Pilbara Minerals: wie Lithium die Aktie mitten im Boom um 150 % nach oben trieb
Im Januar 2016 notierte ein australisches Bergbauunternehmen namens Pilbara Minerals bei rund 0,40 australischen Dollar. Vier Monate später lag die Aktie über 0,60, und ein Privatanleger prahlte damit, sie mit 150 % Gewinn verkauft zu haben. Der Auslöser war weder eine geologische Entdeckung noch ein milliardenschwerer Vertrag: Es war das Wort Lithium. Das Unternehmen, das das Projekt Pilgangoora 120 Kilometer von Port Hedland in Western Australia betreibt, wurde zum perfekten Vehikel für eine Spekulationswelle, die ein Dutzend Junior-Miner desselben Metalls mit sich riss.
Die These, die sich in den Analysen jener Zeit wiederholt, ist einfach: Die Nachfrage nach Batterien für Elektroautos, Handys und Speicher für erneuerbare Energien wächst exponentiell, und das Lithiumangebot reicht nicht aus. Goldman Sachs und Citigroup, so heißt es in dem Material, befeuerten die Erzählung mit Nachfragewachstumsprognosen von 64 % bis 2020. Der Preis für Lithiumcarbonat war seit Jahresbeginn um 47 % gestiegen, laut den Daten, mit denen man im Februar arbeitete. Mit diesem Rückenwind schien jedes Bergbauunternehmen mit einem Lithiumprojekt eine einmalige Gelegenheit.
Von 0,40 auf 0,60 Dollar: der Anstieg von Pilbara Minerals
Die Kurschronologie, der das Material folgt, ist ein Lehrbuch der Euphorie. Ende Januar steigt Pilbara an einem einzigen Handelstag um 6,5 %, und über einen Discount-Broker wird zum Kauf geraten. Tage später nochmals 6 %, dann 4,35 %. Anfang Februar kumuliert 19 %. Ende des Monats verbucht der Anleger, der dem Wert folgt, in wenigen Wochen mehr als 25 % Gewinn. Im April legt Pilbara 9 % zu und erreicht 60 Cent. Im Mai 16 % in einer Nacht und 11 % in einer anderen. Derselbe Anleger, der mit 150 % Gewinn verkaufte, klagt: "Ich hätte sie nicht verkaufen dürfen".
Das Phänomen ist kein Einzelfall. Dakota Minerals steigt an einer Sitzung um 18 %, Lithium Australia um 9 %, Neometals um 3 %, Metalicity um 13 %, Hannans Rewards um 50 % und Argonaut Resources um 46 %. Die Liste der Junior-Miner mit Lithiumprojekten wächst stetig: Galaxy Resources, Sayona Mining, Tempo, Dakota, Neometals, Lithium Australia, Metalicity, Hannans Rewards, Argonaut Resources. Alle steigen. Fast alle korrigieren und steigen wieder. Das Muster wiederholt sich mit einer Regelmäßigkeit, die langsam verdächtig wirkt.
Warum explodierte der Lithiumkurs 2016?
Die im Material angeführte Erklärung stützt sich auf drei Säulen. Die erste ist die Nachfrage nach wiederaufladbaren Batterien: Handys, Laptops, E-Reader, Tablets und vor allem Elektroautos. Die zweite ist die Energiespeicherung für erneuerbare Energien, die Batterien mit hoher Dichte erfordert. Die dritte ist China, das den Kauf von Lithiumkonzentraten bündelt und nicht genügend Lieferungen findet. "Es gibt derzeit nicht genug Lithium, um China und Tesla zu versorgen", heißt es in dem Material. Der Tesla-Effekt wird ausdrücklich als Katalysator genannt: Die Elektrofahrzeuge des Unternehmens von Elon Musk erschüttern die Automobilindustrie und formen die Mineralien-Lieferkette neu.
Die Zahlen, mit denen in den zitierten Artikeln gerechnet wird, sind eindeutig: Der weltweite Umsatz mit Lithiumsalzen liegt bei rund 1 Milliarde Dollar pro Jahr, eine kleine Summe für die Größe des Marktes, den sie bewegt – was erklärt, warum jede Angebotsverknappung zu überproportionalen Preisanstiegen führt. Die weltweite Lithiumproduktion würde sich laut den geteilten Prognosen in den nächsten acht Jahren verdoppeln. Und die Preise für Lithiumcarbonat waren seit Jahresbeginn um 47 % gestiegen, wobei Citigroup prognostizierte, dass der Trend 2017 anhalten würde.
