Russland verbrennt Jahresdefizit in zweieinhalb Monaten

Russland hat sein für 2023 geplantes Defizit von 2,9 Billionen Rubel in nur zweieinhalb Monaten aufgebraucht, mit Ausgaben bis zu viermal höher als die Einnahmen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Russland verbrennt Jahresdefizit in zweieinhalb Monaten
Russland gibt das 2,5-Fache seiner Einnahmen aus und frisst das Budget auf

Der russische Haushalt blutet viel schneller aus, als es offizielle Bulletins zugeben. Die kursierenden Zahlen über die Staatsfinanzen deuten darauf hin, dass die Einnahmen im Januar bei 1,32 Billionen Rubel lagen, während die Ausgaben 3,12 Billionen betrugen, was ein monatliches Defizit von 1,8 Billionen ergab. In den ersten zwanzig Tagen des Februars summierte sich das Loch um weitere 2 Billionen, und das kumulierte Haushaltsdefizit Russlands belief sich bis dahin auf 3,8 Billionen, was bereits das gesamte Januar-Defizit überstieg. Die zugrunde liegende These ist unbequem: Die offizielle Version des russischen Finanzministeriums wäre die milde, die Realität jedoch deutlich schlimmer.

Russisches Defizit erschöpft Jahresziel in zweieinhalb Monaten

Die Zahl, die die haushaltspolitische Zerrüttung am besten zusammenfasst, ist nicht die vom Januar, sondern die kumulierte. Das russische Haushaltsdefizit erreichte in den ersten zweieinhalb Monaten des Jahres 2023 2,9 Billionen Rubel, exakt das Ziel, das sich die Regierung für das gesamte Geschäftsjahr gesetzt hatte. Das heißt: Moskau gab in einem Quartal das Polster aus, das es für zwölf Monate vorgesehen hatte.

Die Prognosen, die diese Daten begleiten, laden ebenfalls nicht zum Optimismus ein. Ökonomen, die die russischen Finanzen beobachten, erwarten ein Jahresergebnis, das eineinhalb Mal höher als das offizielle Ziel liegt. Übersetzt: Es gibt kein haushaltspolitisches Polster, und die Abweichung wird durch mehr Emissionen, mehr innere Schulden oder Kürzungen bei Nicht-Verteidigungsausgaben bezahlt werden.



Gibt Russland das Vierfache seiner Einnahmen aus?

Mit den verfügbaren Daten liegen die Gesamtausgaben weit über den Einnahmen, wobei der Multiplikator je nach betrachteten Zeitraum variiert. Im Januar überstiegen die Ausgaben die Einnahmen um mehr als das Doppelte; rechnet man den bisherigen Februar hinzu, steigt die Quote nach kursierenden Berechnungen auf das Vierfache. Die Zahlen im Einzelnen:

  • Einnahmen im Januar: 1,32 Billionen Rubel
  • Ausgaben im Januar: 3,12 Billionen
  • Defizit im Januar: 1,8 Billionen
  • Kumuliertes Defizit bis 20. Februar: 3,8 Billionen

Kein Land hält dieses Tempo ohne Rückgriff auf Reserven oder Geld drucken durch. Und Russland kann keine Schulden mehr so leicht emittieren wie früher: Internationale Käufer sind weggeblieben, und wer bleibt, sind größtenteils inländische Ersparnisse.

Gold, Yuan und der Januar-Knick

Der Beweis dafür, dass die Kasse eng wird, ist weniger das Defizit selbst als vielmehr, womit es gestopft wird. Nach Daten der Agentur TASS, die vom österreichischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk aufgegriffen wurden, verkaufte die Zentralbank Russlands 2,27 Milliarden Yuan (etwa 309 Millionen Euro) und 3,6 Tonnen Gold, nur um die ersten Zahlungen des Jahres zu leisten. Metall, das über ein Jahrzehnt angesammelt wurde, zu verkaufen, um einen Monat auszugleichen, ist ein ziemlich beredtes Zeichen.

