PSOE-Stimmenkauf-Hoax tarnt sich als Troll-Account

Ein Parodie-Account imitiert die Sprache sozialistischer Parteimitglieder, um sich über den Stimmenkauf lustig zu machen. Der Hoax verbreitet sich, weil der Kern glaubwürdig klingt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

PSOE-Stimmenkauf-Hoax tarnt sich als Troll-Account
Der Stimmenkauf-Hoax, der sich als Troll-Account tarnt

Was, wenn der Stimmenkauf-Skandal, der in sozialen Medien kursiert, in Wirklichkeit eine Parodie wäre? Genau das behauptet ein Teil der Nachrichten, die das Profil einer angeblichen Kita-Erzieherin analysieren. Die Frau gibt sich als Mitglied der spanischen Sozialisten (PSOE) aus und bittet ihre "Genoss:innen" scherzhaft, bis auf Weiteres keine Stimmen mehr zu kaufen. Der Text, der in sozialen Medien geteilt wird, vermischt die Ästhetik klassischer Parteiarbeit mit der Sprache einer Bedienungsanleitung. Der Account ist laut mehreren Nachrichten ein Fake. Doch der Aufruhr dient einem Zweck: zu prüfen, wie tief sich die Stimmenkauf-Erzählung bereits in die öffentliche Debatte eingebrannt hat.

Der Witz funktioniert, weil der Inhalt nicht nach Witz klingt. Der dem Account @Rosario zugeschriebene Tweet bittet "Bitte" darum, dass niemand mehr versucht, eine Stimme zu kaufen, weil "der mediale Lärm uns sehr schadet". Der Satz, mit seinem Hauch von Genossen-Bürokratie, ist glaubwürdig genug, dass einige Nachrichten bezweifeln, ob er echt ist. "Mit dieser Bande könnte es durchaus echt sein", fasst ein Kommentar zusammen. Der Account verrät sich jedoch durch ein Detail in seiner Biografie: "Vizemeister 1939", eine ironische Anspielung auf den Ausgang des spanischen Bürgerkriegs.

Das Profil, das sich über klassische Parteiarbeit lustig macht

Das Profil des Accounts, in mehreren Nachrichten beschrieben, häuft alle Klischees linker Aktivistinnen: "Kita-Erzieherin. Feministin. Arbeiterin. Aktivistin. Partisanin. BLM." Die Häufung ist so übertrieben, dass sie zur Karikatur wird. Troll-Nein zu Kürzungen, fügt die Biografie hinzu, ein Augenzwinkern, das Aktivismus mit dem Troll-Etikett verbindet. Das Ganze ist darauf ausgelegt, diejenigen zum Lachen zu bringen, die die Diagnose teilen, und diejenigen zu empören, die es ernst nehmen.

Die Strategie ist nicht neu. Politische Parodie-Accounts betreiben seit Jahren ein einfaches Verfahren: Sie imitieren den Tonfall des Gegners, bis das Original lächerlich wird. Was sich ändert, ist die Geschwindigkeit der Verbreitung. Ein Tweet mit dem richtigen Ton kann in Stunden das politische Spektrum durchqueren, und wenn er am anderen Ende ankommt, hat er sein Witz-Etikett verloren.

Vom Stimmenkauf zum Podemos-CAPTCHA

Derselbe Account, so eine weitere Nachricht, veröffentlichte einen zweiten Scherz: Als sie sich als Mitglied bei Podemos (einer spanischen Linkspartei) registrierte, verlangte das System ein CAPTCHA mit Fotos von Frauen. Der Witz funktioniert durch die Häufung von Klischees und den Kontrast zwischen der Formalität des Vorgangs und dem absurden Inhalt. Der Account will niemanden überzeugen: Er will geteilt werden.

Das Problem ist, dass die Nachrichtenkette zwei unvereinbare Reaktionen zeigt. Die einen feiern den Witz als politische Satire, die anderen verbreiten ihn als Beweis einer Realität, die ihnen passt. "Es ist ein Fake, aber nach allem, was man sieht, könnte es durchaus echt sein", fasst eine Nachricht zusammen. Der Satz verdichtet den Mechanismus: Die Parodie wird zur Munition, weil der Boden bereits bereitet war.

Der Hoax, der nicht wahr sein muss

Im Kontext der Wahlen und der gegenseitigen Vorwürfe rund um die Briefwahl ist Stimmenkauf ein wiederkehrendes Thema. Der Troll-Account liefert keinerlei überprüfbare Daten zu dieser Praxis. Er imitiert lediglich die Sprache derjenigen, die sie organisieren würden. Und darin liegt seine Wirkung: Es muss nichts bewiesen werden, es genügt, wenn der Leser den Tonfall erkennt.

Die Konversation driftete bald in den allgemeinen Verdacht ab. "Die Grenze zwischen Realität und Fiktion wird immer enger", merkt eine Nachricht an. Die Grenze zwischen dem, was man weiß, und dem, was man ahnt, verschwimmt, und der Scherz fungiert am Ende als Bestätigung eines bestehenden Vorurteils. Der Fake erzeugt den Verdacht nicht: Er findet ihn.

Wer steckt hinter den Parodie-Accounts

Die Frage nach den Urhebern zieht sich durch mehrere Nachrichten. "Das sind Spaß-Accounts, aber wer steckt dahinter?", fragt einer. Die Antwort liegt nicht im Material. Was jedoch auftaucht, ist die Feststellung, dass es mehrere koordinierte Accounts gibt, die sich gegenseitig zitieren und ein Ökosystem des Scherzes aufbauen. Das Ergebnis ist ein Labyrinth aus Querverweisen, in dem der Gelegenheitsleser die Parodie nicht mehr vom Original unterscheiden kann.

Der Scherz hat jedoch einen Preis. Wenn Parodie mit Realität verwechselt wird, leidet die öffentliche Debatte. Und nicht nur für diejenigen, die sie ungeprüft verbreiten. Auch für diejenigen, die sie feiern: Die Kritik verliert ihre Schärfe, wenn sie mit dem Hoax verwechselt wird, den sie angeblich bekämpft.

Am Ende erreicht der Troll-Account, was er wollte: dass über ihn gesprochen wird. Und manche glauben weiterhin, dass die PSOE Stimmen kauft, mit Anleitungen nach Bezirken. Die Realität muss manchmal nicht wahr sein, um sich zu verbreiten.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (51 Antworten).

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