Pascual beziffert Mercadonas Schlag gegen seine Milch auf weniger als 3%
Ortigosa del Monte in der Provinz Segovia wirkte nicht wie der Schauplatz eines Handelsstreits. Die Fabrik diente als Kulisse für das 50-jährige Jubiläum von Bezoya, dem Mineralwasser des Konzerns, und die Medien waren geladen, um über Flaschen zu sprechen. Doch Tomás Pascual, Präsident der Grupo Pascual, ging ohne große Aufforderung ins Detail: „Es beunruhigt mich, nicht in allen Regalen vertreten zu sein. Aber wenn jemand nicht will, dass ich dort bin, kann ich nichts tun – ich werde versuchen, in den übrigen Filialen präsent zu bleiben.“ Anders gesagt: Mercadona hat seine Milch aus den Regalen entfernt, und er wird sich nicht vor ihnen verbeugen, um zurückzukehren.
Der Rückzug ist selektiv. Die Pascual-Milch verschwindet aus den Supermärkten der valencianischen Kette in ganz Spanien, mit Ausnahme von Burgos und Segovia, den beiden Provinzen, in denen sie weiterhin erhältlich ist. Das Wasser Bezoya und die Säfte Bifrutas bleiben landesweit im Sortiment. Der Hersteller betont, dass es keine vorherige Mitteilung gab, die den Grund erklärte, und dass man eine solche auch nicht benötige: „Wir hatten damit gerechnet, es war ein eingeplanter Schritt.“
Wie schwer wiegt Mercadona bei den Verkäufen von Pascual-Milch?
Weniger als 3% des Umsatzes. Mit dieser Zahl relativiert der Konzern die Auswirkungen und stützt seine gesamte Argumentation. Es handelt sich nicht um einen gewöhnlichen Kunden – Mercadona hält laut Kantar 26,3% des spanischen Marktanteils und ist klar der größte Einzelhändler des Landes –, aber es ist auch kein Kunde, von dem die Bilanz abhängt. Die Philosophie, die der Präsident seit Jahren wiederholt, besagt, nicht mehr als 10% vom Umsatz eines einzelnen Kunden, eines Produkts oder einer Bank abhängig zu sein, genau um handlungsfähig zu bleiben, wenn solche Nachrichten eintreffen.
Der Manager betonte, dass der Bruch ihn nicht überrascht habe, was zum üblichen Ablauf solcher Preiskriege passt: zeitweise Entfernungen, gegenseitiger Druck und Verhandlungstische, die neu geöffnet werden, wenn sich der Kalender ändert. „Wenn wir die Verbraucher auf einem Weg nicht erreichen können, gehen wir einen anderen“, fasste er zusammen. Er erinnerte daran, dass die Beziehung zum Handel weiterhin von „Zusammenarbeit“ geprägt sei, obwohl die Bedeutung dieses Wortes in den letzten zwei Jahren stark gewandelt hat.
Der Krieg der Eigenmarken und die Studie, die niemand zitiert
Im Kern geht es nicht um Pascual, sondern um den Preis. Eigenmarken gewinnen im Lebensmittelbereich seit geraumer Zeit Marktanteile hinzu, begünstigt durch Inflation und steigende Kosten, und die Entfernung von Markenprodukten ist ein weiteres Druckmittel in den Verhandlungen. Der Präsident formulierte es elegant: Sein Ziel sei es, ein „Markenunternehmen“ zu bleiben – mit eigener Marke und eigenem Mehrwert – im Gegensatz zur Milch des Händlers.
Hier kommt das am häufigsten wiederholte Argument der letzten Tage ins Spiel: Dass die Qualität des Herstellers den Aufpreis rechtfertige. Man sollte dies jedoch kritisch betrachten. Es kursiert die Behauptung, ein Vergleichstest spanischer abgepackter Milche habe das Eigenmarkenprodukt von Mercadona als Sieger hervorgehen lassen und den Markenhersteller auf einen der letzten Plätze gesetzt. Diese Referenz wird oft ohne den Bericht selbst weitergegeben, und der Link führt zu einer allgemeinen Suche, nicht zur eigentlichen Studie. Um dies zu bewerten, braucht man das Dokument, nicht nur die Schlagzeile.
Was klar ist: Der Druck wirkt sich auf die Preise aus. Pascual selbst prognostizierte „eine gewisse Stabilität für eine Weile“ und verteidigte, dass viele aktuelle Senkungen die Anstiege kompensieren, die das Unternehmen während der Höhepunktphase der Kostenkrise nicht umgesetzt hatte.
Der Milch-Kartellfall: 28 Millionen Euro, die dokumentiert sind
Ein Aspekt, der weniger Beachtung findet, betrifft dieselbe Branche aus einer anderen Perspektive. Die Justiz verhängte Geldbußen in Höhe von 28 Millionen Euro gegen Pascual, Danone, Lactalis und Nestlé wegen Absprachen zur Reduzierung der Unsicherheit untereinander, mit dem Ziel, den Wettbewerb und die Verhandlungsposition der Milchviehhalter zu schwächen, wie El Nacional berichtete. Keine der vier Firmen schneidet in diesem Bild gut ab, und es relativiert die Rolle des Opfers, die der Hersteller gegenüber dem Händler beansprucht.
Frischmilch, pasteurisierte Milch und regionale Landwirtschaft
Hintergrund dieser Diskussion ist ein weiterer, eher häuslicher Streit: über die Art der gekauften Milch. Im Gegensatz zur haltbaren UHT-Milch ist die Klage unter Menschen, die auf Bauernhöfen aufgewachsen sind, verbreitet: Wer einmal unentrahmte Milch mit Sahneschicht getrunken hat, kehrt selten zurück und betrachtet jede Tetra-Pak-Verpackung als Ersatz. Frischmilch ist so zum Qualitätsargument einiger Ketten geworden.
Im Fall von Mercadona stammt diese Frischmilch nicht von irgendwoher. Es gibt Hinweise darauf, dass Naturleite, eine relativ kleine Genossenschaft in Lugo, der Produzent hinter der Verpackung ist. Falls das stimmt, hätte die Debatte über Qualität weniger mit dem Logo auf der Packung zu tun als mit der dahinterstehenden Landwirtschaft – genau das betonen Befürworter regionaler Produktion: Milchbauern sollen direkt und mit minimaler Verarbeitung verkaufen dürfen.
Mit den 3% im Rücken kann sich Pascual Gelassenheit leisten: Der Schlag erschüttert seine Gewinn- und Verlustrechnung nicht. Die unbequeme Frage ist die andere, die niemand mit einer Zahl beantwortet: Was kostet es, in einem Regal zu bleiben, das einen nicht mehr will, und was kostet es stattdessen, daraus zu verschwinden?
Daten und Meinungen basieren auf der Berichterstattung über den Konflikt zwischen Herstellern und Lebensmitteleinzelhandel in Spanien.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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