Rekordregen im Mai: Spaniens Stauseen fallen um 20,9 Punkte

Trotz rekordhafter Niederschläge in Spanien liegen die Talsperrenfüllstände 20,9 Punkte unter dem Zehnjahresschnitt. Wasserkraft deckt 21 % des Strombedarfs.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Vier Wochen Starkregen und der Wasserstand in den Stauseen sinkt weiter

Der Mai 2023 ging laut AEMET (spanischer Wetterdienst) als niederschlagsreichster Monat in die Geschichte ein. DANA-Wetterlagen (abgeschnittene Tiefdruckgebiete) überschwemmten Murcia, Navarra und Gipuzkoa; ein einzelner Tag machte den Mai zum regenreichsten jemals gemessenen Monat in Castelló, während Almería an einem Tag die Menge von sechs Monaten aufnahm. Angesichts dieser Lage wäre ein Anstieg der Reservoir-Füllstände zu erwarten. Die Daten auf embalses.net zeigen das Gegenteil: Die Wasserspeicher fielen in genau diesen Wochen, und die Füllstände der Talsperren liegen 20,9 Punkte unter dem Durchschnitt der letzten Dekade.

Das Paradoxon – überquellender Himmel, sinkende Stauseen – mischt Meteorologie, Stromwirtschaft und viel Fantasie. Es ist seit Jahren ungelöst.

Ein Rekord-Mai, der die Stauseen nicht erreicht

Die Abfolge widerspricht jeder Logik: Es regnet in Strömen, Bäche schwellen an, Hochwasserwarnungen gelten für halb Spanien... und die Kurve des gespeicherten Wassers zeigt nach unten. Die AEMET bestätigte eine positive Anomalie bei den Niederschlägen statt das Bild zu korrigieren und wies darauf hin, dass sich der Trend für den Rest des Juni fortsetzt: mehr Wasser. Eine eintägige DANA reichte aus, um den Mai zum regenreichsten Monat in der Geschichte von Castelló zu machen.

Ein Detail erklärt einen Teil der Diskrepanz: Ein Großteil des Regenwassers wird vom Boden aufgenommen, bevor es Flüsse erreicht. Und im Frühling, wenn die Sonnenstunden zunehmen, verdunstet die Wasseroberfläche eines Stausees in einer Rate, die kein Regenguss kompensieren kann.

Warum sinkt der Wasserstand trotz heftiger Regenfälle?

Weil ein Stausee kein Eimer ist. Er ist eine Infrastruktur mit Verpflichtungen. Es muss ein ökologischer Mindestabfluss flussabwärts gewährleistet werden, Bewässerungsnutzungen müssen bedient werden und die Durchflüsse so gesteuert werden, dass keine Flutwelle alles zerstört. Ein schlammiger, kraftvoller Wildbach lässt sich nicht einfach speichern.

Hinzu kommen die Grundwasserleiter, die sich füllen, bevor sie Wasser in die Flüsse zurückgeben, sowie der Schnee in den Pyrenäen, der erst beim Schmelzen zu Oberflächenabfluss wird. In Gebirgsregionen hinterlässt das Ereignis eine verzögerte Wirkung: Der Pegel steigt, aber in Wochen oder Monaten, nicht in vier Tagen.

21 % des Stroms stammen aus Wasser

In Spanien werden 21 % des produzierten elektrischen Stroms durch Wasserkraft erzeugt. Diese Zahl, gelesen mitten in einer Regenwoche bei hohen Strompreisen, schürt Misstrauen. Die verbreitete Anschuldigung lautet direkt: Die Schleusen werden geöffnet, um Turbinen anzutreiben und Strom zu verkaufen, während das Wasser, das für den Verbrauch reserviert sein sollte, durch die Kanäle abfließt.

Dieses Geschäftsmodell ist nicht neu. Stromerzeugung aus Wasser hat minimale Produktionskosten und wird zum Marktpreis verkauft, der im Winter Höchststände erreichte. Manche erinnern an Entleerungen von Dezember-Stauseen bei explodierenden Strompreisen und nennen konkrete Kraftwerke, die Speicher ohne Rücksicht auf Bauern oder Bewässerungsgemeinschaften leeren. Zudem wird argumentiert, dass der Verkauf dieses Stroms zu Gaspreisen ein großes Geschäft war.

Parallel dazu empört ein grenzüberschreitendes Thema: Portugiesische Stauseen sind voll, weil angeblich aus Spanien das Dreifache der vertraglich vereinbarten Wassermenge nach Portugal abgegeben wurde.

Von geplanter Dürre bis zu Flugzeugstreifen

Hier spaltet sich die Analyse in schwieriges Terrain. Ein Teil vertritt die These, die Dürre sei ein aufgezwungener Rahmen: Man kündigt den trockensten Frühling der Geschichte an und meldet gleichzeitig einen Mai mit Rekordniederschlägen; der Meeresspiegel steigt, während Rekorde bei Blauen Flaggen (Auszeichnung für saubere Strände) gebrochen werden; Staudämme werden im Namen der Fluss-Renaturierung abgerissen, während andere zur Stromerzeugung geöffnet werden. Dieser Sektor schlussfolgert, es gebe einen vorbestimmten Plan und dass kein Regen ausreichen werde, da dies beabsichtigt sei.

Am anderen Extrem stehen die weißen Kondensstreifen von Flugzeugen, die angeblichem Estela zur Klimamanipulation zugeschrieben werden. Das Gegenargument basiert eher auf Physik als auf Glauben: Selbst wenn große Mengen Flüssigkeit über einer Stadt verteilt würden, könnte man damit keine atlantische Front stoppen, die hunderte Kilometer lang und breit ist und Milliarden Liter Wasser transportiert. Keine Aufzeichnungen stützen diese willkürliche Manipulation.

Wie viel Regen bräuchte es, um die Dürre zu beenden?

Ein großzügiger Mai entlastet, löst aber nichts. Atlantische Regionen leiden unter mehrjährigen Dürren und bräuchten Monate überdurchschnittlicher Niederschläge, nur um eine Erholung einzuleiten. Die Prognose deutet auf einen Juni hin, der in weiten Teilen nasser und kühler als normal sein wird, bei weiterhin instabiler Atmosphäre. Willkommen, aber unzureichend.

Mit dem Wasser bereits am Boden scheitert die Analyse an einer einfachen Frage: Sinken die Stauseen, weil der Boden trinkt, der Schnee wartet und die Sonne verdunstet lässt – oder weil jemand entscheidet, die Schleusen zu öffnen und zu verkaufen? Dass ein Land jeden Sommer erneut diskutiert, ob ihm Wasser fehlt, hilft nicht, die Debatte zu klären.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (242 Antworten).

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