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Spaniens Audiencia National ordnet Telegram-Blockade an
Richter Pedraz ordnete eine vorläufige Sperre von Telegram in Spanien wegen Urheberrechtsverletzungen an, hob sie jedoch Stunden später ab.
Pedraz ordnet Telegram-Sperre an und hebt sie Stunden später auf
Kann man mehr als acht Millionen Menschen die Messaging-Dienste sperren lassen, nur weil es eine Beschwerde über Urheberrechte gibt? Im März 2024 unterzeichnete Richter Santiago Pedraz vom Audiencia Nacional (Nationaler Gerichtshof) einen Beschluss, der die vorläufige Sperrung von Telegram in Spanien anordnete. Dies geschah auf Betreiben von Mediaset, Atresmedia und Movistar Plus+, die der Plattform vorwarfen, geschütztes audiovisuelles Material ohne Genehmigung zu hosten. Der Richter gab den Netzbetreibern drei Stunden Zeit, den Dienst abzuschalten.
Der Fall hatte eine lange Vorgeschichte. Bereits am 28. Juli 2023 war ein Rechtshilfeersuchen an die Britischen Jungferninseln gerichtet worden, um technische Daten von Telegram anzufordern, mit denen die Inhaber der für die Verstöße genutzten Konten identifiziert werden sollten. Da keine Antwort einging, kam das Gericht zu dem Schluss, dass es keine andere Möglichkeit gab: „Das mangelnde Entgegenkommen der Behörden der Britischen Jungferninseln, bei denen eine Kontaktaufnahme mit den Verantwortlichen des sozialen Netzwerks beantragt wurde, zwingt zur Ergreifung der von den Privatklägern beantragten vorsorglichen Maßnahmen“, hieß es im Beschlusstext.
Warum wurde die Sperrung von Telegram in Spanien angeordnet?
Auslöser war eine Klage wegen nicht genehmigter Nutzung urheberrechtlich geschützter audiovisueller Inhalte. Konkret ging es um Kanäle, die seit Langem Fußballspiele und Sendungen verbreiteten, gegen deren Betreiber die Fernsehsender ermitteln wollten. Der Richter forderte diese Informationen von Telegram an. Telegram antwortete nicht. Am Ende richtete sich der Beschluss gegen die gesamte App.
Die Unverhältnismäßigkeit war das Argument, das Juristen und Techniker am häufigsten nannten; sie nahmen die Nachricht mit Entsetzen auf. Die Maßnahme zielte auf bestimmte Kontoinhaber ab, traf aber 900 Millionen Nutzer weltweit, darunter mehr als 8,5 Millionen in Spanien. Manche verglichen dies damit, halb Spanien den Strom abzudrehen, weil Endesa eine Steuerprüfung droht. Andere erinnerten daran, dass das Sperren einer App die Kanäle nicht löscht: Sie ziehen lediglich um.
Drei Stunden Frist und die App blieb erreichbar
Die Anweisung gab den Netzbetreibern drei Stunden Zeit, die mit Telegram verbundenen Ressourcen zu blockieren. Nach Ablauf dieser Frist funktionierte die App weiterhin normal, was Erstaunen und Spott auslöste. Innerhalb weniger Stunden verbreiteten Gruppen, die illegale Fußballübertragungen teilten, Anleitungen zum Weiterkommens: Listen von Servern, Proxys und herunterladbare Versionen, die abseits der offiziellen App-Stores verfügbar waren.
Hier zeigte sich das technische Hindernis. Die Server von Telegram sind dezentralisiert und der Datenverkehr ist verschlüsselt, sodass es nicht so einfach ist, zu unterscheiden, welche Datenpakete zur App gehören, wie etwa eine Domain oder IP-Adresse zu blockieren. Hinzu kommt, dass es eine Web-Version des Dienstes gibt, die außerhalb von Google Play liegt und die Schließung des Stores umgeht. „Hintertürchen“ fasste die allgemeine Stimmung zusammen.
Reicht eine Telegram-Sperre aus, um Piraterie zu stoppen?
Nein, laut der Mehrheit der Analysen, die kursierten. Der Inhalt lebt nicht in der App, sondern in Kanälen, die innerhalb von Stunden zu anderen Diensten migrieren können. Das Sperren der App erhöht die technische Hürde und reduziert das Publikum der weniger erfahrenen Nutzer, lässt aber das Grundproblem – die Identifizierung der Verteiler – unberührt.
Einige argumentieren gegenteilig mit einem interessanten Nuance: Auch wenn erfahrene Nutzer weiterhin über VPNs und direkte Downloads zugreifen, schreckt die erhöhte Einstiegshürde die Masse der gelegentlichen Zuschauer ab, die dann zum traditionellen Kanal oder zu neuen Alternativen zurückkehren würden. Dies ist das einzige Argument mit messbarer Logik innerhalb einer Maßnahme, die auf den ersten Blick keine solche zu haben schien.
Parallel dazu läuft eine größere Debatte: Inwieweit haftet ein Technologieunternehmen für Aktivitäten, die über seine Infrastruktur ausgeführt werden? Diese Frage ist nicht neu, aber im Fall Telegram wurde sie akademisch relevant.
Die Sperre, die nie vollzogen wurde
Stunden später setzte Pedraz die Maßnahme aus, bis ein Bericht der Comisaría General de Información (Generalabteilung für Information der Polizei) vorliegt. Die Anwendung fiel zu keinem Zeitpunkt aus. Unter Beobachtern entstand die Lesart, dass der öffentliche Druck schwerer wog als jede technische Zweifel: Wenn niemand etwas gesagt hätte, wäre die Anweisung umgesetzt worden.
Manche erwähnen auch die Festnahme von Pavel Durov, dem russischen Milliardär, der Telegram 2013 gegründet hat. Ein Teil der Analyse geht davon aus, dass dies eher eine Bewegung der USA als Frankreichs war. Der Fall bleibt offen.
Die Sperre wurde ausgesetzt, die App fiel nie aus, und das Rechtshilfeersuchen an die Britischen Jungferninseln wartet immer noch auf eine Antwort.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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