Niño Becerra kündigte den Crash von 2010 an, während Spanien sagte: 'Alles ist gut'
Im Juli 2007, als der IBEX seinen Höchststand erreichte und der Immobilienboom noch heiß lief, veröffentlichte Santiago Niño Becerra, Professor für Wirtschaftsstruktur an der Wirtschaftsfakultät des IQS, den ersten einer Artikelserie unter dem scheinbar harmlosen Titel 'September'. Seine These war es nicht. Er schrieb, dass dieser Monat 'der Anfang vom Ende des seit 1820 geltenden Wirtschaftssystems' sein würde und zu 'einer großen Krise führen werde, die im Jahr 2010 beginnt'. Damals hörte kaum jemand genau hin. Das war genau das Problem.
Die Texte erschienen in La Carta de la Bolsa während des gesamten Augusts und wurden zum Grundgerüst einer Beobachtung, die mehr als zwei Jahre dauerte, bis Februar 2010. In dieser Zeit wandelte sich die Haltung vom Skeptizismus zur Kassandra-Rolle und von dort zum Internet-Meme. Auf dem Weg blieb eine unbequeme Frage zurück: Ist der Warner ein Prophet oder ein Pessimist, der durch Beharrlichkeit recht hat?
Die Zahlen von 2007, die bereits der offiziellen Erzählung widersprachen
Ende 2007 gab es Daten, die stutzig machten. Der durchschnittliche BIP-Anstieg der Eurozone im zweiten Quartal lag 40% unter dem erwarteten Minimum, und die europäische Industrieproduktion verzeichnete im ersten Halbjahr eine Verlangsamung von 51,06%. 'Lief nicht alles gut?', fragte der Artikel. In den USA lag der private Konsum bei etwa 70% des BIP und die Verschuldung erreichte 130% des Einkommens: Jede Kreditverknappung, so die Warnung, würde die gesamte Nachfrage mitreißen.
In Spanien war die Diagnose ebenso unbequem. Der Index der Energieabhängigkeit lag bei 81,4 gegenüber 53,8 in der EU-27 und stieg weiter. Die Schlussfolgerung des Autors ließ keinen Raum für Nuancen: Das System starb nicht an Liquiditätsmangel, sondern weil Kredite zum 'einzigen Motor' geworden waren. Geld in die Zentralbanken zu pumpen, argumentierte er, würde nichts umkehren.
Die bevorstehende Arbeitslosigkeit: 22%, 28% und 35%
Das Prognosebild, das Anfang 2009 kursierte, war eher appetitlos. Für dieses Jahr wurde ein realer BIP-Einbruch von -8%, eine Inflation von -1,5% und eine Arbeitslosenquote von 22% erwartet. Für 2010 weitete sich das Szenario auf ein -10% beim BIP und 28% Arbeitslosigkeit aus. Und für 2011, das letzte Jahr der Kernphase der Depression, sogar bis zu 35%.
Manche waren sogar pessimistischer als der Professor selbst. 'Ich bin noch pessimistischer als er', lautete eine Berechnung, die damals in Foren kursierte, überzeugt davon, dass die Arbeitslosigkeit bei einer so schnell sinkenden Wirtschaft nicht nur um zwei Punkte steigen würde. Die Diskussion drehte sich nicht mehr darum, ob es eine Krise geben würde, sondern wie schwer sie sein würde.
Von der Vorkrisenzeit zur Zahlungsrückstände der Sparkassen
Im März 2009, während die offizielle Propaganda von grünen Trieben sprach, überstiegen die Zahlungsrückstände von neun Sparkassen bereits 6%. Diese Zahl passte zu den Vorhersagen: Wenn das Problem nie Liquidität, sondern Solvenz war, würde der Tropfen nicht aufhören. Die institutionelle Antwort kam jedoch anderswoher. Die Rettung der Automobilindustrie war das kanonische Beispiel, das diskutiert wurde: Volkswagen beantragte Beihilfen in Höhe von 309 Millionen für eine Investition von 300 Millionen und forderte gleichzeitig Lohnstopp und einen zweijährigen Stellenabbau (ERE). 'Man hat nichts von dem verstanden, was passiert', schloss der Artikel ab.
