Madrid: Ohne Erbe oder Familienhilfe keine Wohnung

In Madrid wird Wohnraum vererbt oder von den Eltern bezahlt. Die Miete frisst das Gehalt auf, während die Löhne mit den Preisen nicht mithalten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Madrid: Ohne Erbe oder Familienhilfe keine Wohnung
Wohnraum in Madrid kommt durch Erbschaft oder elterliche Finanzierung

In Madrid lässt sich Wohnraum kaum noch vom regulären Gehalt finanzieren: Man erbt ihn, die Eltern beteiligen sich an der Finanzierung oder man erhält ihn über administrative Wege. Diese Erkenntnis stammt nicht aus einem Bericht, sondern aus der Beobachtung des eigenen Umfelds, wo fast alle, die in der Hauptstadt geblieben sind, demselben Muster folgen. Die einzige genannte Ausnahme ist ein Paar mit zwei stabilen Einkommen — eine Beamtin und ein IT-Spezialist —, das ohne diese Hilfe ausgekommen ist.

Der Preis ist der Hintergrund. Ohne Unterstützung ist es fast unmöglich. Und wer wegzieht, tut dies nicht immer, weil ihm die Stadt nicht gefällt: Er geht, weil die Rechnung nicht aufgeht.

Die vier Profile, die in der Hauptstadt bleiben können

Ein verheirateter Polizist, dessen Frau Bankangestellte ist, lebt im selben Viertel wie seine Eltern, im Haus seiner Großeltern. Eine geschiedene Polizistin mit einer Tochter bewohnt eine andere geerbte Immobilie, diesmal von der Großmutter. Ein lediger Lehrer an einer privaten Oberschule besitzt eine Wohnung im Zentrum, deren 50 % des Kaufpreises sein Vater bar zahlte. Ein vierter Fall erhielt eine öffentlich geförderte Wohnung (Vivienda de Protección Oficial) und wird zudem drei Häuser erben, die seine Mutter in Arbeiterstadtteilen besitzt.

Vier verschiedene Biografien, ein gemeinsamer Nenner: vorhandenes Vermögen. Wenn Wohnkosten einen so großen Teil des Gehalts absorbieren, wird die Familie nicht nur zum emotionalen Rückhalt, sondern zur Voraussetzung für den Marktzugang. Wer diesen Rückhalt nicht hat, startet mit einem Nachteil.

Demografischer Flaschenhals: Erben von Eltern, Großeltern und Onkeln/Tanten

Die niedrige Geburtenrate hat Erbschaften zu einem Engpass gemacht. Manche behaupten, dass viele Einzelkinder später das Haus der Eltern, der Großeltern und der Tanten/Oncles besitzen werden, und dass man mit fünf Immobilien im Portfolio ohne Arbeit leben könnte. Das ist eine optimistische Rechnung.

Dagegen sprechen zwei Einwände. Der erste kommt von einem anderen Forennutzer: Wenn die Zahl der Erbenrenten steigt, sind gesetzliche Änderungen zu erwarten, die das Leben von Mieten besteuern oder erschweren. Der zweite ist ökonomisch: Häuser zu besitzen bedeutet nicht automatisch, damit Geld zu verdienen, und es ist viel spekuliert, anzunehmen, dass jeden Monat Mieteinnahmen fließen.

Die Miete verschlingt das gesamte Nettogehalt

Mietpreise, die das ganze Gehalt eines Durchschnittsverdieners auffressen, sowie prohibitiv hohe Kaufpreise erklären, warum sich nur niederlassen kann, wer familiäre Rücklagen hat. Laut einer im Diskurs genannten Zahl liegt das Median-Einkommen in Madrid-Stadt bei 20.000 Euro brutto jährlich, was kaum vom Landesdurchschnitt abweicht, während die Lebenshaltungskosten deutlich höher sind.

Mit diesen Rahmenbedingungen erstreckt sich die typische Finanzierungsphase auf 25 bis 30 Jahre und bindet zwischen 50 % und 70 % des Gehalts; selbst dann erhält man oft nur kleine Wohnungen, Souterrains oder Apartments ohne Aufzug.

Madrid ist mehr als nur das Zentrum

Es lohnt sich, die Lage zu differenzieren, denn nicht ganz Madrid ist gleich teuer. Der vernünftigste Einwand weist darauf hin, dass die Stadt über die Ringautobahnen M-30 und M-40 hinauswächst und ihr Einzugsgebiet weit über die M-50 reicht. Wo das Angebot begrenzt ist, sorgt die Nachfrage für Druck; in den Vororten und Umlandgemeinden entspannt sich die Lage, besonders wenn man Zug oder Metro als Teil des Alltags akzeptiert.

Eine weitere Argumentationslinie, ohne Datenuntermauerung, führt den Nachfragedruck auf Migration zurück. Es ist der klassische Versuch, das Problem zu verschieben: Unzufriedenheit über Preise sucht einen Schuldigen, der nicht in der Kostenrechnung steht.

Wie viele Bewerber konkurrieren pro Stelle in Madrid und Palencia?

Der Vergleich hinkt sowohl absolut als auch relativ. Für eine Vollzeitstelle als Wachmann in Palencia gibt es 31 Bewerber; für einen Agraringenieur 20. In Madrid hingegen spricht ein Nutzer von 350 Stellenangeboten mit 200 Bewerbern pro Verfahren, verglichen mit drei Angeboten und 3 bis 15 Kandidaten. Es ist ein Unterschied, ob man gegen 200 oder gegen 11 Konkurrenten antritt.

Palencia ist kein wirtschaftliches Niemandsland: Dort erwirtschaften Galletas Gullón, Benteler Automotive und Cerealto jeweils etwa 300–400 Millionen Euro Jahresumsatz. Das Kernargument ist nicht, dass Unternehmen fehlen, sondern dass in Madrid das Gehalt durch die Miete aufgefressen wird, bevor es überhaupt auf dem Konto landet.

Die Weggezogenen und jene, die nicht zurückkehren

Jeder hat sein eigenes Auszugsdatum. Manche verließen Madrid 1998 und schwören, sie würden nicht einmal mit starken Schmerzmitteln im Körper zurückkehren; andere leben seit 41 Jahren dort und halten psychisch nur durch, indem sie am Wochenende ins Umland flüchten. Auf der anderen Seite behauptet jemand, der sich in einem Tal der Ribeira Sacra mit Garten, Schafen und Hühnern niedergelassen hat, dass sein Haus weniger kostete als ein Tiefgaragenplatz in der Hauptstadt.

Und dann ist da das Detail, das die Abwanderer irritiert: Sie sagen, Madrid gefalle ihnen nicht, aber bei Besuchen geraten sie ins Schwärmen, weil die Stadt international konkurrenzfähig bleibt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (169 Antworten).

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