Oikos ist kein griechischer Joghurt: die Gesetzeslücke, die es erlaubt

Echter griechischer Joghurt wird durch Abtropfen der Molke hergestellt; beim Rest werden Sahne oder Stärke zugesetzt. Das Real Decreto 271/2014 schützt den Begriff nicht, jede Marke kann…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Oikos ist kein griechischer Joghurt: die Gesetzeslücke, die es erlaubt
Oikos ist kein griechischer Joghurt: die Gesetzeslücke, die es erlaubt

Man öffnet den Becher, taucht den Löffel ein, und die Textur ist dick, cremig, fast wie ein Dessert. Auf dem Etikett steht „griechisch“. Alles passt. Nur dass dieses Produkt in den meisten Fällen nie das Verfahren durchlaufen hat, das echten griechischen Joghurt definiert: das Abtropfen der Molke. Die Cremigkeit wird auf andere Weise erreicht, und das Problem liegt nicht nur im Marketing, sondern in einer Vorschrift, die das Wort nicht schützt.

Echter griechischer Joghurt wird nach der traditionellen Methode des Molke-Abtropfens hergestellt: viel Eiweiß, wenig Fett. Die Marke Fage ist das Beispiel, das als Referenz genannt wird. Andere Marken stellen ihn „im griechischen Stil“ her, aber griechisch ist er nicht: Sie erreichen die Cremigkeit durch Sahnezusatz, sodass das Ergebnis sehr fettreich und eiweißarm ist. Und auf der untersten Stufe steht Oikos, das laut ursprünglicher Darstellung die Cremigkeit mit Stärke und Mehl imitiert – mit einer der schlechtesten Qualitäten und einem der höchsten Preise.

Was das Etikett sagt und was das Gesetz sagt

Um nicht von der Marke abhängig zu sein, lohnt ein Blick auf zwei Dinge. Erstens das Eiweiß pro 100 Gramm: Ein wirklich abgetropfter Joghurt liegt meist bei 8-10 Gramm, während ein normaler Joghurt oder ein „griechischer Stil“ mit Sahne bei etwa 3-4 Gramm liegt. Das ist der zuverlässigste Hinweis darauf, dass tatsächlich abgetropft wurde. Zweitens die Zutaten: Der gute enthält Milch (manchmal Sahne) und Fermente, nichts weiter. Tauchen Stärke, modifizierte Stärke, Gelatine, zugesetzte Milcheiweiße oder Bindemittel auf, wurde die Textur auf diesem Weg erreicht und nicht durch Abtropfen.

Der Fettgehalt verrät zudem, welche Milch verwendet wurde: „Griechischer Stil“ mit Sahne liegt meist bei 8-10 % Fett; vollfetter Abtropfjoghurt bei rund 5 %, und Magervarianten gibt es ebenfalls. Im konkreten Fall von Oikos kommt die Richtigierung später: In Spanien verwendet die Marke in der Naturvariante keine Stärke, ist also nicht schlechter als die anderen, in den Fruchtvarianten aber schon – wie alle anderen Marken auch.

Das Real Decreto 271/2014 und der ungeschützte Begriff

Der eigentliche Grund ist juristisch. Die spanische Gesetzgebung für Milchprodukte, das Real Decreto 271/2014, definiert und schützt den Begriff „griechischer Joghurt“ weder. Da es keine gesetzlichen Mindestanforderungen an Herstellung oder Nährwerte für diese Bezeichnung gibt, kann jede Marke ihr Produkt so etikettieren, ohne wegen Betrags strafrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Das Ergebnis: Die allermeisten Marken in Spanien stellen keinen echten griechischen Joghurt her – wegen dieser Gesetzeslücke und der hohen Kosten des traditionellen Verfahrens.

Was im Supermarkt üblicherweise gekauft wird, ist in Wirklichkeit ein Joghurt „im griechischen Stil“: eine industrielle Imitation, optimiert zur Kostenreduktion. Sahne ist im Vergleich zu anderen Alternativen teuer, also treibt die industrielle Logik dazu, sie durch Stärke zu ersetzen, um die Dichte zu simulieren. Das ist keine Verschwörung: Das ist eine Gewinn- und Verlustrechnung.

Die Alternative: Eiweiß ohne Griechenland

Verbraucher, die das Nährstoffprofil des Originals suchen – hohen Eiweißgehalt –, finden im Regal keine klaren Optionen. Deshalb haben manche in Spanien dem griechischen Joghurt den Rücken gekehrt und sind zum proteinreichen Naturjoghurt von Mercadona gewechselt, der 12 Gramm Eiweiß liefert, obwohl er nach nichts schmeckt. Am anderen Ende sind sich diejenigen, die Geschmack und Fett bevorzugen, einig: besser mit Sahne und mehr Fett hergestellt – oder gleich zu Hause mit Milch und Sahne im selben Verhältnis selbst gemacht.

Die letzte Ironie liefert das Etikett selbst: Stärke ist ein genauso verarbeitetes Produkt wie Sahne. Der Unterschied ist nicht natürlich versus künstlich, sondern abgetropft versus angedickt. Und solange die Vorschrift nicht definiert, was griechischer Joghurt ist, wird das Wort weiter dazu dienen, alles Mögliche zu verkaufen, das ihm nur ähnlich sieht.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (29 Antworten).

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