Rekrut schießt auf Militärkommissar in Ust-Ilimsk

Ein 25-Jähriger verletzte den Leiter seiner Wehrmeldebehörde in Ust-Ilimsk schwer, als er zur Teilmobilisierung einberufen werden sollte.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Rekrut schießt auf Militärkommissar in Ust-Ilimsk
Schüsse auf Militärkommissar am Tag der Einberufung

Ruslan Zinin ist 25 Jahre alt und wohnt in Ust-Ilimsk. Er betrat die örtliche Wehrmeldebehörde mit einem Satz, den Zeugen nicht vergessen haben: „Jetzt gehen wir alle nach Hause.“ Die erste Kugel traf den Kommissar, der schwer verletzt wurde. Anschließend befahl er den anderen Rekruten zu fliehen und feuerte ein zweites Mal. Der Schütze wurde bereits festgenommen. Die Tat ereignete sich, während der Kommissar die Rekruten instruierte; laut Ermittlungsdaten sollte der Angreifer an diesem Tag eingezogen werden.

Die Teilmobilisierung ist längst kein Thema mehr nur für Amtsstuben: Sie hat die Kasernen erreicht – und teils auch dort Schüsse ausgelöst.

Was Ruslan Zinin zum Schießen trieb

Die Mutter des Festgenommenen, Marina Zinina, erklärte dem russischen Medium Astra, ihr Sohn habe keine Einberufung erhalten: „Ruslan bekam keine Vorladung, aber gestern erhielt sie sein bester Freund. Ruslan war darüber sehr aufgebracht, denn sein Freund hat keine Armee-Erfahrung. Man sprach von einer Teilmobilisierung, doch nun ziehen sie offenbar alle ein.“ Laut dieser Darstellung lag das Motiv nicht im eigenen Schicksal, sondern im seines Freundes.

Dieses Detail betonen einige Kommentatoren im Gegensatz zu einer bloßen persönlichen Abrechnung: Nach Aussage der Mutter geht es weder um eine Schuld noch um Rache, sondern um eine fremde Einberufung und das Gefühl, dass alle ohne Nachfrage eingezogen werden.

Angriffe auf Wehrmeldebehörden nehmen zu

Im September brannte die Wehrmeldebehörde im Lomonossowski-Rajon der Oblast Leningrad, ebenso eine weitere in Nischni Nowgorod. Am nächsten Tag wurden zwei weitere Standorte im Land angegriffen. In den Folgetagen kam es zu Attacken gegen mindestens fünf weitere Behörden.

Zu dieser Zahl kommen Vorfälle gegen Verwaltungsgebäude und die Zentrale der Regierungspartei Einiges Russland in Baschkortostan hinzu, die evakuiert werden musste.

Werden Menschen ohne Militärerfahrung einberufen?

Diese Frage durchzieht die gesamte Debatte, und die Antwort hängt davon ab, wen man fragt. Das Umfeld des Täters behauptet, die Vorladung habe einen jungen Mann ohne vorherigen Dienst erreicht. Dem widerspricht ein Kommentator: Es würden nur Reservisten mit Erfahrung einberufen, alles andere sei Übertreibung zur Destabilisierung.

Ein anderer sieht es anders: Wenn eine Armee auf unerfahrenes Personal oder Rentner zurückgreifen muss, liegt das Problem nicht im Narrativ, sondern im Kern. Er fügt hinzu, dass Russland über eine überdimensionierte Führungsstruktur im Verhältnis zur Truppe verfügt; daher erfordert die Aufstellung neuer Soldaten genau solche Einberufungen. Der Widerspruch bleibt ungelöst.

Auch kursieren unterschiedliche Zahlen. Ein Teilnehmer berichtet, die Nachrichten wiederholten die Zahl von 300.000 Eingezogenen, während andere Schätzungen direkt von einer Million sprechen. Keine der beiden Angaben ist belegt.

Ukraine und Russland rekrutieren: Die Asymmetrie der Erzählung

Der Vergleich drängt sich auf, und jemand stellte ihn schonungslos dar: Männern über 18 die Ausreise zu verwehren und sie an die Front zu schicken, gilt als richtig, wenn Kiew es tut, und als verwerflich, wenn Moskau es tut. Die gängigste Rechtfertigung lautet: Die Ukraine rekrutiert zur Verteidigung gegen einen Aggressor, Russland hingegen zur Aggression.

Dieser Unterschied trägt zwar, schließt die Diskussion aber nicht ab. Manche treiben die Argumentation weiter: Eine Gesellschaft, die nicht genug Freiwillige zur Verteidigung hervorbringt, verdient keinen Schutz, und Zwangsrekrutierung ist – unabhängig vom Ziel – ein Akt der Tyrannei. Nach dieser Logik ist der erste Feind des Rekruten sein eigener Staat, und der Kampf „für die Heimat“ macht den Befehl nicht gerecht.

Andere erinnern daran, dass Bilder zwangsweiser Rekrutierung auch aus der Ukraine bekannt sind – mit Kontrollen an Stränden, Hotels und Restaurants – und dass die Kriegseuphorie schnell abkühlt, wenn die Einberufung vor der Haustür steht.

Das Informationszeitalter und der Schlachthof

Die Globalisierung hat das Internet bis in entlegene Dörfer gebracht, was die Kalkulation ändert. Wenn Nachbarn ihre Gleichaltrigen in Särgen zurückkehren sehen, verliert Propaganda an Wirkung. „Keine Regierung kann uns im Informationszeitalter zum Schlachthof führen“, fasst eine der häufigsten Ideen der Debatte zusammen.

Im Hintergrund bleibt eine offene Frage: Wenn der Zweck die Mittel heiligt, fehlt es keinem Krieg an Soldaten und keiner Macht an Überzeugungskraft. Wenn nicht, dann ist derjenige, der die Vorladung überbringt, das erste Glied des Problems. Niemand hat diesen Kreislauf gelöst, und der junge Mann aus Ust-Ilimsk versuchte es auch nicht: Er schoss, befahl den anderen zu fliehen und wurde festgenommen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (144 Antworten).

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