Spanien schaltet Industrie ab, um Stromausfall zu vermeiden

Red Eléctrica stoppte die Großindustrie zwei Tage bei 146,67 €/MWh: Geringer Wind- und Solaranteil erzwangen Gas- und Kernkraft.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien schaltet Industrie ab, um Stromausfall zu vermeiden
Red Eléctrica stoppt Industrie zwei Tage bei 146,67 €

Wie einige Teilnehmer betonen, verfügt Spanien über mehr installierte Leistung als je zuvor und musste dennoch Fabriken abschalten, um das Land nicht im Dunkeln zu lassen. Am 12. Dezember 2024 teilte Red Eléctrica der Großindustrie zum zweiten Mal in Folge mit, dass ihre Tätigkeit aufgrund eines Angebotsmangels im Stromsystem eingestellt werden muss. Dies war der vierte Fall im Jahr. Der Strompreis schloss an diesem Tag bei 146,67 €/MWh, ein Plus von 5,6 % gegenüber dem Vortag, laut dem Iberischen Marktoperator für Energie.

Laut den zitierten Quellen war die Ursache «hohe Nachfrage und fehlende Erzeugung an diesem Donnerstag». Das Energiemix reichte genau dort nicht aus, wo es wehtat: Die Windenergie lieferte nur 8 % und die Solarenergie magere 7,7 %.

Was ist SRAD und warum wurde es aktiviert?

Der Mechanismus, der es ermöglichte, Fabriken vom Netz zu nehmen, um Haushalte nicht abzuschalten, ist das System für aktive Nachfragesteuerung (SRAD), ein Protokoll, das speziell entwickelt wurde, um einen Netzzusammenbruch zu verhindern. Es wird aktiviert, wenn hohe Nachfrage und geringe Erzeugung zusammentreffen, und erlaubt es, Großverbraucher abzuschalten, während die Versorgung für Haushalte und kleine Unternehmen aufrechterhalten bleibt.

Die Statistik zeigt das Ausmaß des Problems. Im Jahr 2023 wurde das Protokoll zweimal aktiviert, beide Male Anfang September. Im Jahr 2024 gab es bereits vier Aktivierungen, drei davon konzentriert im Herbst. Die offizielle Antwort lautet, dass sich das System «auf diese zeitweisen Spannungen vorbereitet» und die Versorgung sicherstellt.

Das Energiemix, das dem System keinen Spielraum ließ

Mit Wind bei 8 % und Solar bei 7,7 % wurde die Lücke durch die immer verfügbaren Technologien gefüllt: Gas-Kombikraftwerke erzeugten 37 % des verbrauchten Stroms und Kernkraft 18 %. Die Gaskraftwerke liefen am Limit.

Gab es wirklich noch Reserven? Nach einer Berechnung, die an diesem Nachmittag kursierte, operierte das System gegen 18:30 Uhr mit etwa 15–16 GW aus Kombikraftwerken und 9 GW aus Wasserkraft, obwohl das maximal steuerbare Volumen der Kombikraftwerke bei 17 GW liegt. Bei einem Jahr mit schwachen Regenfällen und steigender Nachfrage schrumpft der Puffer.

Notabschaltung oder gut bezahltes Stilllegen?

Hier trennen sich die offizielle Darstellung und die technische Analyse. Red Eléctrica beschreibt eine Situation der Spannung und des Angebotsmangels. Eine andere Lesart besagt, dass die Industrie stillstand, weil sie wollte: Es gibt einen Unterbrechungsdienst (Interrumpibilidad), den Großverbraucher nutzen können und der für ihre verfügbare Leistung vergütet wird, sodass es billiger ist, eine Fabrik stillzulegen, als ein weiteres Kraftwerk hochzufahren. Nach dieser These verdient die Industrie am Abschalten.

