Russische Kriegsgefangene bei Zolkin: „Wir wurden im Stich gelassen“
Ein Su-34-Jagdpilot mit 180 bis 200 Kampfeinsätzen in Syrien. Ein Leutnant mit zwölf Jahren Dienstzeit, dem täglich 8.000 Rubel Zulage versprochen wurden. Ein Panzermechaniker, der den Lagerverwalter mit Kaffee bestechen musste, um Ersatzteile zu erhalten. Alle drei teilen sich das Setting: ein Raum, eine Kamera und der ukrainische Interviewer Volodymyr Zolkin, der russische Kriegsgefangene aufnimmt und das Material mit englischen Untertiteln veröffentlicht. Dies ist kein Grabenkriegsbericht, sondern eine Röntgenaufnahme der russischen Armee, erzählt von denen, die sie füllen.
Korruption beginnt im Kasernenlager
Der Bericht des Fahrer-Mechanikers lässt keinen Raum für Epik. Er sagt, dass Ersatzteile vorhanden sind, aber nicht ausgegeben werden, man den Lagerverwalter hofieren muss, damit er Teile herausgibt, und Mechaniker Schäden verbergen, weil ihre Vorgesetzten ihnen drohen, die Reparaturkosten privat zahlen zu müssen. Die Logistik scheitert intern, nicht nur am Feind.
Dieses Muster taucht in anderen Zeugnissen wieder auf: Einheiten, die schlafend in Schützengräben zurückgelassen wurden, verletzte Soldaten, die mit Fruta und Splitterbrüchen allein gelassen wurden. Nach diesen Berichten ist es nicht der Gegner, der seine Leute aufgibt, sondern die russischen Behörden selbst, die ihre Truppen laut Aussagen der Gefangenen mit Gleichgültigkeit behandeln.
Das Detail der Sprache, das unbequem ist
Einer der Gefangenen, gebürtig aus der selbsternannten Republik Luhansk, ruft zu Hause an und spricht Ukrainisch. Er berichtet, dass in seiner Familie nur diese Sprache verwendet wird. Laut dem Nutzer, der das Video teilt, widerlegt dieser Hinweis ohne große Reden eines der Rechtfertigungsargumente für die Invasion: den angeblichen Schutz der russischsprachigen Bevölkerung im Osten.
Opfer oder Akteure? Die andere Lesart des Materials
Manche behaupten, diese Videos seien getarnte Verhöre, der Gefangene spreche nur, weil sein Leben vom Gesagten abhänge, und die Nutzung von Gefangenen als Propagandawaffe verstoße gegen die Genfer Konvention. Dabei wird daran erinnert, dass die Ukraine dieses Abkommen unterzeichnet hat.
Die Antwort ist zweifach. Erstens nennen die Befragten in jedem Video Vorname, Nachname, Einheit und sogar Kindheitsfreunde – eine Methode, die genau dazu dient, den Vorwurf zu entkräften, es handele sich um bezahlte Schauspieler. Zweitens betonen die Gefangenen im Material, nicht geschlagen oder gefoltert worden zu sein, und danken für die medizinische Versorgung. Zweifel löst man nicht durch das Ansehen des Videos, sondern durch die Wahl, wem man glaubt.
Vom Knast an die Front: Das Wagner-Geschäft
Eine parallele Reihe beleuchtet die andere Rekrutierung, jene aus den Gefängnissen. Ein Ex-Häftling mit vier Verurteilungen und 13 Jahren Haft unterschreibt beim Verteidigungsministerium: sechs Monate an der Front und das Führungszeugnis wird bereinigt. Ein anderer, zu viereinhalb Jahren wegen Cannabiskonsums im eigenen Haus verurteilt, meldet sich an, um keine Vorstrafen zu haben. Aus seinem Gefängnis gingen 50 Freiwillige von insgesamt 300 Insassen hervor. Mehrere wurden bar bezahlt, nicht per Überweisung.
Die Zahlen, die die Gefangenen selbst nennen, sind die beste Anklage gegen ihre eigene Armee. Ein Soldat bashkirischer Herkunft unterschrieb nach einem Trinkgelage einen Vertrag: 3.000.000 Rubel bei Verwundung, 14.000.000 im Todesfall. Er verlor ein Auge im Kampf. Vorher fragt der Interviewer, ob er glaube, dass seiner Frau sein Sehverlust egal sei. Er antwortet, er wisse es nicht.
Die härtesten Zeugnisse
Die Gefangenen berichten von Soldaten, die sich selbst verletzten, um nach Russland zurückgeschickt zu werden, von Kommandeuren, die im Hinterland mit dem Sanitätspersonal blieben, und von Erschießungsdrohungen gegen jene mit „ausweichenden Ideen“. Andere beschreiben Einheiten, die nach ihrer Darstellung eigene Leute hinrichteten, wenn sie desertierten, sowie einen Meuterversuch von 600 Marineinfanteristen nahe Odessa. Alles aufgezeichnet. Alles untertitelt.
Die Frage, die über jedem Video schwebt, ist nicht, ob der Gefangene lügt. Sie lautet, warum jemand angesichts dieses Materials entscheidet, nicht mehr zu glauben.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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