„Passport Bros“: Männer wechseln das Land, um eine Partnerin zu finden
Ein Mann wartet in einem lokalen Restaurant in Manila auf seine Bestellung. Ohne Vorwarnung beginnen zwei einheimische Frauen ein Gespräch mit ihm. So beschreibt es jemand, der dort lebt und betont, nicht wegen einer Partnerin dorthin gegangen zu sein. Diese Szene fasst zusammen, warum der Begriff Passport Bros in den sozialen Medien allgegenwärtig ist: westliche Männer, die nach eigener Aussage ihren Reisepass zücken und in Südostasien, Osteuropa oder bestimmten südamerikanischen Ländern nach einer Partnerin suchen.
Diese Praxis ist nicht neu. Neu sind der Name und seine massive Verbreitung auf TikTok und YouTube, wo Videos über diese Bewegung und verwandte Konzepte wie die sogenannte „Brown Pill“ proliferieren. In diesen Ländern erkennen sich diese Männer gegenseitig und sprechen von einer Art Bruderschaft. Jeder zahlt für sich selbst, fasst einer der Befürworter des Begriffs spöttisch zusammen.
Was sind „Passport Bros“ und woher kommt der Begriff?
Der Begriff bezeichnet westliche Männer, die zu dem Schluss kommen, dass es sich nicht lohnt, eine Beziehung mit Frauen aus ihrem eigenen Land einzugehen, und beschließen, ihr Glück anderswo zu versuchen. Die häufigsten Zielregionen sind Südostasien, Osteuropa und einige südamerikanische Länder: Thailand, die Philippinen und Estland tauchen immer wieder in den geschilderten Plänen auf. Manche planen längere Aufenthalte im Baltikum und probieren, falls dies nicht funktioniert, den Fernen Osten aus – stets mit dem Gedanken an eine Rückkehr.
Die erklärte Motivation ist nicht nur Sens. Im öffentlichen Diskurs spielen auch Familie, niedrige Lebenshaltungskosten, warmes Klima und die Möglichkeit, günstig zwischen Nachbarländern zu reisen, eine Rolle. Unter dieser Oberfläche liegt eine grundlegende These: Das Partnerschaftsmodell im Westen sei gescheitert, und anderswo fänden sich Gesellschaften, die Werte schätzen, die hierzulande verloren gegangen seien.
Sens oder Partnersuche: Zwei Lesarten
Ein Teil der westlichen Frauen, insbesondere aus feministischer Sicht, verurteilt die Bewegung als Sens: Männer, die die wirtschaftliche Situation ärmerer Länder ausnutzen. Ihnen wird das Profil von Männern zugeschrieben, die in ihrer Heimat keine Beziehungen „qualitativer“ Art eingehen können und sie daher dort suchen, wo sie die Messlatte niedriger sehen. Dies ist der Vorwurf, der einen großen Teil der öffentlichen Debatte dominiert.
Auf der anderen Seite reagieren Frauen aus den Zielländern mit Spott auf diese Herablassung. Sie betonen, dass viele Englisch sprechen und einen Hochschulabschluss haben, was dem Bild widerspricht, das angeblich vom Westen projiziert wird. Sie hinterfragen auch das Narrativ der unabhängigen Frau und behaupten, dieses Modell habe ihnen nicht das versprochene Glück gebracht. Es ist eine umstrittene Behauptung ohne stützende Daten, die jedoch stark kursiert.
Von 50 bis 400 Euro pro Monat: Die realen Kosten der Beziehung
Hier wird Romantik zur Buchführung. Es werden Praktiken beschrieben, um einen festen monatlichen Betrag für die Familie der Partnerin festzulegen – beispielsweise 100 Euro pro Monat –, um so kontinuierliche Bitten zu vermeiden. Ein konkretes Beispiel: 50 Euro pro Monat an den Vater der Partnerin, bezahlt vom Mann, wobei alle anderen Beziehungskosten separat getragen werden. Die Berechnung dieses Falls: durchschnittlich zwischen 300 und 400 Euro pro Monat insgesamt, einschließlich Schulgebühren.
Der genannte Kontext ist nicht irrelevant: In vielen dieser Länder gibt es entweder keine Renten oder lächerlich niedrige Bezüge, und das Gesundheitswesen ist privat, sodass Kinder ihre Eltern unterstützen müssen. Die Empfehlung der Erfahrensten lautet, jemanden zu finden, dessen Familie nichts braucht. Wenn Geld ins Spiel kommt, so ihr Urteil, geht die Liebe zurück.
Mehr Matches auf Tinder und Familien ohne Rente
In der Praxis herrscht weitgehend Einigkeit: Apps funktionieren dort viel besser, mit mehr Matches als in Spanien, geben diejenigen zu, die es ausprobiert haben. Der hinzugefügte Nuance ist weniger optimistisch: Der Mann bleibt auch innerhalb der Ehe die Einkommensquelle, und die Ausgaben sind hoch. Die Warnung wiederholt sich in jedem Gespräch: Vorsicht vor denen, die sofort von Süßholzraspeln zum wirtschaftlichen Interesse wechseln, sobald das Terrain gewonnen ist.
Es gibt auch erwähnte Ausnahmen. Frauen mit qualifizierten Jobs, ohne finanzielle Nöte, die kein Geld verlangen und deren Familie nirgends auftaucht. Das Problem, sagen die Langzeitansässigen, besteht darin, diese von anderen zu unterscheiden, bevor die Beziehung steht.
Individuelle Lösung, kollektives Problem
Der unbequemste Punkt ist demografischer Natur. Es wird argumentiert, dass die Entscheidung auf individueller Ebene vernünftig sei, langfristig aber das Land aushöhle: Wenn Männer, die eine Familie gründen wollen, abwandern, sinkt die Geburtenrate. Befürworter fügen hinzu: Die Abwandernden sind nicht schuld. Sogar die Zahl von 72 % Scheidungen wird als Beweis angeführt, dass der lokale Markt defekt sei – eine Zahl, die ungeprüft wiederholt wird und nicht ohne Verifizierung als wahr angenommen werden sollte.
Dazu kommt das Gegenphänomen: westliche Frauen, die Partner in afrikanischen Ländern suchen, das selten dieselbe mediale Aufmerksamkeit erhält. Und eine Schlussfolgerung, die je nach Stimmung auftaucht und verschwindet: Wenn dies eine Marktreaktion ist, liegt die Schuld nicht bei denen, die gehen, sondern bei den Bedingungen, die zum Gehen drängen.
Am Ende ist die unideologischste Zahl in dieser ganzen Angelegenheit jener monatliche Betrag von 50 Euro, den jemand an die Familie seiner Partnerin überweist. Niemand bestreitet ihn. Und er erklärt mehr als jedes Manifest: Wo es keine Renten gibt, funktioniert auch die Partnerschaft als Transferleistung.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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