Beides kann gleichzeitig wahr sein. Dass das System unter Druck steht und dass es einen Markt gibt, der für Unterbrechungen zahlt, sind keine widersprüchlichen Aussagen. Was kaum Zweifel lässt, ist, dass der Stillstand Kosten verursacht – für die Fabrik und insgesamt – und dass jemand diese Kosten mit denen vergleicht, die thermische Kraftwerke im Betrieb verursachen. Das Ergebnis dieses Vergleichs ist jedoch unklar.

Kohle, Uran und die Abschaltung von Kernkraftwerken

Die Debatte wandte sich schnell der Abschaltung von Kraftwerken zu. Ein wiederkehrendes Argument vergleicht die Reserven: Das verfügbare Uran würde für etwa 11 Jahre unseres Kernkraftparks reichen, während Kohle für 500 Jahre ausreichen würde. Die implizite Schlussfolgerung ist, dass das Abschalten von thermischen und nuklearen Anlagen den Spielraum an schlechten Tagen reduziert.

Auf der anderen Seite, so ein Teilnehmer, wächst die nukleare Erzeugung weltweit seit zwei Jahrzehnten nicht, kleine modulare Reaktoren existieren noch nicht – der erste ist für 2030 geplant – und Spanien gehört tatsächlich zu den Ländern mit der höchsten nuklearen Produktion der Welt. Parallel dazu protestieren Anwohner und Politiker gegen die geplante Schließung des Kraftwerks Almaraz, wobei Tausende vom Rathaus bis zum Tor des Kraftwerks marschierten.

Mehr Einwohner, weniger Fabriken und mehr Steckdosen

Es gibt einen Datenpunkt, der laut einem Teilnehmer in dieser Diskussion verwirrt: Spanien hat rund 10 Millionen Einwohner mehr als in den 90er Jahren, aber der Stromverbrauch ist nicht proportional gestiegen, weil in der Zwischenzeit die Industrie geschlossen wurde. Weniger Fabriken, gleiche Anzahl an Haushalten, mehr Autos, die elektrisch werden sollen.

Und dahinter das Netz. Die Elektrizitätsbranche fordert seit Monaten bessere Bedingungen für Investitionen in die Infrastruktur: «Der Mangel an struktureller Kapazität des Netzes entwickelt sich zu einem Engpass für die Elektrifizierung und neue Chancen in Industrie und Dienstleistungen», warnen Branchenquellen.

Womit werden Elektroautos geladen?

Wenn das System Schwierigkeiten hat, den aktuellen Verbrauch zu decken, stellt sich die Frage von selbst. Eine skeptische Strömung behauptet, das eigentliche Ziel sei nicht die Elektrifizierung des Fahrzeugbestands, sondern die Verteuerung und Einschränkung privater Fahrzeuge, sodass nur Gutverdiener ein Auto behalten können. Diese These ist nicht überprüfbar, prägt aber die Skepsis eines großen Teils der Öffentlichkeit.

Eine andere Analyserichtlinie deutet auf das Gegenteil hin: Ohne mehr Netzkapazität und billigere Erzeugung bleibt die Elektrifizierung nur eine Schlagzeile. Der industrielle Stillstand im Dezember ist das beste Argument für beide Seiten.

Unterdessen internationale Vergleiche: Ein Teilnehmer betonte, dass in Deutschland der Spotpreis des Strommarkts in einem ähnlichen Episode auf über 900 €/MWh stieg, obwohl der Jahresdurchschnitt bei etwa 360 €/MWh liegt. Dass Spanien niedrigere Preise hält, bedeutet nicht, dass es genug Reserven hat.



Ein System, das vorgibt, die Versorgung sicherzustellen, und das zum vierten Mal im Jahr lieber die Industrie abschaltet, als einen Haushaltsstromausfall zu riskieren. Mit steigenden Preisen und erneuerbaren Energien, die im Dezember ihre besten Zeiten haben... Ist dies ein einmaliges Versagen an einem windstillen Nachmittag oder die erste Rechnung eines Modells, das mehr Elektrifizierung bei weniger Spielraum verspricht?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (299 Antworten).

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