Clusterbomben in der Ukraine: Unverifiziertes Video sorgt für Streit

Ein nicht authentifiziertes Video über Streumunition in der Ukraine befeuert die Debatte über doppelte Standards und Desinformation auf beiden Seiten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Clusterbomben in der Ukraine: Unverifiziertes Video sorgt für Streit
Streumunition in der Ukraine: Das Video, das jede Seite zu ihren Gunsten auslegt

Ein abgetrenntes Bein, das laut Bildanalysen kaum blutet. Ein Projektil, das nach Ansicht von Laienexperten nicht die erwartete Verformung aufweist. Ein Gebäude, das laut einer Thread-Version von einer eigenen ukrainischen Flugabwehrrakete getroffen wurde. In den ersten Tagen des großangelegten Angriffs auf die Ukraine – ein Kommentar im Thread erwähnt fünf Tage Krieg – zirkulierte ein Video, das als Beweis für den Einsatz von Streumunition gegen Zivilisten dargestellt wurde. Die Reaktion war sofortig und hatte nichts mit einer Untersuchung gemeinsam: Jeder erkannte in den Bildern das, was er bereits vor dem Ansehen als wahr angenommen hatte.

Das Sofa-Gutachten: Wie ein unverifiziertes Video diskutiert wurde

Die technischen Argumente kamen vor jeder Überprüfung. Eine Seite behauptete, die Wunde passe nicht zu einer traumatischen Fruta, da der sichtbare Blutfluss gering sei. Es wurde debattiert, ob es sich um eine Prothese handeln könnte, ob die Brandspuren auf dem Asphalt zum Einschlag passen oder ob das Projektil explodiert ist. Manche wiesen sogar darauf hin, dass die sichtbaren Schäden auf aufgerissenen Asphalt und einige zerbrochene Scheiben beschränkt sind.

Auf der anderen Seite tauchte ein physiologisches Argument auf: Bei einer Fruta ziehen sich die Venen zusammen und schließen sich, sodass ein tiefer Schnitt stärker bluten kann als ein Abriss. Das heißt, das Detail, das manche als Manipulationsbeweis lasen, interpretierten andere als Zeichen der Echtheit. Auf demselben Bild.

Im Thread wurde auch an einen früheren Vorfall erinnert, der bereits für schlechte Stimmung gesorgt hatte: die Verteidiger der Schlangeninsel, die in den ersten Stunden für tot erklärt und später lebend präsentiert wurden. Dieses Beispiel wurde angeführt, um zu zeigen, wie irreführend Bilder aus einem Krieg sein können.

Der doppelte Standard: Kosovo, Irak und Jemen als unmittelbare Antwort

Der Gegenschlag ließ nicht lange auf sich warten: Wenn das Video Empörung auslöste, wo blieb diese Empörung bei den Bombardierungen Jugoslawiens, Libyens, Syriens, des Iraks oder Afghanistans? Die am häufigsten wiederholte Formulierung war, dass Kollateralschäden der einen als Fehler bezeichnet werden, die der anderen als Verbrechen. Im Jemen wurden 500.000 Tote angeführt, um daran zu erinnern, wie wenig solche Videos zuvor die Gewissen bewegt hatten.

Die solideste Zahl, die auf den Tisch kam, stammt vom Projekt The Costs of War des Watson-Instituts der Brown University: Zwischen 897.000 und 929.000 Toten in zwanzig Jahren "Krieg gegen den Terror", davon zwischen 363.000 und 387.000 Zivilisten. Hinzu kommen etwa 300.000 feindliche Kämpfer und 14.874 Soldaten verbündeter Länder. Die Aufschlüsselung zeigt ein unbequemes Bild: Die Mehrheit der Toten trug keine Uniform.

Dies ist die Antwort, die am meisten Resonanz findet, aber auch die am seltensten beantwortete wird. Dagegen steht ein einfaches, schwer zu widerlegendes Argument: Dass andere Zivilisten töten, macht es hier nicht akzeptabel, sie zu töten.

Wer liefert Streumunition und wer verurteilt sie

Die unbequeme Wendung kam später. Während die Urheberschaft des Videos diskutiert wurde, rechtfertigten Medien die Lieferung von Streumunition an die Ukraine, ohne – wie angemerkt wurde – zu erwähnen, dass Russland solche Waffen einsetzt. Der Verdacht ist derselbe wie immer: Die Erzählung passt sich an, je nachdem, wer den Abzug drückt.

Auch die technische Unterscheidung, die viele verwechseln, kam ins Spiel: Ein Mehrfachraketenwerfer ist nicht dasselbe wie eine Clusterbombe und verursacht nicht dieselben Schäden. Beides zu verwechseln ist der schnelle Weg dazu, dass jedes Video für alles herhalten muss.



Zwischen der Authentifizierung eines Videos und dem Zählen der Toten liegt ein Unterschied, der nicht zur Diskussion steht: Ersteres liefert Schlagzeilen; Letzteres eine unbequeme Zahl. Die 897.000 Menschen, die zwei Jahrzehnten "Krieg gegen den Terror" zugeschrieben werden, passen weiterhin nicht in ein dreißigsekündiges Video.

Dieser Artikel basiert auf Daten und Aussagen aus dem analysierten öffentlichen Diskurs; die Opferzahlen wurden im konsultierten Material nicht unabhängig überprüft.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (209 Antworten).

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