Falschmeldung über Migrantenboote und Hexerei schürt Hass

Ein Video mit CapCut-AI-Wasserzeichen behauptet, Migranten würden Frauen auf Booten wegen Hexerei töten. Manche bringen es mit Stammesglauben in Verbindung, andere bestreiten das.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Falschmeldung über Migrantenboote und Hexerei schürt Hass
Kanarische Inseln: Die Falschmeldung über Migrantenboote, die die Anti-Einwanderungs-Rhetorik befeuert

Stimmt es, dass subsaharische Migranten die Frauen, die mit ihnen auf den Booten reisen, töten, weil sie sie für Hexen halten? Ein virales Video, das laut einem Nutzer Wasserzeichen von KI-Bearbeitungstools enthält, hat eine Debatte erneut aufgebracht, die Aberglaube, Rassismus und Desinformation vermischt. Der Clip, der in sozialen Medien kursiert, zeigt angebliche Migranten, die Verbrechen mit Hexerei begründen – eine Erzählung, die ein Teilnehmer aus seinen Lektüren zur afrikanischen Anthropologie als Teil tief verwurzelter Glaubensvorstellungen in manchen Stammesgesellschaften wiedererkennt, die aber keinesfalls dazu berechtigt, eine ganze Gruppe zu kriminalisieren.

Die Falschmeldung, die sich wie ein Lauffeuer verbreitet

Das Video, das laut einem Nutzer Wasserzeichen von KI-Bearbeitungstools enthält, wurde in sozialen Medien geteilt. Darin behaupten mehrere Männer subsaharischer Herkunft, dass Frauen auf den Schlauchbooten getötet würden, weil sie Hexen seien. Die Aufnahme wurde von keinem unabhängigen Medium überprüft und weist technische Inkonsistenzen auf, die nach Ansicht dieses Nutzers auf eine Manipulation hindeuten. Dennoch hat sie eine Erzählung befeuert, die in bestimmten Kreisen seit Jahren verankert ist: dass irreguläre Einwanderung eine direkte Bedrohung für westliche Sicherheit und westliche Werte darstelle.

Was die Anthropologie über Hexerei in Afrika sagt

Jenseits der Falschmeldung führt ein Teilnehmer an, dass in einigen Regionen Subsahara-Afrikas der Glaube an Hexerei tief verwurzelt ist und in Gewalt münden kann. Die anthropologische Literatur dokumentiert Fälle von Anschuldigungen, die in Lynchmorden oder Vertreibungen enden. Diese Praktiken jedoch allen Migranten zuzuschreiben, die auf die Kanarischen Inseln kommen, ist eine Verallgemeinerung, die so grob wie gefährlich ist. Die meisten Menschen, die den Atlantik überqueren, fliehen vor Konflikten, Armut oder Verfolgung – nicht vor einem angeblichen Hexensabbat an Bord.

Die Frauen, die nie auf die Boote steigen

Eines der Argumente, das in der Debatte am häufigsten wiederholt wird, ist der Mangel an Frauen auf den Booten. Ein Teilnehmer erklärt, der Frauenanteil auf der Route zu den Kanaren sei sehr niedrig, etwa 10-15%. Die Gründe sind vielfältig: die Kosten der Reise, ihre Gefährlichkeit, die Geschlechterrollen in den Herkunftsgesellschaften und die Auswahl, die die Schleusernetzwerke selbst treffen. Diese Realität auf einen angeblichen rituellen Femizid zu reduzieren, ist eine Vereinfachung, die weit prosaischere wirtschaftliche und soziale Faktoren ignoriert.

Vom Aberglauben zur Hassrede

Das Video dient als Munition für alle, die seit Langem ein hartes Vorgehen gegen Einwanderung fordern. In Foren und sozialen Medien mehren sich die Beiträge, die die Falschmeldung mit Verschwörungstheorien über einen angeblichen Plan zum Bevölkerungsaustausch in Europa vermischen. Einige fordern sogar die Todesstrafe für Migranten. Diese Entwicklung spiegelt, über die Anekdote hinaus, eine reale gesellschaftliche Spannung wider: die Schwierigkeit, Migrationsströme zu steuern, und die politische Instrumentalisierung der Angst.

Die Rolle der NGOs und die institutionelle Reaktion

Unterdessen wird in der Debatte kritisiert, dass solche Falschmeldungen die Arbeit der Organisationen auf den Kanarischen Inseln erschweren und Migranten gefährden. Es gibt im Material keine Belege dafür, dass die kanarische Regierung zur Vorsicht aufgerufen hat, oder dass die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eröffnet oder ausgeschlossen hat.

Was das Video verschweigt

Das Originalmaterial, falls es existiert, wurde nie vollständig gezeigt. Die verbreiteten Ausschnitte sind geschnitten und aus dem Kontext gerissen. Das CapCut-AI-Wasserzeichen in einer der Ecken ist laut einem Nutzer der deutlichste Beweis, dass etwas nicht stimmt. Wer versucht, die Originalquelle aufzuspüren, stößt auf Paywalls, tote Links und anonyme Konten. Das ist die übliche Vorgehensweise der Desinformation: einen aufsehenerregenden Clip erstellen, unüberprüft verbreiten und den Hass den Rest erledigen lassen.



Am Ende ist die Falschmeldung von den Booten und den Hexen nur ein Symptom für etwas Tieferes. Irreguläre Einwanderung ist ein komplexes Phänomen, das ernsthafte Antworten erfordert, nicht virtuelle Lynchjustiz. Während sich die einen damit vergnügen, Lügen zu verbreiten, setzen andere weiter ihr Leben auf dem Meer aufs Spiel. Und so ertrinkt zwischen Meme und Meme die Realität.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (102 Antworten).

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