Auch die Goldreserven sind nicht der Segen, den manche imaginieren. Daten des World Gold Council für das vierte Quartal 2022 weisen die russischen Bestände auf bescheidenem Niveau aus, besonders wenn man bedenkt, dass Russland einer der größten Goldexporteure der Welt ist. Die öffentliche Verschuldung liegt allerdings weiterhin bei etwa 18 % des BIP, und die Auslandsverschuldung sank 2022 auf fast 380 Milliarden Dollar, eine Zahl, die Optimisten als Schild nutzen.

Russisches Rohöl, das China und Indien im Westen weiterverkaufen

Während Moskau seine Zahlen balanciert, fließt das Öl weiter. Aber nicht wie zuvor. China und Indien kaufen Rohöl, keine raffinierten Produkte; sie verarbeiten es in ihren eigenen Raffinerien und platzieren das fertige Produkt auf dem westlichen Markt mit ihrer entsprechenden Marge. Der Nebeneffekt hat seinen Reiz: Den Energieaufpreis zahlt am Ende der europäische Verbraucher, während die russischen Raffinerien ihre wirtschaftliche Logik verlieren.

Manche beschreiben dies als stille Deindustrialisierung. Russland wechselt vom Verkäufer verarbeiteter Produkte zum Lieferanten von Rohstoffen für Dritte, die sich die Wertschöpfung sichern. Es ist keine formale Sanktion, aber das Ergebnis sieht ihr sehr ähnlich. Man muss nur auf die Heizkostenrechnung oder die Zapfsäule schauen, um zu ahnen, wohin ein Teil dieser Zusatzkosten fließt.

Kriegswirtschaft: Monate oder Jahre?

Hier gehen die Ansichten wirklich auseinander. Eine Strömung behauptet, Russland habe genug Energie und Sachgüter, um eine Kriegswirtschaft mehrere Jahre lang aufrechtzuerhalten, und dass China es nicht in den Default lassen werde, weil es sonst allein dastünde. Eine andere Antwort lautet, dass das Ausgabentempo mit langen Zeiträumen unvereinbar sei: In wenigen Quartalen würden öffentliche Gehälter nicht mehr gezahlt oder in entwerteter Währung ausgegeben, mit unterernährten Rentnern und steigender Sterblichkeit.

Das Präzedenzfalljahr 1991 taucht in allen Diskussionen auf, wenn auch mit Nuancen. Damals gab es keinen Krieg, der täglich Tausende Männer verschlang, die Industriekapazität war größer und die Korruption geringer. Nach dieser Lesart spricht der Vergleich nicht gerade für das heutige Russland.

Spanien, Japan, Iran: Der unbequeme Spiegel

Jede Diskussion über Pleiten endet damit, dass man auf sich selbst schaut. Man erinnert daran, dass Spanien in 40 der letzten 43 Jahre ein Defizit hatte und dass seine Schulden überwiegend in ausländischer Hand liegen, während Japan sie im Inland hält und daher ohne große Turbulenzen durchhält. Daraus ergibt sich das Argument, dass die Schuld nicht das Problem des Schuldners ist, sondern des Gläubigers.

Der Fall Iran wird als Kontrast genutzt. Iran ist stark sanktioniert, bleibt aber eine der größten Volkswirtschaften der Welt nach Gesamt-BIP, doch sein Pro-Kopf-Einkommen nach Kaufkraftparität fällt auf Platz 93. Sanktionen töten die Wirtschaft nicht: Sie machen sie ärmer. Genau darüber streiten die beiden Lager der Debatte.

Wenn das Ausgabentempo von Januar und Februar anhält, wird das russische Haushaltspolster vor Jahresende aufgebraucht sein, und jemand wird zwischen Verteidigung und Renten wählen müssen. Wann genau, unterschreibt niemand. Die russischen Bilanzen widerlegen seit Monaten sowohl jene, die einen bevorstehenden Kollaps ankündigen, als auch jene, die versichern, dass hier nichts passiert.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (121 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver