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Netanjahu und die arabische Stimme: Israels Demokratie in der Sackgasse
Am Wahltag warnte Netanjahu vor der arabischen Stimme, die Likud-Partei sprach anschließend von Wahlbetrug. Das Paradoxon der einzigen Demokratie im Nahen Osten.
Netanjahu und die arabische Stimme: Israels Demokratie in der Sackgasse
Am Wahltag sprach der israelische Ministerpräsident weder über Wirtschaft noch über Sicherheit. Er nutzte sein Konto, um immer wieder zu warnen, die arabischen Parteien würden die Wahl „stehlen“. „Wir befinden uns im Krieg um das Zuhause“, schrieb er. Das Paradoxon ist ein Lehrbuchbeispiel: Das Land, das sich als einzige Demokratie des Nahen Ostens verkauft, verbrachte den Wahltag damit, die Stimme eines Teils seiner Bürger als existenzielle Bedrohung zu behandeln.
Von „geht wählen“ zu „man stiehlt uns die Wahl“
Die Botschaften des Wahltags folgen einem klaren Muster. Zuerst die Mobilisierung: „Gebt ihnen nicht die Schlüssel zum Land“, „geht jetzt sofort wählen“. Dann der Alarm: „enorme“ Schlangen im arabischen Sektor, Busse zu den Wahllokalen und der Hinweis, dass es, wenn die Rechte nicht aufwache, „eine Regierung von Mansur Abbas und Ahmed Tibi“ geben werde. Der Rahmen bleibt immer derselbe: die Stimme des anderen als Katastrophe.
Sind die Wahllokale geschlossen, kippt die Erzählung in die Anschuldigung. Der Likud behauptet einen angeblichen „Wahlbetrug“ durch „arabische Parteien, die den Terrorismus unterstützen“, mit Bestechung, Drohungen, Doppelstimmen und verbotener Software, und kündigt an, der Polizei und dem Schin Bet „hunderte Zeugenaussagen“ zu übermitteln. Sogar von einem „Ra'amgate“ und von „ausländischen Akteuren“, die Wähler bestochen haben sollen, ist die Rede. Diese Vorwürfe bleiben im verfügbaren Material unbeantwortet: Sie werden als Anschuldigung formuliert, nicht als bewiesene Tatsache.
Warum greift die israelische Rechte die arabische Stimme an?
Der Hintergrund ist demografisch und politisch. Der in der Debatte wiedergegebenen Analyse zufolge entstand Israel als Projekt der Linken; seit den 1990er Jahren wächst die Rechte gestützt auf die ultraorthodoxe Stimme, die Einwanderung aus der untergegangenen UdSSR und die misrachischen Nnnn. Die säkulare und aschkenasische Basis, die die Arbeitspartei trug, schrumpft – relativ wie absolut. Wenn die Wählerstruktur sich gegen einen wendet, ist der Kurzschluss, die Wählerschaft des Gegners zu delegitimieren.
Manche gehen weiter und fordern offen, das Wahlrecht allen zu entziehen, die „nicht loyal zum Staat Israel sind“. Der Vorschlag ist kein Ausrutscher eines Kommentators: Er kursiert im israelischen öffentlichen Raum und wird im Material unumwunden formuliert. Genau an diesem Punkt kommt die Diskussion zum Stillstand.
Der unbequeme Vergleich: und das jüdische Geld in den USA?
Auf den Vorwurf ausländischer Einmischung gibt es eine naheliegende Antwort: Wenn ausländische Bestechung eine Wahl ungültig macht – was ist dann mit den Milliarden, die amerikanisch-jüdische Institutionen und Spender aufwenden, um die Politik in Washington zu beeinflussen? Die Frage sucht keine sarracena Gleichsetzung, sondern will auf den doppelten Standard hinweisen, mit dem Einfluss je nachdem gemessen wird, wer ihn ausübt.
Ein Land, das von innen altert
Die eigentliche Debatte ist keine Wahl-, sondern eine Strukturdebatte. Die israelische Demografie treibt auf ein Szenario zu, in dem die ultraorthodoxen und arabischen Gruppen an relativem Gewicht gewinnen, während die säkulare und aschkenasische Bevölkerung schrumpft. Die pessimistischste Schlussfolgerung, die kursiert: In zwei Generationen könnte das Land auf einen inneren Konflikt von der Größenordnung des libanesischen zusteuern. Das mag übertrieben klingen. Aber die israelische Politik liefert seit Jahren keine andere Antwort als den permanenten Notstand.
Damit bleibt die Sache stehen. Die Betrugsvorwürfe laufen institutionell weiter, ohne Urteil. Und die Frage – wie man eine Demokratie führt, wenn ein Teil ihrer Bürger als Fremdkörper behandelt wird – bleibt unbeantwortet.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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