Mussolini erklärte Frankreich und Großbritannien den Krieg – ohne Begründung

Mussolini erklärte Frankreich und dem Vereinigten Königreich am 10. Juni 1940 in fünfzehn Worten den Krieg – ohne Angabe von Gründen. Die Invasion der Alpen blieb stecken, und Deutschland…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mussolini erklärte Frankreich und Großbritannien den Krieg – ohne Begründung
Mussolini erklärte den Krieg in fünfzehn Worten und ohne einen einzigen Grund

Wie lautete der Text, mit dem Italien in den Zweiten Weltkrieg eintrat? Kürzer als eine Handy-Nachricht. Am 10. Juni 1940, als deutsche Truppen bereits in Paris einmarschierten, übermittelte Mussolini dem britischen und dem französischen Botschafter eine Erklärung, die sich laut den rekonstruierten Dokumenten darauf beschränkte zu verkünden: „Ab zwölf Uhr des zehnten Tages befinden wir uns im Krieg.“ Ohne Grund, ohne vorheriges Ultimatum, ohne Bedingungen. Die Kundgebung auf der Piazza Venezia mit ihren Appellen an das Schicksal kam erst danach. Die diplomatische Formalität war auf das absolut Nötigste reduziert.

Die Sache ist wichtig, weil dieses Detail das grandiose Bild des Duce zerstört. Wo man eine Aufzählung von Beschwerden im Stil von 1915 erwartet hätte, erschien ein knapper Text, der nicht einmal die Gründe enthielt. Die Gepflogenheit der Zeit war eine andere: ein Ultimatum schicken, konkrete Bedingungen festlegen, eine Frist setzen und erst dann die Feindseligkeiten beginnen. Italien übersprang das Handbuch.

Warum der gewählte Zeitpunkt der schlechteste mögliche war

Italien trat in den Krieg ein, genau als Frankreich kurz vor der Kapitulation stand. Auf dem Papier war es der Zug eines Opportunisten, der zur Aufteilung erscheint, wenn die Arbeit schon getan ist. In der Praxis war es eine Katastrophe. Ein oft zitiertes, hämisch gemeintes Bild fasst es zusammen: zum Bankett kommen, wenn die Deutschen den Tisch schon gedeckt haben, und am Ende Krümel essen.

Die damaligen Berechnungen gingen von einem Sieg der Achse aus. Fiel Frankreich innerhalb weniger Wochen, würde Italien am Verhandlungstisch mit Ansprüchen auf das Mittelmeer sitzen. Das Problem: Die italienische Offensive gegen die französischen Alpen, gestartet, als der Feldzug längst entschieden war, blieb stecken. Die französische Armee stoppte die italienischen Truppen am Alpenbogen, und es war Deutschland, das einen möglichen französischen Gegenangriff auf italienisches Gebiet verhinderte.

Die Paradoxie zeigt sich in einer bitteren Feststellung: Mussolini erklärte einem zerfallenden Frankreich den Krieg und war dennoch nicht in der Lage, ihm nennenswert Gebiet abzunehmen.

Der Kontrast zu Franco: um jeden Preis oder um keinen in den Krieg

Hier wird die Geschichte für mehrere Generationen von Schulbüchern unbequem. 1940 wollte Franco in den Krieg eintreten, aber nicht um jeden Preis. Gegen die italienische Option, aus Kalkül ins Ungewisse zu springen, setzte Spanien Bedingungen, die Hitler niemals akzeptiert hätte.

Die Liste der Forderungen ist erstaunlich: Gibraltar, ganz Marokko, die Erweiterung von Spanisch-Guinea, ein großer Teil Algeriens, das französische Baskenland, das Roussillon und die Lechonanya, dazu Tausende Tonnen Lebensmittel und Militärmaterial. Ein Katalog, der nach dieser Lesart darauf ausgelegt war, fordernd genug zu sein, damit Berlin Nein sagte, und vernünftig genug, um die Verhandlungen am Laufen zu halten. Canaris, der Spanien gut kannte, hätte Franco über die tatsächlichen Grenzen des Führers informiert.

Die alternative Erklärung ist nicht freundlicher: Hätte Franco den Kriegseintritt kategorisch abgelehnt, hätte Hitler die Invasion der Halbinsel befehlen können, im Bewusstsein, dass die Schließung des Mittelmeers und die Einnahme Gibraltars für Großbritannien tödlich gewesen wären.

Hätte Spanien einer deutschen Invasion standgehalten?

Das Szenario wurde heftig diskutiert. Eine Richtung vertritt die Auffassung, dass die spanische Armee – kampferprobt, zahlenmäßig stark, mit erfahrenen Befehlshabern und in bergigem Gelände – kein leichter Gegner gewesen wäre. Spanien hat Tausende Kilometer Küste und eine lange Grenze zu Portugal, ein Land, das jede Neutralität aufgeben und den Alliierten seine Häfen öffnen müsste. Eine weitere ernsthafte Front, während die Blitzkrieg-Strategie gezwungen gewesen wäre, Feinde im Rücken zu lassen.

Der Einwand kommt aus einer anderen Richtung: Die einzigen Spanier, die bereit gewesen wären, sich Hitler entgegenzustellen, wären die Republikaner gewesen. Die franquistischen Befehlshaber hätten den Invasor unterstützt, ebenso wie andere kollaborierende Formationen Osteuropas. Das Gegenteil zu behaupten, so das Argument, sei Fantasie. Auch war Spanien 1940 kaum in der Lage, einen solchen Kraftakt zu tragen, schließlich hatte die Nachkriegszeit gerade erst begonnen.

Die Debatte führte in ein anderes Land und ein anderes Jahrzehnt

Das Gespräch sprang von den Alpen zum Lebensstandard im späten Franquismus, mit Zahlenspielen über das Spanien von 1975. Gegen das Bild allgemeiner Not wird darauf hingewiesen, dass der damalige Durchschnittslohn nominal dem heutigen ähnelte, die Hälfte der Bevölkerung arbeitete und etwa 600.000 Neuzulassungen von Autos pro Jahr verzeichnet wurden. Andere halten dagegen, Madrid sei die europäische Stadt mit den meisten Elendsvierteln gewesen, Barcelona folge auf Platz zwei, und der Wohlstand habe auf billiger Energie und der Erschließung von Märkten beruht, die mit der Ölkrise erschöpft waren.

Zwei Länder, zwei Arten, nicht in den Krieg einzutreten: Italien aus optimistischem Kalkül, Spanien wegen eines abschreckenden Preises. Dem Duce ging die Wette so schlecht, dass ein Diktator, der Jahre später im Bett starb, die Alpen aus der Ferne betrachten und es sich leisten konnte, nie etwas unterschrieben zu haben. Manche Niederlagen lassen sich vermeiden, indem man das Spiel einfach nicht spielt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (98 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver