Mussolini und Hitler: Zwei Diktatoren, ein vermeidbares Ende
Was unterscheidet Benito Mussolini von Adolf Hitler? Die kurze Antwort aus jedem Lehrbuch lautet, dass einer den Faschismus erfand und der andere den Nationalsozialismus. Die lange Antwort, die wirklich zählt, ist, dass einer kopfüber an einer Tankstelle in Mailand hing, während der andere sich in einem Bunker erschoss. Und die unbequeme Frage, die über allem schwebt, lautet: Hätte der Duce wie Franco friedlich im Bett sterben können, wenn er sich nicht in den österreichischen Maler verliebt hätte?
Das ist die These, die die Diskussion trägt. Der italienische Faschismus kam mit dem Marsch auf Rom an die Macht, ohne einen Bürgerkrieg zu brauchen: Mussolini brauchte keine Massenhinrichtungen, um die Linke zu zerschlagen, weil ein großer Teil der Arbeiterklasse ihn als einen der ihren sah. Er war sozialistischer Funktionär gewesen und seine Partei wurde von Gewerkschaftern gespeist. In Spanien hingegen waren ein dreijähriger Krieg und eine anschließende Repression nötig, bei der Schätzungen zufolge 100.000 Hinrichtungen während des Krieges und 50.000 im folgenden Jahrzehnt stattfanden.
Die erste Amtszeit, an die sich Italien nostalgisch erinnert
Die ersten Jahre der faschistischen Regierung werden als Phase wirtschaftlichen Erfolgs und der Ordnung dargestellt. Es wird argumentiert, dass Mussolini einen Techniker an die Spitze der Wirtschaft stellte, der gemischte Politiken anwandte, keine Dogmen aus Lehrbüchern, und dass dies Italien ermöglichte, aus dem Desaster herauszukommen, in das die Linke es gestürzt hatte. Der Duce war Lehrer – er unterrichtete in Italien und der Schweiz – und prahlte damit, dass er durch ein Projekt an die Macht gekommen sei, nicht durch eine Rasse.
Der Kontrast zum deutschen Fall wird anhand der Prioritäten verdeutlicht. Für Hitler war die Rasse das Wesentliche; für Mussolini der Staat. Dieser Unterschied, der theoretisch wie eine akademische Nuance klingt, übersetzt sich in Wirtschaftspolitik: Der Deutsche stellte die Wirtschaft in den Dienst seines rassischen und militärischen Projekts, während der Italiener zumindest in der ersten Phase einen pragmatischeren Kurs beibehielt.
Manche behaupten, dieser Pragmatismus sei aus Angst zerbrochen. Die Nähe zur österreichischen Grenze und die deutsche Militärmacht hätten Mussolini dazu getrieben, auf Berlins Zug aufzuspringen. Sein erster Besuch in der deutschen Hauptstadt beeindruckte ihn – aber nicht positiv. Von da an wurde die Allianz zur Unterwerfung.
Griechenland, der Fehler, der die Südfront eröffnete
Die Invasion Griechenlands erscheint in der Analyse als Point of No Return. Italien war in Wirtschaft, Industrie, Heer, Marine und Luftwaffe überlegen. Die Griechen stoppten nicht nur die Offensive: Sie schlugen zurück und besetzten albanisches Gebiet. Deutschland musste zu Hilfe eilen und eine Balkanfront eröffnen, die es nichts anging, was die Operation gegen die Sowjetunion verzögerte.
Der Auslöser war imperale Eitelkeit. Mussolini wollte sein neues Römisches Reich und ließ nicht zu, dass Hitler alles abbekam. Seine Generäle warnten ihn vor dem schlechten Zustand der Armee. Er ignorierte sie. Das Ergebnis war eine Machtdemonstration, die absurd schiefging.
Dasselbe Muster wiederholt sich in Frankreich: Italien trat in den Krieg ein, als die Deutschen bereits in Paris einmarschierten, nur um Beute zu machen. Und bei der Kriegserklärung an die USA erreicht die Absurdität ihren Höhepunkt. Nach den Seeschlappen im Mittelmeer wurde es laut härtester Analyse ein Verbrechen am eigenen Volk, Italien im Konflikt zu halten.
Franco, der Einzige, der im Bett starb
Der Vergleich mit Spanien ist unvermeidlich und taucht in allen Phasen der Diskussion auf. Franco wandte ein ähnliches politisches Programm wie der frühe Mussolini an, weigerte sich aber, in den Krieg einzutreten. Hätte er sich mit Hitler verbündet, wäre Spanien 1945 als Nation aufgehört zu existieren, argumentieren einige: Die Kanarischen Inseln wären in britische oder amerikanische Hände gefallen und das Land wäre wie Jugoslawien oder die Tschechoslowakei zerstückelt worden.
Amerikanische Hilfe kam in zwei Wellen, wobei die bedeutende im Jahr 1953 erfolgte. Dieser Dollarfluss, kombiniert mit der Nichtbeteiligung am Krieg, ermöglichte eine Entwicklung, die Italien und Deutschland nicht kannten. Der Duce hingegen übergab sein Land im zweiten Mandat den deutschen Zielen. Damit war sein Schicksal besiegelt.
Die Diskussion um die Leiche fügt ein eigenes Kapitel hinzu. Es gibt Zweifel daran, ob der Körper, der an der Mailänder Tankstelle hing, wirklich Mussolinis war: Angeführt werden Missverhältnisse zu seiner bekannten Kleinwüchsigkeit, Unterschiede in der Totenstarre im Vergleich zu seiner Geliebten, ein entstelltes Gesicht und die Verweigerung eines DNA-Tests. Stoff für Verschwörungstheoretiker, aber er ist da.
Waren Faschismus und Nationalsozialismus dasselbe?
Die Diskussion bewegt sich hin zur ideologischen Natur beider Regime. Eine Strömung behauptet, Faschismus und Nationalsozialismus seien zwei Formen des Staatskapitalismus, Cousins des Sozialismus. Eine andere betont, dass Hitler die Finanzkaste konfrontierte, Mussolini jedoch nicht, was erklärt, warum der Italiener zeitweise gute Presse hatte. Eine dritte, skeptischere Sicht klärt die Sache: Alle Totalitarismen enden gleich – privilegierte Eliten, Vetternwirtschaft und gebeutelte Massen –, ob nun Dschingis Khan oder Oktavian Augustus herrscht.
Die abschließende Bilanz der Diskussion lautet, dass Mussolini ein Politiker mit einem solideren Projekt war, als die alliierte Propaganda zugestehen wollte, aber ein mittelmäßiger Stratege, der sich von der Ambition eines mächtigeren und verrückteren Verbündeten mitreißen ließ. Faschismus ohne Eroberungskriege wäre im Bett gestorben. Mit ihnen starb er gehängt. Der Unterschied zu Hitler liegt nicht in der Ideologie. Er liegt darin, dass einer seine Freunde schlecht wählte.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (121 Antworten).