Olentzero: Der baskische Kohlenbrenner als Weihnachtsmann
Ein Mann über 50 Jahre alt, Kohlenbrenner, isoliert lebend, isst zu viel, ist sehr dick und wäscht sich nie. So wird die Figur beschrieben, die jeden 24. Dezember von den Bergen herabsteigt, um baskischen Kindern Geschenke zu bringen. Die Tradition, die als Jahrtausende alt dargestellt wird, hat ein Problem: Manche behaupten, niemand erinnere sich daran vor mehr als vier Jahrzehnten. In den Baserris (baskische Bauernhöfe) der Berge von Biskaya, wo Familien über Generationen hinweg heirateten, gab es niemals Weihnachtsgeschenke, die nicht von den Heiligen Drei Königen stammten. Der Olentzero kam später hinzu, so diese Version, und aus Gründen, die wenig mit kindlicher Begeisterung zu tun haben.
Woher kommt der Olentzero wirklich?
Die offizielle Version spricht von einem uralten Mythos, einem Kohlenbrenner, der die Wintersonnenwende ankündigt. Die Version, die in den Dörfern des nördlichen Navarra und Biskaya kursiert, ist prosaischer. Manche behaupten, die Figur sei aus einem Kinderbuch gerettet worden, das niemand kannte, und zum Identitätsmerkmal gemacht worden. In Bera, einer Ortschaft in Navarra mit Baserris, deren Eusko-Adelsgeschlechter seit Generationen bestehen, sagen einige, sie hätten vor dreißig Jahren nichts vom Olentzero gehört. Niemand erinnerte sich daran oder vermisste ihn, so diese Zeugenaussagen.
Der Sprung zu Umzügen und Schaufenstern erfolgte schrittweise. Zuerst mussten die Heiligen Drei Könige ersetzt werden, da sie zu fremd für die Erzählung waren. Dann musste der Kohlenbrenner in etwas Präsentables verwandelt werden. Manche behaupten, der Text des Liedes, mit dem die Figur eingeführt wurde, habe sich von „entendimentuz gabea“ – ohne Licht, ohne Intelligenz – zu „entendimentuz jantzia“ – gekleidet in Weisheit – gewandelt. Vom ignoranten Trinker zum Volksphilosophen in einer Generation.
Das Alibi Mari Domingi und die Geschlechterbalance
Ende des 20. Jahrhunderts tauchte Mari Domingi auf. Sie wurde 1994 in San Sebastián geschaffen, um eine größere Geschlechterbalance in der baskischen Weihnachtsdarstellung zu erreichen. Sie ist weder die Frau noch die Assistentin des Kohlenbrenners; beide verteilen Geschenke auf gleicher Ebene. Die zynische Lesart ist eine andere, so manche Teilnehmer der Debatte. Ein Mann, der zur Sonnenwende herabkommt, um Kinder zu suchen, isoliert lebt und sich nicht wäscht, brauchte ein häusliches Alibi. Mit einer Partnerin zerstreuen sich Verdächtigungen.
Das Grundproblem ist nicht die Figur, so diese Kritiker. Es ist das, was man mit ihr getan hat. Manche behaupten, in vielen Dörfern sei er zum Vertreter der Gefangenen geworden, die bei ihrer Entlassung Geschenke für die Kinder brachten, unter dem Jubel der Bevölkerung. Weihnachtsprogramm: Olentzero und Häftlinge. Das ist kein Folklore mehr, sondern politische Ingenieurskunst mit Kindern als Vorwand, so diese Lesart.
Der galizische Apalpador und der katalanische Defeca Tió
Das Phänomen ist nicht auf das Baskenland beschränkt, so die Teilnehmer. In Galicien versuchte man, den Apalpador einzuführen, einen anderen Kohlenbrenner, der in den Nächten der Sonnenwende herabkommt, um den Bauch der Kinder zu betasten, um zu sehen, ob sie genug gegessen haben. In den Ancares, wo León, Asturien und Lugo zusammentreffen, in Dörfern ohne Telefonkabel und mit Strom erst ab 1992, gab es laut Zeugenaussagen niemals Apalpadores oder Samaínes. In Katalonien gibt es den Defeca Tió, einen Baumstamm, den man schlägt, damit er Geschenke ausscheidet.
Die Synchronität ist verdächtig, so manche. Galizische, katalanische und baskische Kinder hörten etwa gleichzeitig auf, Briefe an die Heiligen Drei Könige zu schreiben, zu Zeiten, die mit der Konsolidierung des autonomen Staates zusammenfallen. Nicht dass jahrtausendealte Traditionen unter Moos hervorsprießten. Sondern dass jemand sie pflanzte, so die Behauptung.
Die realen Kosten: Staus, Identität und Kulturkampf
Die greifbarste Konsequenz ist nicht anthropologisch, sondern logistisch. Die Olentzero-Umzüge blockieren den Verkehr in Bilbao und zwingen zu Umwegen über Rontegui und Enekuri, um nach Mazarredo zu gelangen, so ein Teilnehmer. Staus, an die man sich besser erinnert als an den Kohlenbrenner. Der Kulturkampf findet auch auf der Straße statt, und auf der Straße verliert man Zeit.
Manche verteidigen, dass die Geschichte des Olentzero über 2.000 Jahre zurückreicht, andere behaupten, es sei eine vor 200 Jahren erfundene Geschichte. Der genaue Fakt ist weniger wichtig als die Nutzung. Das Abstoßende, so das Argument, sei die Verwendung als politisches Werkzeug, um Navarrese und Basken zu spalten. Geschichte wird nicht zensiert, aber auch nicht fabriziert.
Was passiert mit dem biskayischen Baskisch?
Es gibt einen fast unerwähnten Kollateralschaden, so manche Teilnehmer. Das biskayische Baskisch, das die meisten Sprecher hatte, wurde zugunsten eines Batúa (Standard-Baskisch) geopfert, das anders klingt. Das Bizkaiera war für bestimmte Projekte zu nah am Spanischen, so die Behauptung. Eine konstruierte Standardsprache wurde durchgesetzt und die tatsächliche Umgangssprache zurückgelassen. Dieselbe Logik, die die Heiligen Drei Könige durch einen Kohlenbrenner ersetzte, ersetzte die reale Sprache durch normative Vorgaben, so diese Interpretation.
Mit diesen Grundlagen lautet die Frage nicht, ob der Olentzero eine authentische Tradition ist. Die Frage ist, wie viele andere Dinge mit derselben Ausrede erfunden wurden und wie viele noch erfunden werden sollen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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