Das Sol-Camp geht zwischen Kälte, Schmutz und Wahltaktik zu Ende
Kurz vor Ablauf von drei Wochen spricht das Wohnungs-Protestcamp an der Puerta del Sol in Madrid bereits vom „Abbau“. Im Protokoll der Versammlung vom Dienstag, dem 14. Oktober 2026, wird erstmals die Absicht festgehalten, „darüber nachzudenken, wie wir gehen wollen“, und für Donnerstag, den 15., ist ein eigenes Treffen angesetzt, um das Ende des Lagers zu definieren. Die Miniaturstadt, die am 26. September nach der Räumung einer 87-jährigen Frau in Retiro — sie starb fünfzehn Tage später — entstanden war, sieht sich nun mit ihrer eigenen Tragfähigkeit konfrontiert: Kälte, Unhygiene und die Erschöpfung der Campierenden selbst wiegen schwerer als jede Parole.
Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Der Text räumt ein, dass „nach einigen Wochen der Verfall spürbar ist, weil das Campen anstrengend ist“, und warnt: Sollte am Donnerstag beschlossen werden zu bleiben, müsse das „tragfähig geschehen, nicht einfach aus Campensbleiben, ohne Neu bewertung dessen, was schiefgelaufen ist“. Übersetzt: Das Camp ist für diejenigen, die es am Leben halten, zu einem logistischen Problem geworden.
Der Kalender, der zum Abbau drängt
Der erste Faktor ist das Wetter. Am Wochenende, das für das Ende vorgesehen ist, werden Regen und nächtliche Temperaturen von vier Grad erwartet. Das ist keine Kneipenprognose, sondern das Argument, das einen Großteil der öffentlichen Debatte über das Camp prägt. Fast alle sind sich einig: Die Kälte wird erreichen, was drei Wochen institutioneller Verhandlung nicht geschafft haben.
Der zweite Faktor ist die Hygiene. Die Comunidad de Madrid hat dem Regierungsdelegierten Francisco Martín einen Brief geschickt, in dem sie warnt, das Camp „stelle ein Risiko für die Sicherheit der Metro-Fahrgäste dar“ und eine dringende Evakuierung gefährden könnte. Das Rathaus ging noch weiter und beklagte die „Ansammlung von Urin“ in den Belüftungsschächten der Station Sol — bis hin zur Ankündigung einer Schließung „aus hygienischen Gründen“. Der TSJM (das Oberste Gericht der Region Madrid) lehnte die einstweiligen Verfügungen der Regionalregierung von Isabel Díaz Ayuso ab, weil die Untätigkeit der Regierungsdelegation nicht belegt werden konnte, doch der Fruta ist bereits angerichtet.
Wer hat hier das Sagen? Das Machtkampf-Duell, das niemand gewinnt
Das Camp ist keine Protestaktion mehr, sondern ein Schlachtfeld zwischen Verwaltungen. Regionalregierung und Rathaus fordern die Räumung; die Regierungsdelegation führt sie nicht durch; der TSJM sagt ihnen, sie sollten drei Monate warten, um Untätigkeit anzufechten. Währenddessen organisieren die Campierenden Kommissionen, Knotenpunkte und Stadtviertel, und die Inter-Nachbarschaftsversammlung der Plaza del Carmen entwirft bereits einen „Abbau“, der den Kampf „in die Viertel“ tragen soll.
Die unbequeme Frage, die in der Luft liegt: Wem nützt es, wenn das Camp bestehen bleibt? Manche behaupten, die PSOE brauchte das Thema Wohnungsbau als Wahlkampffahne, und die jüngsten Skandale — der Fall, der die sozialistische Sprecherin belastet, und die Räumung, die Minister Óscar López anordnete — hätten das Camp zum Minus gemacht. Andere lesen es umgekehrt: Der Rückzug sei darauf zurückzuführen, dass das Camp inzwischen mehr Stimmen kostet, als es bringt.
Die 15M-Erzählung zieht nicht mehr
Der Vergleich mit 2015 ist unvermeidlich und, mehreren Stimmen zufolge, vernichtend. Das heutige Camp hat nicht die offene Anordnung des 15M: Die Zelte stehen wie eine Mauer, und die Planen verbergen, dass ein großer Teil des Geländes tagsüber leer ist. Die Mieterinnengewerkschaft, Motor der Mobilisierung, schlug schon vor einer Woche vor, den Protest in die Viertel zu verlagern. Die Kulturkommission erwägt, die „kleinen Kunstwerke“ zu dokumentieren, damit sie in Erinnerung bleiben. Das heißt: Der Abbau wird mit vorweggenommener Nostalgie vorbereitet.
Bleibt die Frage der Obdachlosen, die sich dem Camp angeschlossen haben. Die Versammlung fordert, „niemanden zurückzulassen, insbesondere die gefährdetsten Menschen“. Es ist der einzige Punkt, an dem die Rhetorik nicht nach Ausstiegsmanagement klingt.
Am Donnerstag, dem 15., wird sich zeigen, ob das Sol-Camp abgebaut wird oder bleibt. Mit der Transhumanz-Demonstration am 25. Oktober vor der Tür — das Rathaus arbeitet bereits an einem alternativen Routenplan für den Fall, dass die Zelte noch stehen — hat das Camp ein Verfallsdatum, auch wenn es niemand unterschreibt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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