Stromnetz blockiert 400-Millionen-Investment in Tres Cantos

Die Erweiterung von Laboratorios Normon in Tres Cantos (Spanien) liegt auf Eis: Es fehlt nicht an Stromerzeugung, sondern am Netzanschluss zum Industriegebiet.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Stromnetz blockiert 400-Millionen-Investment in Tres Cantos
Stromnetz blockiert 400 Millionen Euro in Tres Cantos

Ein Forum-Nutzer schildert den Fall einer Industriehalle in einem Gewerbegebiet bei Valencia, die mit Dieselgeneratoren läuft, weil das Stromunternehmen dort keine Kapazität hat und eine Leitung über sieben Kilometer nicht plant. Genau gegen diese Wand läuft nun Laboratorios Normon, der Hersteller von 20 % der Medikamente, die in spanischen Krankenhäusern verbraucht werden. Das Projekt zur Produktionsausweitung in Tres Cantos bei Madrid, eine Investition von 400 Millionen Euro], ist wegen der Überlastung der Energieinfrastruktur gescheitert. Die Diagnose wiederholt sich in jeder technischen Diskussion: Es fehlt nicht an Erzeugung, es fehlt am Netz.

Was geschah mit der Normon-Investition in Tres Cantos?

Der spanische Hersteller wollte in der Madrider Gemeinde wachsen, wo er bereits produziert, stieß aber auf ein physisches und administratives Hindernis: Die verfügbare Leistung im Umfeld reicht nicht aus. Tres Cantos ist eine praktisch aus dem Nichts und unter Zeitdruck entstandene Gemeinde; wer dort lebt, kennt die bis vor Kurzem häufigen Stromausfälle.

Es geht um mehr als nur ein Bauprojekt: Es betrifft die Krankenhausversorgung eines ganzen Landes. Scheitert die Erweiterung, bleibt die Medikamentenproduktion auf dem aktuellen Stand – samt der gesundheitlichen Autonomie. Ein 400-Millionen-Projekt scheitert nicht an Nachfrage oder Finanzierung, sondern am fehlenden Anschluss.

Nicht Strom fehlt, sondern Kabel zum Gewerbegebiet

Hier liegt das zentrale Missverständnis. In Spanien gibt es zu bestimmten Tageszeiten einen Überschuss an installierter Leistung, doch konkrete Fabriken können sich nicht anschließen. Der Grund: Umspannwerke in Gewerbegebieten haben eine feste Obergrenze für ihre Kunden. Wenn ein neuer Kunde mehr Leistung verlangt, wird ihm abgesagt – oder man rät ihm, die Hochspannungsleitung selbst zu finanzieren.

Das kann Jahre dauern. Währenddessen wartet das Projekt. Ausbaupläne scheitern zudem oft an lokalen Behörden, die neue Infrastruktur ablehnen, weil sie hässlich ist und im Wahlkampf schlecht verkauft werden kann. Man könnte vierzig Kernreaktoren bauen], doch ohne Leitungen, die den Strom zur Fabrik bringen, ändert sich nichts.

Schulen, Hallen und Gewerbegebiete ohne Kapazitätsreserve

Dieses Problem betrifft nicht nur die Großindustrie. Ein anderer Nutzer berichtet von zwei Schulen – eine im Stadtzentrum, eine am Rand –, denen das Versorgerunternehmen keine höhere Leistung genehmigte, was monatliche Strafzahlungen für Überschreitungen zur Folge hatte. Für die Innenstadt-Schule gab es keine Lösung; für die Vorstadt-Schule denselben Rat: Bauen Sie die Leitung selbst und schlucken Sie die Kosten.

Dieses Muster tritt überall dort auf, wo Aktivität so konzentriert ist, dass das System erschöpft ist. Alle Unternehmen an dieselben Orte zu ziehen, überlastet manche Zonen und leert andere, sagen Beobachter der gesättigten Gewerbegebiete. Halb Spanien hat verfügbaren Baugrund, doch eine Medikamentenfabrik kann offenbar nur in Tres Cantos stehen.

Was ist die Entenkurve und warum kompliziert sie den Solar-Mix?

Kalifornien kämpft seit Jahren mit einem Phänomen, das als „Entenkurve“ bezeichnet wird. Bei starkem Sonnenschein flutet die Photovoltaik-Produktion das System und drückt die Netto-Nachfrage; am Abend verschwindet diese Erzeugung, und alle Reservekraftwerke müssen sofort hochfahren. Je höher der Solaranteil im Mix, desto steiler wird der Buckel und desto schwieriger lässt er sich glätten.

Einige behaupten, es gebe heute keine effiziente Lösung, um diese Kurve zu bändigen. Was es gibt, sind Kosten: Erneuerbare Energien sind volatil, und das System braucht Reserven, Batterien oder Lastabwürfe bei Großverbrauchern. Wer glaubt, Wind- und Solarkraft einfach überdimensionieren zu können, ignoriert laut einem Teilnehmer, dass das deutsche Wind-Solar-Netz unter Umständen nur rund 1 %] liefert.

Atomkraft-Ausstieg, Norwegen und externe Abhängigkeit

Die Debatte wandte sich schnell der Kernenergie zu. Spanische Kraftwerke haben eine Lebensdauer von 80 Jahren, doch der offizielle Plan sieht die Stilllegung der Hälfte vor. Die Präsidentin des Energiekomitees des IIE hält dies für einen wirtschaftlichen Fehler, während neue Reaktorgenerationen in Europa, den USA und Asien vorankommen. In Almaraz demonstrierten am 18. Januar etwa 7.000 Menschen] gegen die Abschaltung des Extremadura-Kraftwerks.

Gegenargumente liefern ebenfalls Daten: Italien hat keine Atomkraft und besitzt dennoch eine starke Industrie, kauft aber Strom aus Drittländern. Das oft als Lösung zitierte Beispiel Norwegen ist irreführend: Es ist das siebtgrößte Land der Welt bei Wasserkraftkapazität, hat aber nur 5,5 Millionen Einwohner. Zudem wird daran erinnert, dass Gas und Öl importiert werden und die heutige US-Regierung mit Zöllen droht, wenn Europa nicht mehr kauft.

Trotz allem bleibt der entscheidende Punkt verwirrend: Die Leistung ist vorhanden, die Industrie will investieren, kann es aber nicht. Ein Land, das 400 Millionen Euro für Medikamente stoppt, nicht wegen Geldmangel, sondern wegen eines fehlenden Kabels.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (251 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver