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Russen können Rolls-Royce-Triebwerke kopieren
CR929 und PD-35 schreiten voran; Diskussion, ob Reverse Engineering das Airbus-Boeing-Duopol bricht.
Kann man ein Flugzeugtriebwerk durch Zerlegen eines anderen herstellen? Die verbreitete These besagt ja: Russland kann westliche Spitzentechnologie in Fabriken wie Ufa oder Kasan replizieren, ohne neue Sanktionen fürchten zu müssen, da diese bereits verhängt sind. Das russisch-chinesische Konsortium CRAIC entwickelt die CR929, einen zweistrahligen Großraumjet mit 250 bis 320 Sitzen, der das Duopol von Airbus und Boeing herausfordern soll. Die Debatte konzentriert sich jedoch auf eine unbequeme Frage: Ist das Zerlegen eines Objekts gleichbedeutend mit dem Wissen, es herzustellen?
Hintergrund des CR929-Programms
Die CR929 ist ein Joint Venture zwischen dem chinesischen Hersteller COMAC und der russischen United Aircraft Corporation. Für ein Flugzeug dieser Größe wird ein Turbofan mit 340 bis 390 kN Schubkraft benötigt, also zwischen 77.000 und 88.000 lbf. In dieser Klasse galten Rolls-Royce oder General Electric als wahrscheinliche Lieferanten, da sie bereits Produkte in diesem Segment haben.
Russland versucht, diese Lücke mit dem Aviadvigatel PD-35 (35 Tonnen Schub) zu schließen. Die Entwicklung begann im Mai 2016 mit geplanter Indienststellung 2025. Parallel unterzeichneten die russische UEC und die chinesische Aero Engine Corporation im September 2017 ein Memorandum über Tests 2022 und Zertifizierung 2027. Diskutiert wurde auch eine Ableitung des Kuznetsov NK-32 PD-30, des Triebwerks des Überschallbombers Tu-160. Der erste Prototyp wurde laut verfügbaren Daten im September 2021 gebaut.
Warum Zerlegen nicht Kopieren bedeutet
Hier hinkt die Argumentation. Reverse Engineering moderner Triebwerke erschöpft sich nicht darin, Gehäuse zu öffnen und Pläne zu erstellen. Turbinenschaufeln erfordern fortgeschrittene Metallurgie, spezielle Maschinen und streng gehütete Verfahren. Zu wissen, wie etwas aufgebaut ist, und es produzieren zu können, sind zwei verschiedene Dinge; Letzteres kostet Jahrzehnte und Milliarden.
Oft vergessen wird: Westliche Flugzeuge fliegen weltweit seit Jahrzehnten, wobei Ersatzteile leicht verfügbar sind. Dass China und Russland seit Ende des Kalten Krieges westliche Triebwerke warten und Ingenieure im Ausland ausbilden, hat ihnen keinen Erfolg garantiert. Manche erinnern daran, dass Chinas Versuche, russische Triebwerke zu klonen, ebenfalls fehlschlugen.
Gegner leugnen die technischen Hürden nicht ganz, argumentieren aber anders: Zugang zu guten Dokumenten, das Abwerben richtiger Experten oder der Kauf von Know-how könnten reichen. In Zeiten der Erschöpfung sei Bestechung billiger als Forschung.
Handelskarte: Ohne FAA/EASA-Zulassung kein Start
Selbst wenn das Triebwerk funktioniert, bleibt die Zulassung. Der westliche Luftverkehr richtet sich nach den Standards der US-amerikanischen FAA und der europäischen EASA. Ohne diese Genehmigung, so das Argument, dürfen russische oder chinesische Flugzeuge nicht auf Märkten dieser Regionen landen. Die Gegenreaktion folgt sogleich: Verbote könnten gegenseitig sein, und Blöcke würden ihre Märkte abschotten. Solche Vetos führen zu isolierten Märkten und langfristig zu mehr als nur einem Handelskrieg.
Luftverkehr außerhalb Europas
Die Annahme, die Luftfahrt beginne am Nordatlantik, wird mit Zahlen widerlegt: China befördert jährlich 500 Millionen Passagiere, Russland 50 Millionen. Frankreich und Spanien kommen zusammen auf weniger als 45 Millionen. Auf dem Papier ist der Markt für Flugzeuge, die weder die EU noch die USA anfliegen, enorm: Laut Thread-Autor plant China den Erwerb von 8.700 Flugzeugen in den nächsten Jahren und hat bereits 300 bei Airbus bestellt.
Patente, Reverse Engineering und Doppelmoral
Rechtlich ist wenig strittig: Kopieren ist einfach, Patentschutz hängt von externem Druck ab. Sarracena wird diskutiert: Die USA ignorierten ausländische Patente vor über einem Jahrhundert zugunsten ihrer Industrie und bauten später das System auf, das sie heute nutzen. Ähnliches gilt für Software und Pharma, wo Kopieren billiger ist als Innovation.
Militärindustrie liefert unerwartete Schlagzeilen: Es heißt, die Caesar-Haubitze werde zur Kopie analysiert, mit Blick auf deutsches und US-Material. Zudem erinnert man daran, dass die ISS ohne russische Module ihre Orbitkontrolle verliert.
Das Ergebnis ist offen. Manche sehen einen Sarg mit westlichen Nägeln, andere eine Fotokopie, die nie startet. Währenddessen zahlt Europa die Rechnung für Energie und Aufrüstung – als einziger Akteur, der in keiner der beiden Prognosen vorkommt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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