Reisen nach Ägypten in der aktuellen Lage: Abenteuer oder Leichtsinn?
Eine vor Monaten gebuchte Reise, eine Nilkreuzfahrt von drei Nächten und vier Tagen in Kairo und eine Frage, die keine Ruhe lässt: Ist es sicher, während der Eskalation des Gaza-Konflikts nach Ägypten zu reisen? Das spanische Außenministerium (Ministerio de Asuntos Exteriores) rät von Reisen „ab, sofern sie nicht notwendig sind“ – eine Botschaft, die laut einem Reisenden auch für weite Teile Lateinamerikas, Asiens und Afrikas gilt. Die Agentur erstattet bei Stornierung kein Geld. Die Freundin des Protagonisten ist nervös. Er sieht „nichts, was dagegen spricht“. Die Debatte ist eröffnet.
Die Angst gilt nicht dem Angriff, sondern dem Festsitzen
Das am häufigsten genannte Argument ist nicht das Risiko eines Anschlags, sondern die Möglichkeit, im Land festzusitzen, falls sich die Lage verschlimmert. „Wenn die Situation eskaliert, könnt ihr dort feststecken und nicht zum geplanten Termin zurückkehren können“, fasst ein Teilnehmer zusammen. Die Erfahrung von jemandem, der den 11. September in Tunesien miterlebte, geht in dieselbe Richtung: „Die Tage, bis wir zurückkehrten, kamen mir ewig vor.“ Es ist nicht die Angst vor dem Tod, sondern die Angst davor, nicht mehr nach Hause zu können.
Die Präsenz von Polizei und Militär in den Touristenregionen ist ein weiterer genannter Faktor. Ein Reisender, der im August durch Ägypten reiste, beschreibt „viel Polizeischutz an Denkmälern oder auf der Reise nach Abu Simbel“, fügt aber eine Warnung hinzu: „Wenn es brenzlig wird, sind sie die Ersten, die das Weite suchen.“ Die Sicherheit der Tour hängt davon ab, dass der Betrieb aufrechterhalten wird.
Der Sinai: Die einzige Zone, die alle meiden
Es herrscht fast einstimmiger Konsens: den Sinai meiden. „Fahrt nicht auf den Sinai (St.-Katharinen-Kloster, Scharm El-Scheich, Taba)“, empfiehlt ein Teilnehmer. Ein anderer bestätigt: „Den Sinai meiden, aber das galt schon vor dem aktuellen Trubel.“ Die Nilregion und Kairo gelten als sicherer, wenn auch mit Vorbehalten: „In Kairo könnte es zu Protesten kommen, wenn die Situation weiter eskaliert.“
Die jüngste Erfahrung eines Rückkehrers ist beruhigend: „Ich bin gestern zurückgekommen. Es war ein absoluter Nicht-Ereignis-Alucinación.“ Ein anderer Reisender, der gerade vor Ort ist, bestätigt: „Ich bin in Ägypten, auf dem Nil, und es passiert gar nichts.“ Die Hotelbelegung ist jedoch gesunken: „Lüg nicht, früher war alles voll. Abu Simbel war bis zum Rand belegt“, spottet ein anderer.
Die Erfahrung von 2012: Feindseligkeit und Misstrauen
Nicht jeder erinnert sich positiv an Ägypten. Ein Reisender, der 2012 nach dem Sturz von Mubarak dort war, beschreibt eine ganz andere Erfahrung: „Ich habe in meinem Leben keine größere Feindseligkeit erlebt; sie drängelten sich in Schlangen vor, und wenn man nach dem Weg fragte, schickte man einen in die falsche Richtung.“ Sein Fazit ist eindeutig: „Die Verachtung war spürbar.“ Ein anderes Zeugnis einer neueren Reise geht in dieselbe Richtung: „Die Leute, entweder mit hasserfülltem Blick oder darauf aus, dir das Geld aus der Tasche zu ziehen.“
Demgegenüber verteidigen andere das Gegenteil: „Ich habe gelesen, dass die Ägypter sehr lustig sind und einen guten Humor haben. Man nennt sie die Witziger der arabischen Welt wegen ihres Charmes.“ Die Realität hängt, wie fast immer, von der persönlichen Erfahrung ab.
Die wirtschaftliche Kalkulation: Stornieren ist teuer
Die Agentur erstattet bei einer Stornierung durch den Reisenden kein Geld. Dies ist der entscheidender Faktor bei der Entscheidung. „Es ist eine Schweinerei, dass die Agenturen das Geld nicht zurückgeben; ich denke, in diesem Fall wäre es gerechtfertigt (und einzufordern), dass sie es tun“, argumentiert ein Teilnehmer. Die Alternative ist, den Verlust hinzunehmen oder mit Unsicherheit zu reisen.
Die Reise beinhaltet eine Nilkreuzfahrt der Kategorie A und ein Hotel in Kairo in der Economy-Klasse. „Diese Reisen werden in Kategorien von A bis D organisiert; je nachdem, was man zahlt, bekommt man eine Kreuzfahrt vom Typ A und ein Hotel in Ägypten vom Typ A“, erklärt der Reisende selbst. Die Qualität des Pakets steht nicht in Frage; die Sicherheit schon.
Der Vergleich, den niemand hören will
„Es kann dir in Madrid oder Paris Schlimmeres passieren, also reise und genieße“, fasst ein Teilnehmer zusammen. Dies ist das am häufigsten genannte Argument der Befürworter des Reisens: Risiko gibt es überall. Ein anderer treibt es auf die Spitze: „Lieber im Urlaub sterben als bei einem Autounfall auf dem Weg zur Arbeit.“
Auch der Vergleich mit anderen Zielen wird gezogen: „Ägypten ist eines der stärksten und wichtigsten Touristenziele der Welt, und die Zahl der ausgeraubten oder angegriffenen Touristen ist niedriger als in Barcelona.“ Dieser Wert lässt sich aus der Debatte nicht verifizieren, aber die Wahrnehmung, dass das Risiko in Touristengebieten gering ist, wiederholt sich.
Die endgültige Entscheidung hängt davon ab, wie schwer das Gewicht der Angst vor dem Unkontrollierbaren wiegt. Die Reise steht kurz bevor, die Agentur erstattet kein Geld, und die Freundin ist nicht gerade überzeugt. Die ehrlichste Vorhersage kommt von jemandem, der bereits dort ist: „es passiert gar nichts.“ Bis es eben doch passiert.
Dieser Artikel basiert auf Zeugnissen und Meinungen aus einer öffentlichen Debatte. Er stellt keine Reiseempfehlung dar. Konsultieren Sie immer offizielle Quellen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (101 Antworten).