Raspberry Pi: vom 39-Euro-Gadget für 200 Euro in die Schublade

Die Raspberry Pi ist von 39 auf 200 Euro gestiegen. Fans verweisen auf Jahre langen Betrieb; Spontankäufer verstauen sie im Fach neben dem ersten Nokia.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Raspberry Pi: vom 39-Euro-Gadget für 200 Euro in die Schublade
Von der 39-Euro-Raspberry Pi zu 200 Euro: das Gadget, das in der Schublade landet

2014 kostete sie laut der Erinnerung eines Forumnutzers 39 Euro. Heute wurde die 8-GB-Version schon für 200 Euro beworben. Und trotzdem dreht sich in jedem Gespräch über den Raspberry Pi die Frage nicht darum, was sie kostet, sondern wie lange sie läuft, bevor sie im Fach für nostalgische Gadgets landet. Die kurze Antwort: Es kommt darauf an, ob man sie mit einem konkreten Zweck kauft oder aus technischer Romantik.

Das Board entstand als günstiges Kultobjekt zum Experimentieren. Dieser Preis machte es zum Spontankauf. Viele dieser Impulskäufe endeten im Schrank – nicht wegen fehlender Nutzung, sondern weil das Projekt eher aufgegeben wurde als die Hardware verschlissen. Das Muster wiederholt sich: kaufen, einrichten, eine Weile genießen und verstauben lassen, wenn das nächste Spielzeug kommt.

Was Leute mit einer Raspberry Pi anfangen, die tatsächlich läuft

Der häufigste Einsatz ist der als stromsparender Homeserver, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Pi-hole und AdGuard zum Blocken von Werbung im gesamten Heimnetz, Home Assistant für Smart Home, MQTT, Node-RED, Zigbee2MQTT, Download-Server, Backups und sogar die Steuerung von Solaranlagen. Manche haben acht Boards im Haus verteilt, jedes mit einer anderen Aufgabe, und eine Pi 1B blockiert noch immer Werbung.

Die zweite große Nische ist die Emulation. Ein Image, eine Karte, und los geht's mit dem Katalog der Kindheit. Für PSX abwärts reicht sie locker; selbst eine Pi 2 schafft 16-Bit-Spiele mühelos. Der dankbarste Einsatz für alle, die sich nicht mit Konfigurationen herumschlagen wollen.

Die dritte ist die am stärksten professionalisierte: die Heimautomatisierung. Sensoren für Wetter, Luftverschmutzung, Bewässerung, Kameras, Saugroboter ohne Server. Eine Pi Zero 2W genügt, um eine Antenne für Flugfunkverkehr oder einen bescheidenen Webserver zu betreiben.

Das Preisproblem: 200 Euro für etwas, das früher 39 kostete

Hier bricht sich der Konsens. Das Board ist so teuer geworden, dass manche finden, es lohnt sich nicht mehr. Ein gebrauchter Firmen-Mini-PC – Lenovo ThinkCentre, Dell OptiPlex, HP EliteDesk – ist für 80-150 Euro zu finden, verbraucht im Leerlauf 8-15 Watt und bietet deutlich mehr Leistung, echtes SATA oder NVMe und x86. Ein neuer Mini-PC mit Intel N100 liegt bei etwa 120-200 Euro.

Die Energiebilanz ist das einzige Terrain, auf dem sich der Raspberry behauptet: 5-10 Watt gegenüber 50 bei einem i3. Im Dauerbetrieb amortisiert sich der Verbrauchsunterschied irgendwann. Aber man muss rechnen, und bei 200 Euro fürs Board verlängert sich die Amortisationszeit. Wie ein Beitrag zusammenfasst: Ein i3 mit 500-GB-Festplatte ist für 30-35 Euro zu haben und hat deutlich mehr Leistung.

Die microSD-Karte, die Schwachstelle, die beim Kauf niemand erwähnt

Die Leistung der microSD als Festplatte ist schlecht, und bei starker Belastung stirbt die Karte früher als erwartet. Die immer wieder genannte Lösung ist das Booten von einer USB-SSD oder bei der Pi 5 die Nutzung des PCIe-Anschlusses mit einem NVMe-HAT. Das Board liefert über die USB-Ports wenig Strom: Eine 2,5-Zoll-Festplatte läuft meist problemlos mit dem offiziellen Netzteil, aber zwei können zu Aussetzern führen. Für mehrere Laufwerke besser eine eigene Stromversorgung.

Und wofür ist eine Raspberry Pi NICHT geeignet?

Zum Transkodieren von 4K-Videos in Echtzeit. Zum Betreiben von Home Assistant mit einigen Integrationen und einer Datenbank, ohne dass die Auslagerungsdatei zu stöhnen beginnt. Für ernsthafte Überwachung: Die ESP32-CAM-Kameras für 8-12 Euro haben einen 2-MP-Sensor, der nachts nur Rauschen liefert. Und für lokale KI: Rechner, die Modelle ordentlich laufen lassen, kosten laut einer kursierenden Rechnung rund 2.000 Euro.

Das Fazit: Nicht das Gerät ist das Problem, sondern der Kauf

Das Board versagt nicht. Der Impuls versagt. Wer es mit einem konkreten Projekt kauft – Werbung blockieren, ein leichtes NAS aufbauen, emulieren, automatisieren –, holt Jahre langen Betrieb daraus. Wer es kauft, „um zu sehen, was ich damit machen kann“, verstaut es im Fach neben dem ersten Nokia und dem Walkman. Der Unterschied zwischen einem Server und einem Staubfänger liegt darin, vor dem Bezahlen entschieden zu haben.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (67 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver