Papst verteidigt Spanien und widerspricht dem gängigen Narrativ
Was hat Papst Franziskus über Spanien gesagt und warum passt es nicht zum Bild, das von ihm gezeichnet wird? In einem Interview in ABC trennt Bergoglio zwei Begriffe, die oft synonym verwendet werden: Kolonialisierung und Eroberung. Die Interpretation eines historischen Ereignisses, so argumentiert er, „muss sich an der Zeit orientieren, in der es stattfand, nicht an der heutigen“. Er räumt ein, dass es Tote und Ausbeutung gab, fügt aber hinzu, dass auch „die Indigenen sich gegenseitig töteten“ und die Kriegsumstände „nicht von den Spaniern exportiert wurden“. Nichts davon passt zur flachen Darstellung des Pontifex, die täglich kursiert.
Was der Papst über Kolonialisierung und Eroberung sagte
Der Kern des Textes ist eine semantische Unterscheidung mit weitreichenden Folgen. „Ich unterscheide zwischen Kolonialisierung und Eroberung. Ich mag es nicht zu sagen, dass Spanien erobert hat“, stellt er fest, bevor er einschränkt, dass dies eine diskussionswürdige, aber bewusste Position sei. Das Argument stützt sich nicht auf patriotische Epik, sondern auf das Recht der damaligen Zeit: „Wenn man die Direktiven der spanischen Könige jener Epoche darüber liest, wie ihre Vertreter handeln sollten, hat kein König eines anderen Landes jemals so viel getan“.
Der Vergleich mit anderen Imperien ist explizit und schmeichelt den Konkurrenten nicht. Spanien, sagt er, drang ins Landesinnere vor; andere imperiale Mächte blieben an der Küste. Und er schließt ab: „Spanien hat keine Piraterie betrieben“. Hinter dieser Differenz sieht er eine Mystik, die erklärt, warum Spanien weiterhin das Mutterland ist, „etwas, das nicht alle Länder behaupten können“.
Warum das Interview als Unterstützung für Isabella die Katholische gelesen wird
Es gibt eine diplomatische Lesart, die stark verbreitet ist: Der Text erscheint wenige Tage nachdem der mexikanische Präsident versucht hatte, den Papst in seinem Konflikt mit der spanischen Krone einzuspannen. Beobachter dieses Konflikts sind der Ansicht, dass Franziskus durch das Lob der Anweisungen der damaligen Monarchen das Andenken an Isabella die Katholische verteidigt, deren Seligsprechungsprozess läuft. Der Satz über die königlichen Direktiven ist keine gelehrte Bemerkung, sondern eine klare Stellungnahme.
Dieses Detail erklärt die Unbehaglichkeit auf beiden Seiten. Es ärgert jene, die vom Pontifex eine unmissverständliche Verurteilung der spanischen Vergangenheit erwarteten, und verwirrt jene, die ihre interne Kritik jahrelang genau auf dieser Verurteilung aufgebaut haben.
Die Fakten im Abgleich: Technologie, Universitäten und Krankenhäuser
Die päpstliche Rückendeckung öffnet das technische Dossier erneut. Gegen die Vorstellung einer geringeren Machtstellung wird daran erinnert, dass im 15. und 16. Jahrhundert die Spitzentechnologie im spanischen Imperium lag, mit einer jahrzehntelangen Dominanz in Seefahrt und Navigation. Das meistzitierte Beispiel ist Jerónimo de Ayanz, dem eine Dampfmaschine zugeschrieben wird, ein Jahrhundert vor der Industriellen Revolution.
Die Liste der vergleichenden Vorwürfe endet hier nicht. Es wird hervorgehoben, dass mehr als 30 Universitäten gegründet wurden, die indigene Studierende zuließen, noch bevor die Mayflower die amerikanische Küste erreichte, sowie Krankenhäuser, Kathedralen und Bibliotheken. Das Schlussargument ist schlagkräftig: Eine Kolonisierung von fast 400 Jahren nur nach ihren ersten 20 Jahren zu beurteilen, ist, in den Worten der Analyse, „ziemlich dummt“.
Die Reaktion: Von frontal Ablehnung bis zur Versöhnung
Ein Teil des traditionelleren katholischen Publikums lehnt die Botschaft rundweg ab und behauptet, der Pontifex spiele ein doppeltes Spiel, sei ein durchtriebener Globalist und zeige sein wahres Gesicht nur, wenn es von der Presse gefiltert werde. Ein anderer Teil hingegen akzeptiert unerwartete Wendungen: Manche geben zu, ihn als spanienfeindlich eingestuft zu haben, und beginnen nun, sich mit seinen Worten zu versöhnen. Auch jene melden sich zu Wort, die daran erinnern, dass es bereits alte Reden desselben Papstes gibt, in denen er die spanische Leistung in Amerika überschwänglich lobte, dokumentiert sogar in populärwissenschaftlichen Geschichtsbüchern.
Die häufigste Diagnose richtet sich nicht gegen den Papst, sondern gegen seine Leser: Viele Gläubige kennen die Grundlagen ihrer eigenen Doktrin nicht und klassifizieren den Pontifex je nach eigener Ideologie als Liberalen oder Kommunisten. Der Katholizismus wäre damit faktisch dem jeweiligen ideologischen Käse untergeordnet.
Zur Quelle gehen: Vatikan versus Schlagzeile
Die empfohlene Methode ist einfach: Vor der Empörung das Originaldokument lesen. Briefe, Homilien und Reden sind auf der Vatikan-Website veröffentlicht, und der Kontrast zu den Schlagzeilen ist oft erheblich. Das meistzitierte Beispiel betrifft die Entschuldigung: Es wurde nicht um Vergebung für die Evangelisierung gebeten, sondern für die während des Prozesses begangenen Sünden, wobei daran erinnert wurde, dass die Gnaden diese Sünden überwogen. Also das Gegenteil dessen, was ihm zugeschrieben wird.
Hinzu kommt die Ernennung zweier Spanier in den Kardinalsrat, der die Kurie reformiert – eine Geste, die kaum Schlagzeilen machte, obwohl sie mit demselben Enthusiasmus aufgenommen würde wie angebliche Fehltritte.
Bleibt die grundlegende Paradoxie: Ein Pontifex, von dem erwartet wird, dass er Spanien verurteilt, endet damit, daran zu erinnern, dass es die einzige Krone war, die Gesetze darüber erließ, wie Untertanen auf der anderen Seite des Atlantiks behandelt werden sollten. Wenn dies jemanden überrascht, sagt die Überraschung mehr über das Narrativ aus als über den Papst.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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