Die technische Warnung, die niemand hören wollte
Nicht alle glaubten an die Geschichte. Eine kritische Stimme warnte, dass die Akkumulation/Distribution-Charts dieser Miner ein besorgniserregendes Muster zeigten: Der Indikator fiel, während der Kurs stieg. Fachlich ausgedrückt: Die großen Marktteilnehmer würden den Aufwärtsschwung nutzen, um zu verkaufen. "So schnell er gestiegen ist, kann er auch abstürzen", lautete die Warnung. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: "Der Basiswert ist so hässlich, dass Lithium Australia, Galaxy, Neometals wieder durch die Decke gegangen sind". Die Diskussion mündete in einen Schlagabtausch zwischen technischer und fundamentaler Analyse. Für die einen kündigten die Indikatoren einen Absturz an. Für die anderen war Lithium ein Wert mit Nachfrage- und Preisfundamenten, die jedes technische Signal entkräfteten.
Die technische Erwiderung hat Substanz. Als gefragt wurde, warum der Akkumulation/Distribution-Indikator genau zu Beginn des Anstiegs 2015 fiel, lautete die Antwort, dass es sich um andere Werte aus einem anderen Land gehandelt habe. Die meisten Lithium-Miner notierten auf Jahreshochs. Der Widerspruch blieb ungelöst. Es ist genau der Punkt, an dem die Analyse festhängt: War es eine Spekulationsblase oder der Beginn eines strukturellen Zyklus?
Das eigentliche Geschäft: Pilgangoora und Tantal
Jenseits des Kurses hat Pilbara Minerals einen greifbaren Vermögenswert. Das Projekt Pilgangoora, 120 Kilometer südlich von Port Hedland, enthält die zweitgrößte Spodumen-Ressource der Welt und eine der größten Tantalit-Lagerstätten. Das Unternehmen schloss eine Machbarkeitsvorstudie ab, die laut der wiedergegebenen Mitteilung bestätigte, dass das Projekt auf dem Weg war, über Jahrzehnte hinweg ein global bedeutendes Bergbauzentrum für Lithiumkonzentrate zu werden. Das ist das Argument, das die Bullen anführen, wenn man sie auf die Zahlen anspricht.
Die finanzielle Lage war jedoch nicht die eines etablierten Unternehmens. Pilbara war stabiler aufgestellt als Neometals, machte aber weiterhin Verluste. Die Erklärung: Früher gab es keine Nachfrage, und der Lithiumpreis war niedrig, daher war es normal, dass diese Unternehmen nichts verdienten. "Die Dinge haben sich geändert, und bis 2020-2025 wird exponentielles Wachstum prognostiziert", lautet das Argument. Die Börse, so die Logik, preist ein, was die Miner künftig verdienen werden, nicht was sie heute verdienen.
Die Rotation: von Pilbara zu Dakota, Metalicity und Sayona
Während sich Pilbara von den 0,40 Dollar entfernt und sich dem Dollar nähert, verlagert sich der Fokus auf billigere Miner, die noch nicht gelaufen sind. Dakota Minerals, bei 14 Cent, wird als neue Gelegenheit präsentiert. Metalicity, mit Lithium- und Goldprojekten, wird als risikoärmere Alternative angeboten. Sayona Mining, das gerade die Lithiumlagerstätte Authier in Quebec für 4 Millionen kanadische Dollar erworben hat, kommt ins Depot. Argonaut Resources und Hannans Rewards reihen sich in die Liste ein. Die Strategie ist klar: das nächste Pilbara finden, bevor es abhebt.
Das Problem: Die Liste wächst schneller, als man sie analysieren kann. "Ich finde es sehr verdächtig, dass es so viele sind", wird eingeräumt. Die Auswahl wird zum Glaubensakt. Die Werte, die seit einem Jahr steigen, wie Pilbara, gelten als teuer. Die, die gerade ihre Rallye beginnen, wie Sayona oder Argonaut, gelten als Gelegenheiten. Die ständige Rotation bringt Gewinne für die, die das Timing treffen, und Verluste für die, die zu spät kommen.
Der Abschluss: wo liegt die Grenze
Die Frage, die über dem gesamten Material schwebt, ist, wie weit das gehen kann. Die Optimisten sagen, Pilbara habe bis 0,8 Euro, dem Niveau von 2007, keinen Widerstand, und Lithium sei "das neue Benzin". Die Vorsichtigen weisen darauf hin, dass mit billigem Öl Investitionen in Elektroautos einen schweren Stand haben und dass sich diese Aktien mehr durch Spekulation bewegen als durch die Zukunft der Unternehmen. Der Lithiumpreis, räumen sie ein, sei in Echtzeit schwer zu verfolgen: Es gibt kein Lithium-Brent, an dem man sich festhalten kann. Unterdessen nimmt der Kurs seinen Lauf, unbeeindruckt von den Warnungen. Die Analyse endet hier, mit den Minern auf Höchstständen und der Frage, ob der nächste Schritt eine weitere Rallye oder die Korrektur sein wird, die manche seit Monaten ankündigen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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