Playmobil streicht 17 % der Stellen und halbiert den Gewinn

Playmobil kündigt bis 2025 700 Entlassungen an, was 17 % der Belegschaft entspricht, während sich der Überschuss von 35 Millionen Euro halbiert.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Playmobil streicht 17 % der Stellen und halbiert den Gewinn
Playmobil entlässt 700 Mitarbeiter zum 50. Jubiläum

Kunststoff allein reicht nicht mehr aus, um Playmobil zu tragen. Und das liegt nicht nur daran, dass Kinder Tablets bevorzugen. Am 1. Oktober eröffnete in Speyer im Westen Deutschlands die Ausstellung „We Love Playmobil. 50 Jahre Spielgeschichte(n)“, mit der die Marke ihr halbes Jahrhundert feiert. Fast zeitgleich kündigte die Horst Brandstätter Group an, sich von 700 Mitarbeitern bis 2025 zu trennen, darunter 370 in Deutschland. Das entspricht 17 % einer Belegschaft von 4.100 Personen. Die Feier und der Sparmaßnahmen werden vom selben Unternehmen vollzogen.

Die Figuren wurden 1973 von Hans Beck, dem „Vater von Playmobil“, entworfen und sind in Spanien als 'clicks' bekannt geworden. Ganze Generationen erinnern sich an sie in der Hand, obwohl das Geschäft dahinter seit Längerem Schwierigkeiten signalisiert. Die Ankündigung der Entlassungen wurde sogar zuerst über die Medien bekannt, bevor sie die Belegschaft erreichte.

Ein Überschuss von 35 Millionen Euro, der sich halbiert hat

Das Unternehmen begründete den Stellenabbau mit der üblichen Formel: „eine umfassende Überprüfung aller Geschäftsbereiche unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Entwicklung und der aktuellen Herausforderungen“. In Zahlen übersetzt bleibt der Gewinn hinter den Erwartungen zurück. Der Überschuss von 35 Millionen Euro, den das Unternehmen für 2021 auswies, hat sich halbiert.

Steigende Kosten allgemein sowie höhere Preise für Rohstoffe zur Herstellung der Kunststofffiguren und für Werbung gelten als Schuldige für die schwierige Lage. Dahinter verbirgt sich etwas Unbequemeres: umstrittene strategische Entscheidungen. Die deutsche Wirtschaftspresse bezeichnete die jüngsten Maßnahmen als einen „radikalen Entlassungsschritt“, und die Tageszeitung 'Berliner Morgenpost' weist darauf hin, dass Kinder immer häufiger elektronische Geräte nutzen.

Rücktritt des CEOs und ein als schwierig beschriebenes Arbeitsklima

Diesen Sommer trat der CEO der Gruppe, Steffen Höpfner, zurück. Er stand seit sieben Jahren an der Spitze, nachdem er 2015 nach dem Tod von Horst Brandstätter, dem Patriarchen des Unternehmens, das Amt übernommen hatte. Sein Abgang wurde offiziell als „persönliche Entscheidung“ dargestellt.

Die Angelegenheit geht über einen leeren Stuhl hinaus. Laut Informationen, die von der 'Süddeutsche Zeitung' gesammelt wurden, sprechen Arbeitnehmervertreter seit Jahren von Mobbingpraktiken, Konflikten und Machtintrigen. Das Magazin 'Capital' behauptet, das Arbeitsklima werde „im besten Fall als schwierig“ empfunden. Die Gruppe stützt sich auf eine Holding und zwei Stiftungen, zwischen denen es laut 'Frankfurter Allgemeine Zeitung' „Reibungen“ gibt. Im 'Manager Magazin' wird eine Suche nach einem neuen Vorstand beschrieben, um „bei Null neu anzufangen“. Dieser Neustart umfasst auch die Zurückstellung der Entwicklung neuer Formen für die Figurenherstellung: 74 Personen müssen gehen.

Famobil, Airgamboys und der Kampf um das spanische Spielzeug

In Spanien hießen diese Figuren vor den clicks famobil und wurden von Famosa hergestellt, demselben Hersteller von Nancy oder Barriguitas. Sie wurden in Einzel-, Themen- oder Schlossboxen verkauft, oft mit Burgen, Festungen und Piratenschiffen mit sieben oder acht Figuren. 1983 kaufte Playmobil die spanische Fabrik, und die famobil verschwanden aus Spanien und Portugal.

Die nationale Konkurrenz hatte eigene Namen: die Airgamboys, eine katalanische Kopie, einen Zentimeter größer und billiger, deren römische Boxen legendär wurden. Madelman und Geyperman spielten in einer anderen Liga: größere bewegliche Puppen, Nachbildungen der GI Joe. Manche behaupten, die Airgamboys seien besser gewesen und die Deutschen hätten sich durch finanzielle Stärke, nicht durch Qualität durchgesetzt.

Warum bevorzugt ein Kind heute die Konsole statt des click?

Weil die Figur nicht mehr nur gegen andere Figuren konkurriert. Sie konkurriert mit Videospielen, Tablets und Konsolen. Die Weiterentwicklung des Katalogs – mehr Themen und Charakterisierungen – konnte diesen Trend nicht umkehren. Es gibt Berichte über Geschenke, die keine fünfzehn Minuten offen bleiben, bevor sie in die Schachtel zurückkehren.

Es gibt auch ein Produktproblem. Manche beschreiben die Qualität des heutigen Kunststoffs als deutlich schlechter als in den Achtzigern, mit Armen, die dem Spiel nicht standhalten, während man sagt, dass die dänische Konkurrenz ihre Qualität beibehält. Bei den Bauklötzen weisen manche darauf hin, dass das alte System einem Kind ermöglichte, ein ganzes Gebäude zu errichten; das aktuelle erfordert Hunderte von Verbindungen und manchmal sogar Spezialwerkzeug.

Der neue Kunde: der Erwachsene, der kauft, was er nie hatte

Während das junge Publikum zu den Bildschirmen abwandert, beobachten manche, dass Spielzeughersteller einen anderen Käufer gefunden haben: den Erwachsenen, der sich im Alter das gönnt, was ihm als Kind fehlte, und der Sammlungen, Dioramen und monumentale Ausstellungen mit jahrelanger Arbeit dahinter pflegt. Es ist ein reales Geschäft, aber ein Nischenmarkt.

Playmobil, mit 700 Abgängen vor sich und einer Führungsebene, die neu aufgebaut werden muss, setzt darauf, dass dieser erwachsene Kunde und der Weihnachtsumsatz die Stellung halten, während das Unternehmen eine neue Wachstumsbasis sucht. Es könnte gut gehen. Oder es ist einfach Zeitgewinn.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (276 Antworten).

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