Die Zeit gab beiden Seiten recht. Im Jahr 2011, dem Jahr, das er als das härteste der gesamten Periode bezeichnete, befand sich das Königreich mitten in einer umfassenden Restrukturierung. Die Übereinstimmung mit Robert Reich, Paul Krugman oder den Berichten des GEAB war kein Zufall: Ein halbes Dutzend Analysten war auf unterschiedlichen Wegen zum selben Ergebnis gekommen.
Wo investierte der Warner selbst? Der Thunfisch-Witz
Die wiederkehrende Frage war naheliegend: Wenn alles zusammenbricht, wo legt Don Santiago sein Geld an? Er gab nie klare Hinweise. In einem Interview empfahl er Termingelder über sechs Monate oder ein Jahr und danach neu zu bewerten. Die scherzhafte Antwort wurde jahrelang wiederholt: 'In Thunfischdosen... nur das Nötige ist wichtig.' Eine andere Variante erinnerte daran, dass die Leute mitten im Absturz 'Konten im Ausland statt Fenster öffneten'.
Obwohl die Figur ihren Charme hatte. Man erzählte, dass er auf eigene Kosten reiste, öffentliche Verkehrsmittel nutzte und mehr darauf achtete, wie die Menschen leben, als auf Touristenmonumente. Seine feine Ironie zeigte sich bereits in der Serie von 2007. Im Fernsehen, als er aus dem Publikum hervortrat, brachte er den Alien-Vergleich: Spanien arbeitet mehr Stunden als fast jedes andere Land in Europa und produziert weniger als fast jedes andere. Das Problem, sagte er, sei systemisch, nicht individuell verschuldet.
Wer aufgibt, ist nicht der Warner
Anfang 2010 war der Tonfall ein anderer. Der Fokus hatte sich von Subprime-Krediten auf Staatsverschuldung verlagert, und die Warnung konkretisierte sich: Um 07:30 Uhr am 5. Februar titelte Bloomberg, dass die Börsen fielen, der Euro sank und das Risiko für Anleihen aufgrund von Beschäftigung und Schulden explodierte. 'Es ist Spanien, offensichtlich!, aber es ist nicht nur Spanien.' Das Gefühl war, dass der Professor aufgehört hatte zu diskutieren und angefangen hatte zu beschreiben.
Dagegen stand immer das gleiche skeptische Argument: Der Crash ist global, ja, aber er wird seit 2006 angekündigt. Ist das ein Treffer oder eine kaputte Uhr, die zweimal am Tag recht hat? 'Wahrscheinlich hat er dir nichts mehr zu bieten', sagten ihm jene, die ihn weiterhin lasen. Die Serie endete, ohne die Frage zu klären.
Was die Debatte wirklich auf dem Spiel hatte
Während die Schlagzeile den Crash dominierte, war der Kern der Sache ein anderer. Wenn die Wirtschaft durch Kredite gestützt wurde und diese versiegten, war die Anpassung keine Rezession: Es war ein Modellwechsel. Dort lagen die Thesen über ein reguliertes Wirtschaftsmodell zwischen 2012 und 2015, Energie als Flaschenhals und ein Land, das gering qualifizierte öffentliche Jobs schafft, indem es KMU fiskalisch erstickt. Diese Debatte ist heute, wenn man sie rückblickend betrachtet, immer noch offen.
Dass die Prognose für 2010 korrekt war, weiß jeder, der eine Hypothek hat. Dass dies überhaupt Bestand hatte, verdanken wir denen, die die Liste nicht aufgaben. Es ist ein unbequemes Beispiel für Fair Play: Der Warner wurde genauso lästig wie derjenige, der gar nicht gewarnt hatte. Einen Großteil des Rufschadens trugen diejenigen, die beharrlich blieben, nicht die, die sich irrten. Und das ist im Grunde die nützlichste Lehre aus allem, was damals gelesen wurde.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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