Ägyptens Elysium: eine Betonhauptstadt ohne Menschen
Am Stadtrand von Kairo, mitten in der Wüste, errichtet eine neue Verwaltungshauptstadt Ministerien, Alleen und markante Gebäude, während die alte Stadt, in den Worten des Vorschlags, der die Debatte eröffnete, ein Ort bleibt, der „schmutzig, laut, voller Autos und hässlicher Häuser“ ist. Die Frage, die seit dem ersten Tag über dem Projekt schwebt, ist nicht architektonisch, sondern finanziell: Woher kommt das Geld? Und die zweite, unangenehmere: Für wen wird gebaut?
Das Thema wurde als Anklage gegen städtische Ungleichheit dargestellt: eine Art Elysium für hohe Beamte, Regierung und Unternehmer, während Kairo zur Müllhalde wird, in der der Rest lebt. Auf dieser Grundlage driftete die Diskussion in weniger offensichtliche Bereiche ab: die tatsächliche Finanzierung des Projekts, seine Wasserrentabilität mitten in der Wüste, der Vergleich mit Brasília und die Rolle einer Armee, die das Land seit Jahrzehnten verwaltet.
Wer bezahlt Ägyptens neue Verwaltungshauptstadt?
Die kurze Antwort ist, dass es keine kurze Antwort gibt. Das verfügbare Material deutet darauf hin, dass ein Teil der Finanzierung aus dem Ausland kommt: Die Europäische Union wird erwähnt, Deutschland über die staatliche Kreditbank für Wiederaufbau sowie die Vereinigten Staaten und Russland über die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Das Argument für diese Mittel ist geopolitisch: Ägypten fungiert als Grenze gegen Fundamentalismus und Flüchtlinge, und die westlichen Partner haben ein Interesse daran, dass es nicht fällt.
Dagegen wird argumentiert, dass das Geld einfach nicht existiert. Es wird auf eine Militärdiktatur, starke Währungsabwertungen und ein merkwürdiges Phänomen hingewiesen: Menschen kaufen Häuser, um sich vor der Abwertung zu schützen, Häuser, die leer bleiben, weil sie keine Steuern zahlen, wenn sie nicht bewohnt werden. Das Ergebnis wäre ein überdimensionierter Immobilienbestand in Kairo und ein rückläufiger Tourismus – es wird behauptet, dass kaum jemand die Pyramiden erreicht, zwischen Anschlägen und geringem Alkoholverkauf –, was dem Projekt das Bein entzieht, das es stützen sollte.
Das Wasserproblem in einer in der Wüste gebauten Stadt
Hier ist der Konsens breit. Wasser in eine neue Stadt mitten in der Wüste zu bringen, ist nicht nur eine Frage des Wohnens: Gärten müssen bewässert, Alleen instand gehalten und ein städtisches Gefüge erhalten werden, das grün aussehen will. Außerhalb des Niltals ist fast alles Sand. Es werden Wasserumleitungen und große Aquädukte als Lösung erwähnt, und es wird daran erinnert, dass Entsalzungsanlagen Energiekosten haben, die nicht immer offen angesprochen werden.
Der Vergleich mit Brasília taucht mehrmals auf und fällt nicht zugunsten des ägyptischen Projekts aus. Die brasilianische Hauptstadt hatte zumindest ein strategisches Interesse: die Besiedlung des Landesinneren. Die neue ägyptische Hauptstadt, so wird argumentiert, verschiebt das Gravitationszentrum von nichts; sie verlegt lediglich Büros und Eliten einige Kilometer nach Osten. Wer in Brasília gelebt hat, weiß, dass es für das Auto konzipiert ist, mit enormen Entfernungen und markanten Gebäuden von renommierten Architekten, die das Alltagsleben nicht lösen.
Eine Luxuserweiterung mit britischen Schulen und Golfplätzen
Das Profil des Zielbewohners ist nicht gerade Arbeiterschicht. Auf Satellitenbildern von New Cairo – das nicht dasselbe ist wie die Cairo Capital, obwohl beide absichtlich verwechselt werden – sind bereits britische und internationale Schulen und Golfplätze zu sehen. Die Kritik ist direkt: Wenn sich die Stadt an die gebildetsten Menschen des Landes richtet, warum sollte man sie dann nicht mit rationalen Kriterien urbanisieren, wie eine Stadterweiterung, anstatt die Fehler der Schlafstädte zu wiederholen?
Manche argumentieren, die neue Stadt sollte das Modell der Barcelona-Erweiterung (Eixample) kopieren: regelmäßige Blöcke, gemischte Nutzung, menschlicher Maßstab. Und manche antworten, dass dies eine technische Vision auf ein Land anwendet, in dem laut einem Teilnehmer 80 % der Bevölkerung arm sind und ein bedeutender Teil nicht lesen kann. Das soziologische Argument, unverblümt formuliert, ist, dass man nicht für einen Durchschnittsbürger planen kann, den es nicht gibt.
Kairo: wunderschöne Geschichte, katastrophale Verwaltung
Die Beschreibung der alten Stadt im Material ist nicht freundlich. Eine Müllhalde außer in den Touristengebieten, Verkehr ohne Ampeln, Schmutz auf den Straßen, Baustellen ohne Sicherheitsmaßnahmen, Arbeiter um zwei Uhr morgens bei 45 Grad. Gleichzeitig wird anerkannt, dass Kairo voller Geschichte und wunderschöner, verfallener Gebäude ist und dass manche es genau für dieses Chaos lieben. Um ein Leben lang dort zu wohnen, sagen sie, ist es die Hölle.
Der Hintergrund ist ein Land mit hundert Millionen Einwohnern, die auf einer nutzbaren Fläche zusammengedrängt sind, die mit der einer spanischen Region vergleichbar ist, regiert mit eiserner Faust von einer Armee, die aus Washington subventioniert wird, um das Unvermeidliche um einige Jahre zu verschieben. Das ist der Rahmen, in dem entschieden wird, eine neue Hauptstadt zu bauen, anstatt die bestehende zu reparieren.
Der Traum vom Großägypten, den niemand bauen wird
Der ehrgeizigste Teil des Themas ist territorial. Es wird über ein Ägypten spekuliert, das Sudan und die Kyrenaika zurückgewinnen würde, mit einer Bevölkerung von 150 Millionen, einem starken Städtenetz, dem Nildelta als Motor und einer Küste am Roten Meer mit Buchten und Naturhäfen, die als außergewöhnlich beschrieben werden. Dort wäre tatsächlich Platz für Hochgeschwindigkeitszüge, Textilindustrie, Schuhe, Glaswaren, Ziegel und Lebensmittel sowie für die Solarenergieerzeugung eines enormen Anteils des weltweiten Stroms.
Es ist eine Träumerei, und sie wird als solche präsentiert. Aber sie hinterlässt einen unangenehmen Kontrast: Während von Imperien fantasiert wird, ist die Realität eine halb bewohnte neue Stadt mit Schildern, auf denen nur „New Capital“ steht, und eine alte Hauptstadt, die genauso schmutzig bleibt. Die Kluft zwischen dem Render und dem Asphalt ist vielleicht das eigentliche Thema.
Das Projekt schreitet voran. Die Frage, wer es bezahlt, ist weiterhin nicht endgültig beantwortet, und die Frage, wer es bewohnen wird, hat eine unangenehme Antwort: vorerst fast niemand.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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