread erinnert, betonte die EZB monatelang, die Inflation sei vorübergehend, und lehnte Zinserhöhungen ab. Als sie korrigierte, hatte der Energiepreis bereits den gesamten Warenkorb angesteckt. Späte Korrekturen sind teurer als frühe, und die Rechnung zahlt der Übliche.
Ein schwacher Euro: gut oder schlecht?
Es hängt davon ab, auf welcher Seite des Ladentischs man steht. Für Investoren mit Dollareinnahmen und festen Tarifen bedeutet ein schwacher Euro mehr Euro für dieselbe Arbeit. Für Verbraucher, die Benzin, Gas und Milch kaufen, ist es eine unsichtbare Steuer, die in keinem Budget auftaucht. Die vollständige Berechnung Posten für Posten ergibt eine Bilanz, die niemanden kaltlässt.
Manche sind sich sicher: Egal wie es ausgeht, Brot wird nicht wieder billiger.
Bei zweistelliger Inflation, einem Kontinent ohne Gas und einer Zentralbank, die spät dran ist, bleibt offen, wer zuerst standhält: die Währung, die Industrie oder der Steuerzahler.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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