Wann die deutsche Führung erkannte, dass der Krieg verloren war

Wann wusste Deutschland, dass es den Zweiten Weltkrieg verlor? Die These von November 1941 steht im Konflikt mit Canaris, Stalingrad und 1940.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Wann die deutsche Führung erkannte, dass der Krieg verloren war
Das Datum, an dem Deutschland die Niederlage akzeptierte, spaltet Historiker

Es gibt ein Paradoxon, das die gesamte Debatte darüber durchzieht, wann Deutschland wusste, dass es den Zweiten Weltkrieg verloren hatte: Die am besten Informierten stimmen nicht immer mit denen überein, die sich am besten erinnern. Die hier vorgestellte These datiert diesen Moment auf November 1941, als die Operation Taifun im Schlamm und der Kälte stecken blieb, Moskau nicht fiel und Washington die Alliierten seit Monaten belieferte. In derselben Diskussion taucht jedoch ein Admiral auf, der bereits mehr als zwei Jahre zuvor das Gegenteil behauptete, ein Premierminister, der sich weigerte zu verhandeln, als alles fast verloren war, und ein österreichischer Maler, der die Niederlage erst anerkannte, als die Sowjets vor der Tür des Bunkers standen.



November 1941: Das Datum des Historikers

Das Argument ist materiell solide. Die Invasion der UdSSR, konzipiert als Feldzug von wenigen Wochen, verwandelte sich im Winter in eine Front von Tausenden Kilometern. Die Kessel von Wjasma und Brjansk – die für die Sowjets kostspieliger waren als der von Kiew – reichten nicht aus, um einen Zusammenbruch des Staates herbeizuführen. Der logistische Einsatz von Fall Blau hatte noch nicht einmal begonnen, und der bevorstehende Eintritt der USA in den Krieg veränderte die industrielle Arithmetik des Konflikts.

Wer diese Lesart verteidigt, argumentiert, dass 1941 das letzte Jahr war, in dem Deutschland einen Sieg in Aussicht stellen konnte. Danach blieb nur noch, eine sichere Niederlage hinauszuzögern. Der Satz „Der Krieg war verloren, bevor er begann“ fasst diese Strömung zusammen: Die deutsche Wirtschaft konnte im Abnutzungskrieg gegen den anglo-sowjetischen Komplex über mehrere Jahre hinweg nicht mithalten.



Diejenigen, die es früher wussten: Canaris und die Verschwörer

Angesichts jedes späteren Datums gibt es eine Strömung, die die Anerkennung bei den Führern nach hinten schiebt, aber die Klarheit bei den Geheimdiensten nach vorne rückt. Admiral Canaris, Chef des Abwehr, hätte den Krieg von Anfang an als verloren betrachtet und seine Bemühungen darauf gerichtet, das Regime zu sabotieren. Bereits während der Annektion der Sudeten gab es eine Gruppe hochrangiger Beamter, die verschworen war, obwohl die Operation Walküre erst im Juli 1944 stattfand.

Der Nuance dieser Strömung zufolge ist die deutsche Öffentlichkeit, deformiert durch jahrelange Propaganda, kein zuverlässiger Indikator für das Denken im Land. Klarsicht und Informationen zirkulierten nur in sehr engen Kreisen.



September 1940 oder Februar 1943? Die anderen Daten

Nicht alle setzen den Punkt ohne Rückkehr an der Ostfront an. Manche vertreten die Ansicht, Deutschland habe den Krieg im September 1940 verloren, als die Bombardierung vom 15. September scheiterte und die Operation Seelöwe abgesagt wurde. Von da an war Deutschland gegen einen Feind gefangen, den es nicht besiegen konnte und der es wirtschaftlich strangulierte. Das Leih- und Pachtgesetz vom März 1941 bestätigte, dass die USA den Widerstand unbegrenzt finanzieren würden. Ein weiteres oft zitiertes Datum ist Februar 1943, mit der Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad, dem Moment, in dem die deutsche Führung begonnen hätte, dies zu akzeptieren.

Am entgegengesetzten Ende erschwerte die bedingungslose Kapitulation der Alliierten – von einigen Funktionären als Idee abgelehnt – jedes Szenario eines ausgehandelten Friedens. Die Devise der bedingungslosen Kapitulation verschloss die Tür für einen akzeptablen Waffenstillstand.



Die Uchronie: Was wäre, wenn die UdSSR gefallen wäre?

Eines der häufigsten Gedankenspiele in der Diskussion ist, was passiert wäre, wenn es keine Sowjetunion gegeben hätte. Die überwiegende Antwort lautet, dass sich das Ergebnis nicht geändert hätte, sondern nur der Zeitplan. Der Block aus USA und Großbritannien war zur See und in der Luft überlegen; hätte er alle Ressourcen auf die Landfront gelenkt, hätte Deutschland Kräfte angleichen müssen und die Luftüberlegenheit verlieren. Hätte es stattdessen diese Überlegenheit beibehalten wollen, hätte es eine erdrückende Überlegenheit am Boden gehabt.

Einige differenzieren jedoch: Ohne die UdSSR hätten die Deutschen stabilen Zugang zu Öl gehabt, ein großer Teil der Wehrmacht wäre freigesetzt worden, und es hätte Spielraum gegeben, im Westen eine Verlustquote zu erreichen, die die amerikanische Öffentlichkeit in einem langen Konflikt nicht toleriert hätte. In diesem Szenario wird eher auf einen ausgehandelten Frieden als auf einen alliierten Sieg hingewiesen. Andere replizieren mit dem Argument, dass im realen Fall 11 Panzerdivisionen nicht in der Lage waren, den Brückenkopf der Normandie zu räumen, und Paris am 19. August 1944 befreit wurde.



Bombardierungen, Flak und Atombombe: Was diese Diskussion hervorbrachte

Auf technischer Ebene wurden detaillierte Vergleiche von Flugabwehrartillerie und Bombern geteilt. Die Kanonen Flak 88 erreichten effektive Höhen von 7.500 bis 8.500 Metern; die Flak 128 bis zu 12.000 Meter. Die Bomber operierten zwischen 7.000 und 9.000 Metern. Ein Veteran erklärte die Taktiken des Feuerbarrieren der Flugabwehr, den Würfel aus Feuer, der über dem Ziel gebildet werden sollte.

Auch die Frage nach der Atombombe taucht auf. Es wird behauptet, das Manhattan-Projekt habe Deutschland als primäres Ziel definiert und der Projektleiter, General Leslie R. Groves, habe Anweisungen von Roosevelt erhalten, sie gegen Deutschland einzusetzen, falls der Krieg in Europa nicht beendet sei. Nach dieser Version wurde diese Option besonders während der Ardennenoffensive in Betracht gezogen. Eine andere Position besagt, ein Einsatz auf deutschem Boden wäre nicht machbar gewesen, da ein Drittel der US-Bevölkerung deutscher Herkunft war, doch die Entgegnung ist eindeutig: Die Kinder der Deutschen fühlten sich als Amerikaner.



Letztlich verteidigt jede Position einen anderen Moment: die Klarsicht bestimmter Geheimdienste, der Zusammenbruch eines Plans, der Eintritt eines Verbündeten oder schlichte industrielle Arithmetik. Das von der These vorgeschlagene Datum – November 1941 – stützt sich weniger darauf, was Hitler zugab, sondern darauf, was der deutsche Apparat nicht mehr leugnen konnte. Kann man einen Krieg drei Jahre lang verlieren, ohne es anzuerkennen?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (207 Antworten).

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