Richter setzt ACODAP aus und ordnet Haft an

Ein Richter setzt die Vereinigung ACODAP wegen illegaler Organisation aus und verhängt Untersuchungshaft im Fall Royuela. Das Forum diskutiert die EU-Whistleblower-Richtlinie.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Richter setzt ACODAP aus und ordnet Haft an
Richter setzt ACODAP aus und ordnet Haft an

Die Paradoxie ist klassisch: Jahre lang wurde behauptet, dass die Untätigkeit der Justiz beweise, dass das sogenannte „Royuela-Dossier“ wahr sei. Als der Richter schließlich handelte, drehte sich das Argument um 180 Grad. Nun wird die Untersuchungshaft als Beweis für Vertuschung dargestellt. Der Beschluss, die Vereinigung ACODAP auszusetzen, da sie laut veröffentlichten Informationen als illegale Organisation instrumentalisiert werde, hat eine Diskussion wiederbelebt, die im Wirtschaftsunterforum seit 1.194 Tagen offen war.

Was geschah mit dem Royuela-Dossier?

Der Richter hat Haftbefehle gegen die Verbreiter des Gerüchts erlassen und ACODAP ausgesetzt. Diese Maßnahme ist kein administratives Detail: Sie trifft den Kern eines Netzwerks, das jahrelang in sozialen Medien und Foren mit Namen, Abkürzungen und einer zivilgesellschaftlichen Struktur kursierte. Die Reaktion ließ nicht auf sich warten und ging in zwei entgegengesetzte Richtungen.

Ein Teil der Analysen behauptet, die Festnahme sei der Beweis dafür, dass die offizielle Erzählung ins Wanken gerate. Ein anderer, in den späteren Gesprächsteilen dominanter Teil, erinnert daran, dass Untersuchungshaft keine Verurteilung ist, und dass der Diskurswechsel so schnell wie opportun erfolgt sei. Erst wurde ich nicht eingesperrt, weil ich die Wahrheit sage; jetzt werde ich eingesperrt, weil ich die Wahrheit sage. Das Syllogismus funktioniert in beide Richtungen, was es genau deshalb ungültig macht.

Warum wird Haft wegen Beleidigung und Verleumdung angeordnet?

Die juristische Frage hat die größte Resonanz. Es werden zwei konkrete Verschärfungsgründe genannt: Dass der Richter die EU-Richtlinie über Whistleblower missachte, die bereits im spanischen Recht umgesetzt ist, und dass es unverhältnismäßig sei, Haft für einen angeblichen Tatbestand von Beleidigung und Verleumdung zu verhängen. Wenn diese Lesart stimmt, wäre der Effekt das Gegenteil des beabsichtigten.

Die Nuance ist wichtig. Inhaftiert sein bedeutet nicht, im Gefängnis zu sitzen: höchstens 72 Stunden, bis die Situation geklärt ist. Die Verwechslung dieser Begriffe hat einen Großteil des Rauschens genährt. Und mitten im Lärm eine verwirrende Tatsache: Santiago Royuela wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Später ins Gefängnis.

Das Argumentarium, das die Richtung wechselte

Die Entwicklung der Erzählung ist das interessanteste Phänomen an der ganzen Angelegenheit. Monate lang wurde das Fehlen gerichtlicher Schritte als endgültiger Beweis präsentiert. Als der Dinosaurier sich zu bewegen begann – korrupt, ja, aber das ist ein anderes Thema –, wechselte das Argumentarium nahtlos zum Opferdiskurs. Dies coincidierte zudem mit einem Drehbuchwechsel: vom Pavor mit Morden zum Film über Wirtschaftskorruption und Justizsystem.

Manche gehen weiter und beschreiben eine wiederholte Methode: Ignorieren, lächerlich machen, versuchen, den Dissidenten zu kaufen, ziviler Tod durch Steuerbehörde und Justiz sowie physische Eliminierung. Es ist dieselbe Sequenz, die anderen Episoden zugeschrieben wird. Dass es als Muster formuliert wird, macht es nicht zum Beweis.

Was steht jenseits des konkreten Falls auf dem Spiel?

Die Angelegenheit geht über ihre Protagonisten hinaus. Wenn die Untersuchungshaft wegen Beleidigung und Verleumdung als Instrument gefestigt wird, betrifft der Präzedenzfall jeden, der Anschuldigungen ohne Untermauerung veröffentlicht. Wenn der Richter hingegen die EU-Whistleblower-Richtlinie ignoriert, ist der Präzedenzfall das Gegenteil. In beiden Szenarien gibt es etwas zu verlieren.

Die Diskussion hat sich auch auf breitere Themenfelder ausgeweitet: globale Governance als oligarchisches Projekt, der brutale Verfall des kulturellen Niveaus der Massen, die Staatsanwaltschaft und ihre Abhängigkeit. Diese Rahmenbedingungen erklären, warum dieser konkrete Fall zum Schlachtfeld für etwas viel Größeres geworden ist.

Wie viel dieser Angelegenheit ist ein Gerichtsfall und wie viel ein Kulturkampf, der die Gerichte als Bühne nutzt?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (141 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver